Geldpolitik: Bank of England beginnt mit der Zinswende
Düsseldorf. Die Bank of England (BoE) beginnt mit der Zinswende und senkt den britischen Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent. Das kündigte die Zentralbank nach ihrer Sitzung am Donnerstag an. Befragte Fachleute hatten mehrheitlich mit diesem Zinsschritt gerechnet.
Allerdings fiel die Entscheidung im neunköpfigen Gremium der Bank äußerst knapp aus: Fünf Mitglieder stimmten für den Zinsschritt, vier dagegen. BoE-Chef Andrew Bailey war unter den Befürwortern, Chefökonom Huw Pill dagegen. Bailey betonte in der Pressekonferenz nach der Entscheidung, weiterhin vorsichtig agieren zu wollen. Die Zinsen müssten so lange im restriktiven Bereich bleiben, bis die Inflation nachhaltig bei zwei Prozent liege. Einen Ausblick auf Termine für weitere Zinssenkungen wolle er explizit nicht geben, sagte er.
Die BoE hatte seit Ende 2021 insgesamt 14-mal die Zinsen erhöht, zuletzt im August 2023. Die letzte Zinssenkung gab es im Jahr 2020. Die Europäische Zentralbank hat bereits im Juni erstmals die Zinsen gesenkt, in den USA wird der erste Zinsschritt mehrheitlich im September erwartet.
Die Inflation im Vereinigten Königreich zeigte sich zuletzt hartnäckig: Die Verbraucherpreise stiegen im Mai und Juni jeweils um 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, während Expertinnen und Experten bereits mit Werten unterhalb von zwei Prozent gerechnet hatten. Ähnlich verhielt sich die Kerninflation, die besonders schwankungsanfällige Güter wie Lebensmittel und Energie nicht berücksichtigt. Die Teuerung in diesem Bereich lag in beiden Monaten bei 3,5 Prozent.
Maßgeblich verantwortlich ist nach wie vor die Inflation im Dienstleistungssektor. Hier stiegen die Preise zuletzt um 5,7 Prozent, besonders Hotels, Restaurants und Gesundheitsdienstleister hoben die Preise kräftig an. Dieser Umstand und die angekündigten deutlichen Lohnzuwächse für Beschäftigte des Gesundheitswesens durch die neue Labour-Regierung hatten bei einigen Entscheidern der Zentralbank für Skepsis gegenüber niedrigeren Zinsen gesorgt.
Befürworter der Zinswende setzen sich durch
Doch nun konnten sich die Befürworter einer Zinssenkung durchsetzen. Parallel zur Entscheidung veröffentlichte die Zentralbank zudem Prognosen dazu, wie sich Inflation und Wirtschaftsleistung in den kommenden Monaten entwickeln dürften.
Die Banker rechnen damit, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte wieder zunimmt, auf dann im Schnitt 2,75 Prozent. Dieser Effekt ist allerdings überwiegend statistischer Natur, weil in diesem Zeitraum die Effekte des großen Auf und Ab der Energiepreise nach Beginn des Ukrainekriegs nicht mehr Teil der Betrachtung von Jahr zu Jahr sein werden.
Die eigentliche Begründung für den Zinsschritt: Die Mehrheit im BoE-Rat sieht die Effekte der Hochzinspolitik in ihren Projektionen nun eintreten. In zwei Jahren soll die Inflation demnach bei 1,7 Prozent liegen, in drei Jahren bei nur noch bei 1,5 Prozent. Weitere Inflationsfaktoren wie Löhne dürften sich ebenfalls abschwächen, heißt es im Bericht zur Zinsentscheidung.
Die vier Skeptiker rechnen dagegen mit stärkeren Zweitrundeneffekten, also Lohn- und Preisanstiegen, die wiederum neue Anstiege auslösen. Die sinkende Inflation im Land sei zudem vor allem auf Preisrückgänge im Ausland zurückzuführen, vor allem bei Lebensmitteln und Energie. Es brauche deshalb mehr Daten, die klar für eine Zinssenkung sprechen.
Labour-Finanzministerin Rachel Reeves begrüßte die Entscheidung. Das seien „willkommene Neuigkeiten“, sagte sie.