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Edmundo GonzalezOppositionsführer verlässt Venezuela – Asyl in Spanien

Mit Haftbefehl wurde González gesucht – weil die Opposition, die USA und andere ihn zum Wahlsieger erklärten. Die Regierung sagt nun, er sei in der spanischen Botschaft gewesen und lässt ihn ziehen. Welche Auswirkungen das auf die politische Lage hat, bleibt zunächst offen. 08.09.2024 - 10:37 Uhr Artikel anhören
Edmundo Gonzalez: Der oppositionelle Präsidentschaftskandidat ist nach Spanien ausgereist. Foto: Ariana Cubillos/AP

Caracas. Der venezolanische Oppositionskandidat bei der Präsidentenwahl im Juli ist nach Spanien ins Exil gegangen. Edmundo González sei am Sonntag auf einem Militärflugplatz in der Nähe von Madrid gelandet, teilte das spanische Außenministerium mit. Er sei von seiner Frau und spanischen Regierungsvertretern begleitet worden. Oppositionsführerin María Corina Machado sagte, Gonzáles habe in Venezuela um sein Leben fürchten müssen.

Der spanische Außenminister José Manuel Albares sagte, González habe einen Asylantrag gestellt, „den die spanische Regierung natürlich bearbeiten und gewähren wird“. Die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodriguez bestätigte die Ausreise.

Er habe mit dem Venezolaner gesprochen, wurde Albares vom staatlichen spanischen TV-Sender RTVE zitiert. Aus dem Flieger habe er seine Dankbarkeit gegenüber der Regierung und Spanien geäußert. „Und ich habe das Engagement der Regierung für die politischen Rechte aller Venezolaner bekräftigt.“

Die linksgerichtete Regierung in Madrid werde sich für Dialog und Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition einsetzen, „um eine friedliche Lösung für die Venezolaner zu erreichen“, betonte er.

Nach der Präsidentenwahl am 28. Juli hatte die linientreue Wahlbehörde den seit elf Jahren regierenden autoritären Staatschef Nicolás Maduro mit 51 Prozent zum Sieger erklärt. Sie veröffentlichte allerdings nicht die aufgeschlüsselten Resultate.

Die Opposition wirft der Regierung Wahlbetrug vor und reklamiert den Sieg für González. Sie veröffentlichte im Internet Stimmenauszählungen, die ihrer Meinung nach einen klaren Sieg von Gonzalez belegen.

Gegen den Oppositionsführer war vergangene Woche Haftbefehl erlassen worden, was international scharf kritisiert wurde. Ihm werden darin unter anderem Amtsanmaßung, Fälschung öffentlicher Dokumente und Verschwörung vorgeworfen wird.

Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez schrieb auf Instagram, González habe sich seit Tagen in Spaniens Botschaft in der Hauptstadt Caracas aufgehalten und das EU-Land um Asyl gebeten. Es habe Kontakte zwischen beiden Regierungen gegeben, und schließlich habe Venezuela González im Interesse des politischen Friedens freies Geleit gewährt.

Venezuela

„Maduro verliert jeden Tag an Macht“ – Oppositionsführerin hält Ende der Diktatur für absehbar

Die Opposition machte dazu zunächst keine öffentlichen Angaben. Es ist unklar, inwieweit González' Abreise die politische Lage verändert.

Die USA und mehrere lateinamerikanische Länder erkennen González als Wahlsieger an. Auch die Europäische Union zweifelt das offizielle Wahlergebnis an.

Zur Wahl hatte die Opposition Daten veröffentlicht: nach ihren Angaben Ergebnisse aus mehr als 83 Prozent der Stimmbezirke. Demnach soll González 67 Prozent der Stimmen erhalten haben – und Maduro nur 30 Prozent.

González mit Haftbefehl gesucht

Der 75-jährige González war Kandidat geworden, nachdem Oppositionsführerin María Corina Machado wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten aus ihrer Zeit als Abgeordnete die Ausübung öffentlicher Ämter untersagt worden war.

Haftbefehl

Venezuela will Oppositionsführer verhaften lassen

González ließ drei Vorladungen der Generalstaatsanwaltschaft verstreichen. Der Aufenthaltsort des früheren Diplomaten war zuletzt unbekannt. Auch Machado hält sich versteckt. Maduro sagte, beide gehörten hinter Gitter.

Im Zuge der Wahl war es zu Protesten gekommen, die von der Staatsgewalt gewaltsam niedergeschlagen wurden. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Provea kamen 25 Menschen ums Leben, mehr als 2.400 wurden festgenommen. Die Opposition prangerte willkürliche Festnahmen einiger ihrer Vertreter an.

Venezuela untersagt Brasilien Vertretung Argentiniens

Sechs Oppositionelle hatten bereits im März in der argentinischen Botschaft in Caracas Zuflucht gesucht und sind noch immer dort. Nach der Ausweisung von Argentiniens Diplomaten aus Venezuela im Streit um das Wahlergebnis verwaltet Brasilien seit August die Botschaft seines Nachbarlandes. Das werde nicht mehr zugelassen, teilte Venezuelas Regierung am Samstag mit. Grund seien Hinweise, dass in der Botschaft terroristische Aktivitäten sowie Mordkomplotte gegen Maduro und Vizepräsidentin Rodríguez geplant worden seien.

Caracas: Polizisten bewachen die argentinische Botschaft in Venezuelas Hauptstadt. Foto: Ariana Cubillos/AP/dpa

Die Botschaft wird laut Argentiniens Regierung seit Freitagabend (Ortszeit) von venezolanischen Sicherheitskräften und Geheimdienstlern umstellt. Argentinien hatte am Freitag die Anklagebehörde des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag aufgefordert, einen Haftbefehl gegen Maduro zu beantragen.

Einige Länder erkennen Maduros Sieg nicht an

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Schon die vorherige Wiederwahl Maduros 2018 war von vielen Ländern nicht anerkannt worden. Der damalige Parlamentspräsident Juan Guaidó erklärte sich zum Interimspräsidenten, konnte sich aber im Land nicht durchsetzen - vor allem, weil das Militär hinter Maduro stand. Dieser war 2013 nach dem Tod von Hugo Chávez als von ihm designierter Nachfolger Präsident geworden.

Venezuela leidet unter Missmanagement, Korruption und internationalen Sanktionen. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Mehr als sieben Millionen Menschen - rund ein Viertel der Bevölkerung - verließen das Land nach UN-Angaben in den vergangenen Jahren.

dpa, rtr
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