
Wochenende: Wie Deutschlands glücklosester Manager seine Kunden ärgert – Das Handelsblatt Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal gelingt es in diesen polarisierenden Zeiten, aus Spaltung an Orten Einigkeit herzustellen, an denen ich das gar nicht vermute. Zum Beispiel in der Deutschen Bahn.
Eigentlich verbindet meinen zweijährigen Sohn und mich in Sachen Bahn eine Art Grundkonsens: Reisen auf Schienen fasziniert uns. Das Problem ist nur, dass in dem Punkt unsere unterschiedlich lange Lebenserfahrung ins Spiel kommt. Während er in seinem kindlichen Leichtsinn noch daran glaubt, dass sich die Vorteile dieses Reisemittels auch in der Wirklichkeit zeigen, schaue ich auf mehr als zwei Jahrzehnte intensive Erfahrung als Kunde der Deutschen Bahn zurück.
Während er sich noch über den kleinen ICE freut, den er im Bordbistro für seine Kinderfahrkarte geschenkt bekommen hat, ärgere ich mich schon darüber, dass es außer dem kleinen ICE im Bordbistro gar nichts gibt; Küche kaputt.
Während er die verlängerte Fahrzeit für eine ausgiebige Erkundung auch des allerletzten Wagens im Zug benutzt, ärgere ich mich über die Stunde verlorene Lebenszeit.
Während er das Sitzen im Übergangsbereich zwischen zwei Wagen als Abenteuer interpretiert, ärgere ich mich, die Sitzplätze ausgerechnet im kurzfristig ausgefallenen Zugteil reserviert zu haben.
Nur neulich, da hat auch er erstmals Zweifel bekommen: Bis Ende August kriegt jedes Kind an Bord eines ICE ein Eis im Bordbistro geschenkt. Wir waren zunächst beide einig darin, uns über diese Idee zu freuen. Leider war an dem Tag die Kühlung defekt. Dann waren wir uns einig, die Bahn – nun ja – doof zu finden.
Nun bin ich als jahrelanger Intensivkunde der Bahn mittlerweile davon überzeugt, dass Bahn-Chef Richard Lutz und seine Vorstandskollegen nicht nur Deutschlands erfolgloseste Manager sind. Sondern ihnen auch egal ist, ob im Alltag etwas gut oder schlecht läuft. Trotzdem wundere ich mich manchmal, wohin das wohl führen soll, wenn man nicht nur seine zahlenden, sondern auch seine zukünftigen Kundinnen und Kunden verärgert.
Ich hoffe, Sie haben an diesem Sommerwochenende Bahn frei, zum Beispiel für unsere zehn Leseempfehlungen. Eine davon geht auch der Frage nach, wie sich die Bahn nicht aus Kinderaugen darstellt, sondern aus Sicht der vier Millionen Menschen, die als Fernpendler Woche für Woche auf sie angewiesen sind.
Herzlich
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende & Report

Ich pendle jede Woche mit der Bahn – so werde ich nicht wahnsinnig
Wie gesagt, ich blicke auf eine lange Geschichte als Bahnkunde zurück. Unter anderem, weil ich seit vielen Jahren regelmäßig zwischen meinem Wohnort Tübingen und meinem Arbeitsort Düsseldorf pendle. Seit meine Kollegin Clara Thier vor zwei Wochen ihren großen Report über die Stimmung unter Deutschlands Pendlern veröffentlicht hat, weiß ich, dass es Hunderttausenden so geht wie mir: Sie schätzen das Lebensmodell, verzweifeln aber an der Pendler-Infrastruktur. Ich habe deswegen hier – visualisiert von Agatha Kremplewski – die fünf Regeln aufgeschrieben, die mir und hoffentlich bald auch Ihnen das viele Bahnfahren erträglich machen.

Darum sollte Deutschland das Silicon Valley nicht kopieren
Die Zukunft? Die entscheidet sich im Silicon Valley. Das gehört seit Jahren zu den Glaubenssätzen deutscher Manager und Politiker. Entsprechend zahlreich sind die Versuche, von den Stärken der Gegend rund um San Francisco zu lernen. Aber ist das wirklich sinnvoll? Mein Kollege Stephan Scheuer hat die vergangenen zweieinhalb Jahre dort gelebt – hier begründet er, warum Deutschland sich lieber nicht zu viel dort abgucken sollte.
So führen Sie erfolgreich
Mir geht es ja so: Viele Tipps und Bücher, die Karrierecoaches so veröffentlichen, kommen mir oberflächlich vor. In diesem ganzen Banalitäten-Konzert gibt es aber einige Ausnahmen – und die größte ist aus meiner Sicht Adam Grant. Keiner versteht es so gut wie der US-Organisationssoziologe, die sozialen Wirkmächte in modernen Unternehmen zu sezieren und daraus Schlüsse für die richtige Unternehmens- und Führungskultur zu ziehen. Unser Chefredakteur Sebastian Matthes hat mit ihm über die Frage gesprochen, wie Künstliche Intelligenz Führung verändert und wie Unternehmen agil bleiben.

Diese Frau bereitet Top-Leute mental auf Extremherausforderungen vor
Woran ich anders als an Karrieretipps wirklich glaube: sich professionelle Unterstützung dafür zu holen, um sich mental und persönlich auf große Herausforderungen einzustellen. Und so geht es immer mehr Top-Leuten. Das sieht man derzeit bei Olympia. Anders als früher reden Spitzensportler sogar offen darüber, sich psychologische Hilfe zu holen. Etwa bei Annelen Collatz. Die berät die deutschen Spitzenruderer bei Olympia – aber auch viele Top-Manager. Thorsten Firlus hat sie erzählt, wie es beide Gruppen zu Spitzenleistung bringen.
Die deutsche Bier-Kaiserin
Die bayerische Brauereiwelt fasziniert mich seit jeher. Diese Mischung aus Weltläufigkeit und Piefigkeit gibt es sonst selten in der deutschen Wirtschaft. Die Geschichte von Waltraud Kaiser aber ist selbst für die Brauwelt im Süden schillernd: Sie war 35 Jahre lang für den Export von Erdinger verantwortlich. Unter nicht ganz geklärten Umständen schied sie vor Kurzem bei der Brauerei aus. Annika Keilen hat Kaisers Erfahrungen aufgeschrieben – und verrät, was die Frau seit ihrem Ausstieg bei Erdinger nun macht.

Welche Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind
Bei alkoholfreiem Weißbier muss ich immer an Nahrungsergänzungsmittel denken. Brauereien bewerben das Getränk mittlerweile mit so vielen gesundheitsfördernden Attributen, dass man fast an die heilende Wirkung des Gebräus glaubt. Und vielleicht ist die ja auch besser als bei manchem richtigen Nahrungsergänzungsmittel. Unser Sportkolumnist Thorsten Firlus hat sich diesen Markt jedenfalls angeschaut – und erklärt Ihnen hier, von welchen Mittelchen Sie am besten die Finger lassen (vielen) und wie Sie als ambitionierter Freizeitsportler wirklich gesundheitlich fit bleiben.
Die Kunst des Mittelwegs
Vermutlich gilt für die Ernährung wie für den Rest des Lebens: Das gesunde Maß macht es. Das scheint in einer Zeit, in der alles irgendwie polarisiert, keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein. Unsere Kolumnistin Patricia Thielemann geht der Frage nach, wie Sie in vielen Lebenssituationen Maß und Mitte finden – hier sind ihre neun Tipps dazu.
Warum eigentlich haben vor allem Friseursalons so komische Namen?
Gar nicht nach Maß und Mitte klingen die Namen vieler Friseursalons. Stattdessen erlebt man dort Sprachexzesse, bis es quietscht. Was denken sich Menschen, die ihre Unternehmen „Haar-Scharf“ oder „Vorhair/Nachhair“ nennen? Hier gibt es die Antworten.
4000 Prozent Rendite mit Bitcoin – so geht’s
Sascha Steiger kaufte 2013 2,7 Bitcoin bei Mt. Gox – dann ging die damals weltgrößte Kryptobörse pleite. Nun bekommt er die Coins zehn Jahre später anteilig erstattet. Mit mehr als 4000 Prozent Rendite. Was das mit einem macht, plötzlich auf so viel Geld zu sitzen, hat er Benjamin Ansari erzählt.

So lebt es sich in Londons neuem Eine-Milliarde-Pfund-Hotel
Hier wäre noch ein Ausgabetipp für Steiger: Eine Milliarde Pfund hat eine Hongkonger Hotelgruppe in ihr neues Haus in London investiert. Dafür gibt es ziemlich viel Luxus – aber auch Möglichkeiten für jedermann, sich das Haus von innen anzuschauen. Thorsten Firlus hat das gemacht. Hier sind seine Eindrücke.
Und falls Sie noch Zeit für einen elften Tipp haben, möchte ich Ihnen das hier ans Herz legen: Das Handelsblatt hat einen Ratgeber zusammengestellt, mit dem es Führungskräfte durch die Transformation schaffen können und sie nicht nur überleben, sondern auch mitgestalten. Hier gehts zum 33-seitigen Ratgeber mit Praxistipps von Leadership-Experten und Selbsttest.