Onlineshopping: Klarna stellt Sofortüberweisung als separate Zahlart ein
Frankfurt. Wer das bekannte Bezahlverfahren Sofortüberweisung, das durch Klarna angeboten wird, nutzen möchte, braucht künftig ein Konto bei dem schwedischen Finanzdienstleister. Klarna bietet Sofortüberweisung bald nicht mehr separat an. Sofortüberweisung wird neben Lastschrift und Karte eine von drei Bezahlarten bei „Klarna Sofort bezahlen“, auch „Klarna Pay Now“ genannt.
Die deutschen Verbraucher würden somit weiterhin die Bezeichnung „Sofortüberweisung“ finden, erklärte das Unternehmen auf Anfrage und bestätigte damit entsprechende Handelsblatt-Informationen.
Klarna teilte weiter mit, die Integration von Sofortüberweisung sei bereits in einigen Ländern weltweit, darunter in Großbritannien, umgesetzt worden. Auch in Deutschland haben manche E-Commerce-Händler ihren Bezahlprozess angepasst. Zahlungsabwickler wie Adyen und Stripe, die verschiedene Bezahlmethoden in Onlineshops einbauen, hatten ihre Händlerkunden schon über den Schritt Klarnas informiert.
Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich nun bei Klarna registrieren und ein entsprechendes Konto anlegen, wenn sie Sofortüberweisung weiternutzen wollen. Klarna zufolge haben das auch in Deutschland bereits 95 Prozent der Sofortüberweisung-Kunden getan. Es gebe eine „deutliche Überschneidung“ der Kunden von Sofortüberweisung und Klarna. Zahlen zu Kunden sowie Transaktionen über Sofortüberweisung nennt Klarna nicht.
Bei Sofortüberweisung geben Nutzer ihre Zugangsdaten zum Onlinebanking an und bestätigen die Zahlung dann mit einem zweiten Sicherheitsfaktor, einer TAN. Wer Sofortüberweisung künftig in der Klarna-App aufruft, muss seine Onlinebanking-Daten nicht mehr jedes Mal eintippen.
Klarna, eines der größten Finanz-Start-ups in Europa, hatte das Münchener Fintech Sofortüberweisung vor zehn Jahren übernommen und nach und nach enger an sich gebunden. Die Bezahlart war früh zum Ärgernis für die deutschen Banken geworden, die im Kampf gegen Sofortüberweisung und die Nutzung der Onlinebanking-Zugangsdaten sogar bis vor den Bundesgerichtshof zogen.
Klarna: Kritik an Onlinekäufen auf Kredit
Neben den direkten Bezahlarten bietet Klarna den Kauf auf Rechnung und auf Raten, im Fachjargon oft „Buy now pay later“ (BNPL) genannt. Der Ratenkauf war für viele Verbraucher besonders während der Niedrigzinsphase attraktiv. Mit höheren Zinsen bei Ratenkrediten wächst allerdings auch die Gefahr der Verschuldung.
Onlinekäufe auf Kredit sind vielfach in die Kritik geraten. Die Europäische Union (EU) hat die Regeln dafür kürzlich verschärft.
Naheliegend ist zudem, dass Klarna seine Bezahlangebote international stärker vereinheitlicht. Das Unternehmen, das vor zwei Jahren mit 6,7 Milliarden Dollar (6,1 Milliarden Euro) bewertet wurde, strebt einen Börsengang an. Im Januar hatte Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski der Nachrichtenagentur Bloomberg gesagt, dass der Börsengang in den USA wahrscheinlich recht bald stattfinden werde.
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Zeitweise hatte Klarnas Bewertung, damals das teuerste, nicht börsennotierte Start-up Europas, bei fast 46 Milliarden Dollar gelegen. Bei zahlreichen Start-ups war die Bewertung im Zuge der steigenden Zinsen abgerutscht, in Klarnas Fall besonders heftig.