Galerienrundgang: Hamburgs Kunsthändler wollen mehr beachtet werden
Hamburg. Eine bedeutende Kunstmesse hat Hamburg, die Stadt überproportional vieler Millionäre, bislang nicht hervorgebracht. Damit die Kunsthändler und Galeristen nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden und nur noch von den immer gleichen hanseatischen Kunden aufgesucht werden, ist im vergangenen Jahr eine neue Marketinginitiative gestartet worden.
Stefanie Busold, die Regionalvertreterin des Auktionshauses Sotheby’s in Hamburg, kam als Erste auf die Idee. Sie plante und organisierte einen Galerienrundgang, der sich auf den eleganten Stadtteil Rothenbaum nahe der Binnenalster konzentriert.
Unter dem Markendach von „Kunst am Rothenbaum“ versammeln sich nun zum zweiten Mal Galerien und Händler, insgesamt sind es 17, die ihre Ausstellungsräume für ein zusätzliches Wochenende öffnen, um niedrigschwellig viele neue Interessenten in ihre Ausstellungen zu locken.
Das Spektrum ist bewusst breit angelegt. Jessica Bauer zeigt als JB Fine Arts in der Tesdorpfstraße zeitgenössische Kunst von Henrik Eiben oder Giovanni Castell in wohnlichem Umfeld. Die Galerie von Stella Melbye-Konan, die sich in kürzester Zeit einen Namen mit Kunst aus Afrika machte und die jetzt das so überzeugend erarbeitete Profil aufgibt, um mit etablierten oder aufstrebenden internationalen Künstlern auf 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche weiterzumachen, präsentiert Werke des ivorischen Künstlers Ngoye und der deutschen Künstlerin Karolin Schwab.
Für den wegen des Brexits aus London an die Elbe migrierten Hidde van Seggelen, der als Vorsitzender des Exekutivkomitees der Tefaf bestens vernetzt ist, funktioniert Hamburg eher als ein „pied-à-terre“ (ein kleines Quartier). Er zeigt zum Rundgang in seiner Galerie eine umfassende Auswahl von Zeichnungen und Skulpturen der Niederländerin Ansuya Blom, deren Film „Lola Magenta“ ebenfalls zu sehen ist.
Zufällig stellte sich kurz vor der Eröffnung heraus, dass die in „Lola Magenta“ erzählte Geschichte der Patientin Lola Voss überraschende Bezüge zu Hamburg hat. Denn sie wurde von demselben Arzt behandelt wie der epochal wirkende Hamburger Kunsthistoriker Aby Warburg, der allerdings im benachbarten Stadtteil Eppendorf wohnte.
Thole Rotermund, Händler von Papierarbeiten aus der Zeit des Expressionismus und der klassischen Moderne, gehört eigentlich nicht zum Rothenbaum, weil er im regenbogenfarbigen Sankt Georg seine Geschäftsräume hat. Deswegen ließ er sich kurzerhand von Thomas LeClaire, dem international agierenden Händler von Zeichnungen des 16. bis 20. Jahrhunderts, einladen, in dessen Räumen auszustellen.
Im selben Haus wie LeClaire firmiert auch das Kunstauktionshaus Karl & Faber, das zum Rundgang einen neugierig machenden Blick auf die nächste Auktion bietet.
Die Kunstberatung Marcard Pro Arte hat sich ebenfalls in andere Räume eingemietet, weil sich die eigenen Räume nicht für größere Ausstellungen eignen. Sie zeigt Fotoarbeiten zum Thema „Fassade“ im um die Ecke liegenden ARTelier 45, der früheren Galerie von Monika Mohr.
Auch das im Stadtteil Rothenbaum liegende ethnografische Museum MARKK wurde in den Rundgang integriert. Der Mix wird außerdem durch den Innenarchitekten Mario Chivapraphanant bereichert, der in seinen Räumen Kunst ausstellt und deswegen von Stefanie Busold für den Rundgang gekapert wurde.
Rothenbaum ist Vielfalt, lautet die Botschaft der Aktion. Das Ziel, Hamburg wieder auf die Karte der Kunststädte zu hieven, in denen relevante Händler und Galeristen arbeiten, ist damit einen kleinen Schritt nähergerückt.