Unternehmen: Sanierungskonzept für Varta steht
Berlin, Stuttgart. Der angeschlagene Batteriehersteller Varta hat sich nach wochenlangem Ringen mit seinen Schuldscheingläubigern auf einen Sanierungsplan geeinigt. Wesentliche Finanzgläubiger sowie die Großaktionäre Michael Tojner und Porsche hätten sich auf einen nachgebesserten Kompromiss verständigt, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.
Damit hätten auf Basis geänderter Bedingungen auch die Gläubiger der Schuldscheindarlehen dem Sanierungskonzept zugestimmt. „Wir haben jetzt einen weiteren Meilenstein erreicht und wollen langfristig die Varta wieder auf die Erfolgsspur führen“, sagte Varta-Chef Michael Ostermann. Die Restrukturierung sei ein harter und steiniger Weg.
Einem Insider zufolge hatten sich die Verhandlungen mit den Schuldscheingläubigern hingezogen, weil insbesondere der Hedgefonds Whitebox auf Nachbesserungen zu seinen Gunsten gepocht hätte. Der britische Fonds gilt als besonders aggressiv und hatte sich in die Schuldscheinpapiere eingekauft.
Mit nominell 250 Millionen Euro sind die Zeichner der Schuldscheindarlehen die größte Gläubigergruppe. Eine Blockade durch sie hätte die Sanierung von Varta über ein vorinsolvenzliches StaRUG-Verfahren gefährden können. „Die Schuldscheingeber haben jetzt mehrheitlich dem Restrukturierungsplan zugestimmt“, bestätigte der mit der Restrukturierung beauftragte Varta-Vorstand Michael Giesswein dem Handelsblatt.
Alle Anleihegläubiger hätte man nicht bekommen, aber die Mehrheit reiche, um die Restrukturierung nach dem seit drei Jahren geltenden Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) jetzt voranzutreiben. Offensichtlich gibt es kleinere Zugeständnisse an die Anleihegläubiger.
Varta hatte sich mit einem riskanten Expansionskurs und fehlgeschlagenen Investitionen übernommen und sucht im StaRUG-Verfahren die Rettung. Mitte August war ein Kompromiss gefunden worden: Demnach geben der Sportwagenbauer Porsche und Varta-Großaktionär Tojner zusammen 60 Millionen Euro frisches Kapital. Im Gegenzug sollten die Gläubiger auf mehr als die Hälfte ihrer Darlehen verzichten.
Um die Liquidität sicherzustellen, stimmte nun eine Gruppe größerer Finanzgläubiger einem Überbrückungsdarlehen in Höhe von 30 Millionen Euro bis zum Abschluss des Verfahrens zu. Nach dem Kapitalschnitt werden diese Kreditgeber bei Varta mit 36 Prozent der Anteile letztlich das Sagen haben. Jeweils 32 Prozent wird der bisherige Großaktionär Tojner und Porsche als neuer Kapitalgeber halten. Kleinaktionäre verlieren bei dieser Form des Sanierungsverfahren ihre Anteile. Auf der Hauptversammlung am kommende Montag soll der dafür notwendige Kapitalschnitt beschlossen und dann vollzogen werden.