1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Interview: „Der deutsche MBA-Markt ist noch unterentwickelt“

Interview„Der deutsche MBA-Markt ist noch unterentwickelt“

Joy Jones, Chefin des US-Business-School-Verbands, erläutert im Interview, wo der deutsche MBA-Markt noch Wachstumschancen hat und warum sie an standardisierten Tests festhält.Kirstin von Elm 16.11.2024 - 14:07 Uhr Artikel anhören
GMAC-Vorsitzende Jones: Zulassungstests stärken das Selbstvertrauen der Studierenden. Foto: GMAC

Kiel. Wer sich für ein internationales MBA-Studium interessiert, kommt am Zulassungstest GMAT kaum vorbei. Er wird vom Graduate Management Admission Council (GMAC) herausgegeben, einer von den führenden US-Business-Schools gegründeten Institution, die seit 2022 von Joy Jones geleitet wird. Im Handelsblatt-Interview erklärt sie, warum der deutsche MBA-Markt noch Luft nach oben hat, weshalb sie standardisierte Tests weiterhin für sinnvoll hält und was die Wahl Donald Trumps für die US-Hochschulen bedeutet.

Frau Jones, die USA gelten als das Mekka der Managementausbildung. Können europäische Business-Schools inzwischen mithalten?
Ja, viele Business-Schools in Europa und auch in Asien sind inzwischen sehr wettbewerbsfähig. Das europäische MBA-Portfolio ist zwar deutlich kleiner als in den USA, aber hochwertig. Zudem gibt es viele etablierte und gut gerankte Masterprogramme, darunter auch viele deutsche.

Wie stehen die deutschen Wirtschaftsunis im Wettbewerb da?
In Deutschland würde ich maximal fünf Business-Schools als global bezeichnen. Der deutsche MBA-Markt ist also noch etwas unterentwickelt, aber das ökonomische Umfeld und die Zugänglichkeit für internationale Kandidaten machen das Land interessant.

Nach dem ersten Wahlsieg Donald Trumps kamen spürbar weniger internationale Studierende in die USA. Schadet seine erneute Wahl den amerikanischen Hochschulen?
Natürlich hat Donald Trump eine Vorgeschichte, Umfragen zeigen uns jedoch, dass ein stabiles Interesse am Auslandsstudium in den USA besteht. Für Studienbewerber zählt weniger die Person, sondern die Politik. Ich denke, internationale Mobilität ist wichtig für die Wirtschaft. In einer global vernetzten Welt benötigen wir vielfältige Perspektiven und Talente von außen.

Der Aufnahmetest GMAT wird kritisiert, weil er teuer und nur auf Englisch verfügbar ist. Grenzen Sie damit ganze Bewerbergruppen aus?
Nein. Zum einen sind die Programme, für die sich die Testteilnehmer bewerben, auf Englisch. Ein englischsprachiger Test ist also nur logisch. Wir testen den GMAT zudem ausführlich mit Non-Native-Speakern und unterstützen Kandidaten mit kostenlosem Material bei der Vorbereitung. Außerdem versuchen wir sicherzustellen, dass Schulen den GMAT-Score stets im individuellen Kontext sehen. 750 Punkte sind also nicht grundsätzlich besser als 730, sondern zeigen lediglich, wo der jeweilige Kandidat mit seiner persönlichen Geschichte steht.

Edtechs

Hier können Sie mit Studenten an Eliteunis chatten

Reichen dafür nicht auch Noten und Zeugnisse?
Zahlreiche Studien belegen, dass der GMAT ein zuverlässigerer Indikator für die Studierfähigkeit ist als das Bachelor-Zeugnis. Die Vielfalt dessen, was die Kandidaten wie und wo vorher gelernt haben, nimmt zudem immer weiter zu. Deshalb brauchen Business-Schools eine globale Benchmark zum Kalibrieren. Der GMAT ist ein qualitativ hochwertiges Testverfahren mit rigoroser Qualitätskontrolle, gerade auch im Hinblick auf Bias und Fairness.

Sie glauben also nicht, dass der Test bestimmte Bewerber abschreckt und zu weniger Vielfalt führt?
Das bleibt eine gewisse Herausforderung. Wir geben uns sehr viel Mühe, unterrepräsentierte Zielgruppen durch maßgeschneiderte Events und Kooperationen zu erreichen. Umgekehrt sagen uns Studierende aber auch, dass ein bestandener Test das Selbstvertrauen stärkt und sie sich danach bereit für ihren MBA fühlen. Nicht zuletzt zeigt ein obligatorischer Test, dass eine Business-School auf die Qualität der Kandidaten achtet.

Trotzdem haben Sie den Test gerade generalüberholt. Warum?
Der GMAT war nie ein Vokabel- oder Rechentest, sondern ein Maß für kritisches Denken und analytische Fähigkeiten. Das hat sich in 70 Jahren nicht verändert. In einer zunehmend technologie- und datengetriebenen Arbeitswelt haben wir nun einen Schwerpunkt auf den Umgang mit Daten und Informationen gelegt und dafür etwa den Essay und die Geometriefragen gestrichen. Zudem verwenden wir weniger Fragetypen. Das spart den Kandidaten kostbare Vorbereitungszeit.

Verwandte Themen
USA
Donald Trump
Europa

Alle reden von Skill Based Hiring. Lohnt sich ein langes und teures MBA-Studium überhaupt noch?
Ich mag den Gedanken, dass man Fähigkeiten auf vielfältige Weise erwerben kann. Business-Schools eröffnen sich hier ganz neue Möglichkeiten. Sie müssen jedoch Wege finden, das Wissen, das sie in Kursen, Praktika und Projekten vermitteln, noch stärker in jobrelevante Skills zu übersetzen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt