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EnergieWarum warten E-Auto-Urlauber oft auf freie Schnelllader?

Viele E-Mobilisten dürften diesen Sommer Wartezeiten beim Ladestopp erlebt haben. Ist Deutschlands Infrastruktur fit für ein Verbrenner-Aus 2035? Und wie lassen sich Ladesäulen-Staus umgehen?Catiana Krapp 04.09.2024 - 10:11 Uhr Artikel anhören
Ladestopp im Sommer 2024: Alle Säulen belegt. Foto: Catiana Krapp

Düsseldorf. Wer in diesem Sommer mit dem Elektroauto im Urlaub gewesen ist, hat es womöglich erlebt: Man kommt auf einen Autobahnparkplatz, möchte das Auto laden – und alle Ladesäulen sind belegt. Nun heißt es: Im Auto so lange neben den Schnellladern herumlungern, bis jemand anderes fertig geladen hat – und bloß sichergehen, dass sich kein anderer wartender Fahrer vordrängelt. Ein Ladestopp von 20 Minuten kann so schon einmal doppelt so lange dauern.

Wer sich mit Elektroautos auskennt, dem ist auch dieses Problem bekannt. So zum Beispiel Peter Wüstnienhaus, der am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt arbeitet und seit vielen Jahren Experte für Elektromobilität ist.

Er sagt: „Zu Ferienanfang und Ferienende, aber auch grundsätzlich freitags und sonntags ist die Gefahr groß, dass es an den Ladesäulen voll wird. Mir ist es schon passiert, dass ich sonntagabends um 22 Uhr an der A1 noch warten muss, weil vier von vier Ladeplätzen belegt sind.“

Die Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen soll in den kommenden Jahren noch deutlich wachsen. Das Ziel für 2030 sind 15 Millionen Elektroautos, aktuell sind es gerade einmal 1,5 Millionen. Und ab 2035 sollen voraussichtlich sogar gar keine Autos mehr, die Benzin oder Diesel tanken, neu zugelassen werden. Ist die Ladesäuleninfrastruktur darauf vorbereitet? Und wie können E-Auto-Fahrer Staus vermeiden?

Es lohnt sich erst ab zehn Prozent Auslastung

Betrachtet man nur die politischen Pläne, ist das aktuelle Verhältnis zwischen Ladesäulen und Elektroautos in Deutschland nahe am Optimum: Auf die derzeit 1,5 Millionen rein elektrischen Autos kommen etwas mehr als 100.000 Ladepunkte. 2030 soll es zu den 15 Millionen E-Autos eine Million Ladepunkte geben. Das Verhältnis – 15 Elektroautos auf einen Ladepunkt – bliebe somit gleich.

Hinter diesem Verhältnis steckt offenbar mehr als ein willkürlicher politischer Plan. Der Wahrnehmung, die Auslastung der Ladesäulen sei aktuell zu hoch, widerspricht Torsten Kiedel, Finanzvorstand beim Schnell-Ladesäulenanbieter Ionity, hinter dem die Autobauer VW, BMW, Mercedes, Ford und Hyundai und der Finanzinvestor Blackrock stehen.

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Stau an der Ladesäule – Wie komme ich am schnellsten mit dem E-Auto in den Urlaub?

27.08.2024
Abspielen 31:26

Kiedel sagt: „Es wird sehr, sehr viel aufgebaut aktuell. Es ist derzeit vor allem in Deutschland so, dass die Neuzulassungen bei Elektroautos leicht hinterherhinken. Das heißt, dass wir aktuell merken, es ist eher eine Überkapazität an Ladepunkten da.“ Wie passt das zusammen?

Laut Kiedel sind die Staus an Ladesäulen der vergangenen Wochen vor allem ein Stoßzeiten-Effekt – ähnlich wie normale Staus auf der Autobahn zu Urlaubszeiten und an Wochenenden: „Es gibt selten Wartezeiten, und wenn, dann höchstens an den üblichen Stauwochenenden wie zum Beispiel in den Sommerferien.“

Wir gehen oft mit sechs Ladepunkten pro Standort in den Markt. Wenn wir sehen, dass es sich lohnt, erweitern wir auf acht oder zwölf, teilweise sogar auf 18 oder 24 Ladepunkte.
Torsten Kiedel
Finanzvorstand Ionity

Ionity tariert laut Kiedel schon aus wirtschaftlichen Gründen die Auslastung der eigenen Ladesäulen aus und richtet sich dabei gezielt nach der Nachfrage, die die vorhandenen Elektroautos auf deutschen Straßen gerade verursachen.

„Wir gehen oft mit sechs Ladepunkten pro Standort in den Markt. Dann analysieren wir die Nachfrage. Wenn wir sehen, dass es sich lohnt, erweitern wir auf acht oder zwölf, teilweise sogar auf 18 oder 24 Ladepunkte.“ Ionity versuche, mit dem Anstieg der Zahl der E-Autos in Deutschland und Europa mitzuwachsen.

Damit es sich lohnt, braucht Ionity laut Kiedel eine zweistellige Prozentzahl an Auslastung. Alles unter zehn Prozent sei nicht profitabel. „Wir sind im zweistelligen Bereich“, sagt Kiedel. „Aber aufgrund des aktuellen Überangebots liegt die Auslastung bei vielen Wettbewerbern eher darunter.“

Ladestopp planen mit Echtzeitdaten im Auto

Ein Stau an der Ladesäule dürfte somit nicht zum Standardfall werden – jenen, die nun einmal zu den typischen Zeiten in den Urlaub fahren und schnell an ihrem Ziel ankommen wollen, hilft diese Erkenntnis aber natürlich wenig.

Ionity versucht deshalb projektweise bereits, zu Stoßzeiten Abhilfe zu schaffen. Kiedel erzählt: „Ich selbst habe für Ionity in Holzkirchen Süd an einer Station an einem Freitag und einem Samstag geholfen, den Verkehr zu managen: Klären: Wer war zuerst da? Wie lange wird die Wartezeit ungefähr sein?“

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In der Regel gehe es dann doch schneller, als man denke. „Nach 15 bis 20 Minuten waren meistens alle selbst am Laden. Die Durchschnittsladezeiten liegen meistens bei 20 bis 30 Minuten. Das heißt, bei vier Ladepunkten mit vier wartenden Autos kommt man dann doch recht schnell wieder dran.“

Experte Wüstnienhaus indes verweist darauf, dass Autofahrer Wartezeiten nicht zwangsläufig ausgeliefert sind. Es lohne sich, Ladekarten und -apps von mehreren Anbietern zu haben. So könne man flexibel entscheiden, zu welcher Ladesäule man fahre – und auch schon vorher nachschauen, wie hoch die Auslastung dort gerade ist.

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Wüstnienhaus sagt: „In meinem Pkw wird im Display mit Echtzeitdaten angezeigt, wann der Letzte an einer Säule geladen hat, wie viele Säulen an einer Station stehen und wie viele gerade belegt sind. Wenn dort steht, es sind vier Säulen frei und der Letzte hat vor einer Stunde geladen, dann kann ich abschätzen, dass nicht in den nächsten zehn Minuten plötzlich vier Autos dorthin kommen.“

Erstpublikation: 02.09.2024, 10:49 Uhr

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