Wochenend-NewsletterHurra, wir werden 120! Aber was tun mit all den Jahren?

Außerdem: Die wirklich Abgehängten, saubere Diamanten und die Sache mit dem Körper und der Zeitumstellung. Das Handelsblatt Wochenende.Charlotte Morré 25.10.2024 - 12:34 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

neulich durfte ich auf einer Veranstaltung ein Panel zum Thema „Longevity“ moderieren. Ich gebe zu: Ich war vorab skeptisch. Hatte ich doch die vage Vorstellung, dass es sich dabei vor allem um ein Feld für Tech-Mogule handelt, die uns dank Kryo-Konservierung auch in zehntausend Jahren noch mit schlechten Tweets und Weltherrschafts-Fantasien belästigen wollen.

Mittlerweile weiß ich: Longevity bezeichnet vor allem den Wunsch nach einem langen, lebenswerten Leben, nicht automatisch das Streben nach Unsterblichkeit. Das Thema ist wissenschaftlich hochinteressant, die Frage, ob Menschen ein Ablaufdatum haben und bis wohin man es verschieben kann, heiß diskutiert. Es ist ein Milliardenmarkt – und, wie ich jetzt glaube, die Lösung all unserer Probleme.

Das ganze Gerede von Dinge jetzt anpacken, nicht auf morgen verschieben, frühen Vögeln, ergibt jetzt nämlich überhaupt keinen Sinn mehr – und unsere Regierungen haben das viel früher erkannt als wir! Wir haben unendlich viel Zeit!

Wenn wir mit besserer Ernährung, mehr Sport und vielleicht auch der ein oder anderen Stammzellentherapie und mRNA-Technologie alle 120 werden, bedeutet das 53 Jahre Happy-Rentner-Life bei fittem Geist und Körper! Denn dass sie das Renteneintrittsalter von 67 bis dahin anpassen, ist ja eher nicht so wahrscheinlich. Wie also die neu gewonnene Zeit nutzen?

Natürlich würde ich erst einmal ein paar Jahre mit exzentrischen Hobbys, meckern über diese faulen, jungen Leute und Kleingeld mühevoll an der Bäckerkasse abzählen verschwenden. Dann hätte ich als Cyber-Rentnerin ein schönes Sabbatical gehabt, richtig Lust auf Arbeit und Zeit, alle Probleme dieses Landes zu lösen.

Fachkräftemangel? Ich schule mit 90 zur Ärztin um! Marode Betreuungsstrukturen für Kinder? Ich räume mit 100 meinen Urenkeln noch persönlich hinterher. Wirtschaftliches Siechtum? Einfach mal uns 110-Jährige fragen, wir haben alles schon gesehen.

Sollte mir das Ganze wider Erwarten doch keinen Spaß machen, muss ich für meinen endgültigen Ruhestand nicht mal auf eine Insel in Thailand auswandern – es wird dann ja auch in Deutschland das ganze Jahr über angenehm warm sein. 

Um unsere Textempfehlungen zum Wochenende zu lesen, müssen Sie zum Glück nicht warten, bis ich 120 bin.

Ihre Charlotte Haunhorst

Der Markt für Diamanten wird umgewälzt. Foto: Moment/Getty Images

Der Boom der Labor-Diamanten

In meinem Umfeld gibt es immer noch Menschen, die sich verloben und das meist tatsächlich wie im Film, mit Diamantringen. Was mir dabei aufgefallen ist: Wurde früher gefragt „Wie groß?“, heißt es seit einigen Jahren: „Ist der sauber?“ Damit ist natürlich die ethische Produktion des Diamanten gemeint. Das haben jetzt auch Hersteller verstanden, denn mittlerweile boomt der Markt für synthetische Diamanten. Clara Thier und Martin Müller haben sich angeschaut, warum und was da noch kommt.

Trump-Anhänger im Wahlkampf 2016. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Wie das Gerede von „Abgehängten“ Rechtspopulisten in die Hände spielt

Egal ob bei den Präsidentschaftswahlen 2016, den Wahlen in Ostdeutschland oder dem Brexit: Immer wieder wird als Begründung für den Erfolg rechtspopulistischer Kandidaten von „Abgehängten“ gesprochen, die maßgeblich zu den Ergebnissen beigetragen haben. Der Philosoph Michael Sandel und der in Oxford forschende Ökonom Paul Collier beschäftigen sich seit Jahren mit den Ursachen und Folgen des „Left-behind“-Phänomens. Torsten Riecke hat beide Forscher besucht.

Illegal errichtete Häuser in Kenias Hauptstadt Nairobi. Foto: IMAGO/SOPA Images

Außen Urlaubsland, innen Revolution: Warum es in Kenia brodelt

Zugegebenermaßen habe ich ja mit angehaltenem Atem die Berichterstattung unserer Kollegin Kathrin Witsch aus Kenia verfolgt (Sie sollten ihr auch unbedingt auf Instagram folgen). Kathrin war mehrere Monate für uns in Nairobi. In ihrer Reportage beschreibt sie ein Land, das wir nur zu gern auf die Bilder aus dem Flitterwochen-Reisekatalog beschränken, in dem eine junge Generation allerdings Veränderungen fordert – und dafür einen Preis bezahlt.

Wer hat schon wieder an der Uhr gedreht? Foto: 500px/Getty Images

Was die Zeitumstellung mit unserem Körper macht

Von Samstag auf Sonntag wird wieder die Zeit umgestellt, und ich erkläre Ihnen jetzt nicht in welche Richtung, dafür gibt es ja Google. Was ich allerdings auch erst mal googeln musste: den Begriff Chronomedizin. Jener bezeichnet die Auswirkungen der Zeitumstellung auf unseren Körper. Christian Wermke hat herausgefunden, wie schlimm die Auswirkungen wirklich sind, und ganz nebenbei noch aufgeschrieben, was eigentlich aus der geplanten Abschaffung der Umstellung wurde.

Tim Raue: Als Küchenchef nennt er sich selbst „eine unfassbare Diva“. Foto: German Select/Getty Images

Tim Raue: „Ich sage ja, dass ich ein Egozentriker bin“

Tim Raue ist Sternekoch und vielen bekannt aus dem Fernsehen. Nun übernimmt er auch das Restaurant im Berliner Fernsehturm, was ja erst mal passend klingt. Was ich am Interview von Raue mit Thorsten Firlus allerdings überraschend fand: Ein großer Kulturfreund scheint der Koch und Unternehmer nicht zu sein. „Ich weiß gar nicht, ob ich in diesem Jahrtausend schon im Kino war“, erzählte Raue – und dass er auch keine Musik mehr höre. Was ihn stattdessen interessiert, lesen Sie hier.

Fünf Türen, fünf Sitze: Die Sportvariante des ID.Buzz. Foto: Alexander Möthe

Was kann der neue VW ID.Buzz GTX?

Mein älterer Sohn ist sehr großer Autofan und gleichzeitig lernt er derzeit Schreiben nach Gehör. Als er neulich ein Bild von einem Auto mit der Beschriftung „Aidi Bus“ nach Hause brachte, war ich kurz verwirrt. Er erklärte mir dann erbost, es handele sich um den VW ID.Buzz. Alexander Möthe hat diese Woche für uns die Sportvariante GTX jenes Elektro-Bullis getestet. Die werde ich dann nächste Woche von meinem Sohn malen lassen.

Regierungschefin Giorgia Meloni: Sie hat Italien in kurzer Zeit verändert. Foto: Augusto Casasoli / A3 / Contrasto/laif

Wie zwei Jahre Meloni die Situation von Frauen in Italien geprägt haben

Seit zwei Jahren ist in Italien die rechte Politikerin Giorgia Meloni an der Macht. Beobachter sehen seitdem Rückschritte in dem Land beim Umgang mit Frauenrechten. Die italienische Autorin Ginevra Lamberti hat einen Roman geschrieben, der zwar in den Siebzigerjahren spielt, aber erstaunliche Parallelen zur derzeitigen Situation aufweist. Christian Wermke hat Lamberti getroffen.

Unternehmerin Monika Hauck kooperiert mit lokalen Handwerkern. Foto: Endermann, Andreas

Repair Rebels – das Amazon zum Sachenflicken

Hose zu lang, Tasche gerissen, Pullover hat ein Loch: All diese Dinge will Repair Rebels aus Düsseldorf reparieren. Gründerin Monika Hauck hat Sebastian Dalkowski erklärt, wie die dezentralisierte Handwerker-Plattform funktioniert.

Kolumnist Firlus und Sport im Büro. Foto: Privat, Getty Images

Wie sich Job und Sport miteinander vereinbaren lassen

Ich selbst ruhe mich ja auch sehr gerne darauf aus, dass das für mich passende Sportprogramm einfach nicht mit meinen Arbeits- und Familienzeiten vereinbar ist. Seit Thorsten Firlus’ neuester Kolumne weiß ich allerdings: Ich sollte ehrlicher mit mir werden, was mir sportliche Erfolge wirklich wert sind.

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Kolumnistin Thielemann und die Kraft der Rituale. Foto: Knieckrim, Getty Images

Elf Rituale fürs Büro

Anders als beim Einhalten von sportlichen Zielen bin ich beim Einhalten von Job- und Familienritualen recht vorbildlich. Vielleicht nicht in dem Sinne, was unsere Kolumnistin Patricia Thielemann vorschlägt – aber beispielsweise hören mein Sohn und ich auf dem Weg morgens zu Kita und Büro immer ein bestimmtes Lied. Noch bessere Inspiration als Musik für Einjährige finden Sie in der aktuellen Folge unserer Kolumne „Kopfsache“.

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