Kommentar: Die China-Euphorie vieler westlicher Unternehmen ist verflogen

Die „CIIE 2024“ ist nicht irgendeine Industriemesse in Shanghai – sie ist eine staatlich verordnete Werkschau, die Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping vor sieben Jahren persönlich aus der Taufe gehoben hat. Eröffnet wurde die Messe am Dienstag von Premier Li Qiang, der einmal mehr den Freihandel beschwor – und doch vor allem den immer selbstbewusster auftretenden chinesischen Staatskapitalismus meinte.
Wer mit China Geschäfte machen will, muss vor Ort präsent sein und aus chinesischer Sicht eine gewisse Loyalität an den Tag legen, sonst ist ein gutes Verhältnis zum Staat nicht mehr gewährleistet. Wer wegbleibt, muss es sich also leisten können – und das fällt vielen westlichen Unternehmen schwer, die aufgrund der schieren Größe ihres Chinageschäfts auch in Zeiten zunehmender geopolitischer und wirtschaftlicher Konflikte auf die Volksrepublik angewiesen bleiben.
Wohl auch deshalb ist die China-Euphorie vieler westlicher Unternehmen in den letzten Jahren verflogen. Wo früher eine Art gegenseitige Goldgräberstimmung das Verhältnis bestimmte, herrscht heute Ernüchterung.
Es fehlt das positive Narrativ
Für die Zukunft fehlt ein positives Narrativ, zumal sich die Stimmung für ausländische Investoren im Land weiter eintrüben könnte.
Da ist zum einen der Handelskonflikt mit den USA, der im Kern auch ein politisches Tauziehen zwischen einer etablierten und einer aufstrebenden Supermacht ist. Beide Kandidaten, Donald Trump und Kamala Harris, sind chinakritisch und werden versuchen, Chinas politischen und wirtschaftlichen Ambitionen einen Riegel vorzuschieben.
Zum anderen ist da die aggressive Industriepolitik Chinas, die immer mehr Länder, darunter auch die Europäische Union, dazu veranlasst, ihre Märkte vor chinesischen Importen zu schützen. Selbst wenn sich die chinesische Wirtschaft erholen sollte, sind die Aussichten daher nicht sehr optimistisch.
Erstpublikation: 05.11.2024, 17:31 Uhr.