US-Wahl 2024: Es gibt auch Argumente aus dem Trump-Lager, die schlüssig sind
Stellen Sie sich vor, Menschen könnten in Deutschland wählen gehen, ohne dass je jemand nach ihrem Ausweis fragt. Der Normalfall ist zwar: Wahlbenachrichtigung mitbringen, vorlegen, wählen. Die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer können aber jederzeit einen Ausweis verlangen. Wer keinen dabei hat, muss in der Regel noch einmal zurück nach Hause.
Gäbe es gar keine Möglichkeit zur Ausweiskontrolle mehr, würden viele darin wahrscheinlich einen Skandal sehen. Schließlich bestünde die Gefahr, dass Menschen sich Wahlscheine von anderen besorgen und einfach mehrmals wählen. In vielen westlichen Ländern wird deshalb zwingend ein Ausweis verlangt, um sicherzugehen, dass der Wahlschein auch wirklich von der Person ist, die da im Wahllokal ihr Kreuz setzt.
In mehr als einem Dutzend Bundesstaaten in den Vereinigten Staaten ist das nicht der Fall. Nicht in Kalifornien, nicht in New York und auch nicht in den wichtigen Swing States Nevada und Pennsylvania. Dort müssen sich Wähler nur beim ersten Mal ausweisen. In den Jahren danach reicht es, wenn sie mit ihrer Wahlbenachrichtigung beim Wahllokal erscheinen.
„Ich muss nur meinen Wahlzettel mitbringen. Keiner stellt irgendwelche Fragen, und ich kann gleich durch zur Wahlkabine", bestätigte mir jüngst ein New Yorker Bekannter, als ich ihn ungläubig fragte, ob wirklich niemand prüfe, wer er sei.
In weiteren elf Staaten reicht es, wenn man ein Dokument ohne Foto mitbringt – etwa eine Stromrechnung mit dem eigenen Namen drauf, die Sozialversicherungskarte oder einen Kontoauszug.
Streitpunkt zwischen Trump und Biden
Für wen ist das in den USA ein Skandal? Nicht für die Demokraten, die sehen darin einen Schutz von Minderheiten. Sondern für die Republikaner.
Als Elon Musk jüngst an Trumps Seite in Butler in Pennsylvania aufgetreten ist, haben sich viele Kommentatoren auf seinen Sprung und auf seine „Dark Maga“-Mütze konzentriert. Aber eines der Themen, die Musk dort auf der Bühne angesprochen hat, war die Identifizierung von Wählern und die Tatsache, dass in vielen Staaten Menschen wählen dürfen, ohne mit einem Ausweis zu beweisen, dass sie mit der Person auf dem Wahlschein übereinstimmen.
Immer wieder fragen mich Menschen in Deutschland, wie es sein kann, dass die Amerikaner Trump noch einmal wählen. Und ob und warum er das Ergebnis anfechten wird.
Es gibt einfach Argumente aus dem Trump-Lager, die durchaus schlüssig sind. Und es gibt Wahlgesetze in einigen Bundesstaaten, die heikel sind und die die Wahlen unnötigerweise anfechtbar machen. Gerade wenn die Wahl wie zu erwarten knapp ausgeht und vielleicht irgendwo in einem Swing State 10.000 Stimmen darüber entscheiden, ob Harris oder Trump ins Weiße Haus einzieht.
Daily US-Election Insight – die tägliche Kolumne der US-Korrespondentinnen und -Korrespondenten des Handelsblatts mit persönlichen Eindrücken aus dem amerikanischen Wahlkampf.