Erderwärmung: Emissionen aus Verbrennung von Öl und Gas auf Rekordniveau
Berlin. Die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe werden sich in diesem Jahr erneut erhöhen. Zu dieser Einschätzung kommt der neue Bericht des internationalen Forschungsprojekts „Global Carbon Project“.
Zwar sei die Welt beim Ausbau der erneuerbaren Energien vorangekommen. Dennoch ist nach Beobachtungen der Wissenschaftler auch der Kohle-, Gas- und Ölverbrauch gestiegen. Die globalen Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe werden deswegen 2024 voraussichtlich um 0,8 Prozent steigen und 37,4 Milliarden Tonnen CO2 erreichen – und damit ein Rekordniveau.
Dazu kommen CO2-Emissionen in Höhe von 4,2 Milliarden Tonnen durch Veränderungen bei der Nutzung von Land, etwa weil Wälder abgeholzt werden. Damit liegen die gesamten CO2-Emissionen bei 41,6 Milliarden Tonnen. 2023 hatten sich die Emissionen letzten Berechnungen des Global Carbon Project zufolge um 1,4 Prozent erhöht.
„Trotz der dringenden Notwendigkeit, die Emissionen zu senken, um den Klimawandel zu verlangsamen, scheint es noch keine Anzeichen dafür zu geben, dass die Welt den Höhepunkt der fossilen CO2-Emissionen erreicht hat“, heißt es in dem Bericht, an dem knapp 120 Wissenschaftler beteiligt waren, auch des Alfred-Wegener-Instituts in Bremen und der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Die Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit, dass sich die knapp 200 Staaten bei der COP29 in Aserbaidschan auf ein ambitioniertes Abkommen verständigen. COP29 steht für Conference of the Parties, die mittlerweile 29. Vertragsstaatenkonferenz der Vereinten Nationen.
Die Höhe der Emissionen steht im Widerspruch zum eigentlichen Ziel der Staatengemeinschaft, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im vorindustriellen Vergleich zu begrenzen. Dafür wäre eine deutliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen die zentrale Voraussetzung. Sollten sich die Emissionen weiter wie bisher entwickeln, würde das verbliebene Kohlenstoffbudget zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze in diesem Jahrzehnt aufgebraucht sein, warnen die Wissenschaftler.
Keine globale Trendwende, aber positive Entwicklungen in einzelnen Ländern
Dass die Emissionen 2024 erneut ansteigen werden, liegt laut Studie daran, dass es vermehrt Emissionen aus der Öl- und Gasverbrennung gibt, etwa aus dem internationalen Luft- und Schiffsverkehr. Dieser wird 2024 voraussichtlich um 7,8 Prozent zunehmen, bleibt aber unter dem Niveau von 2019, also vor der Coronapandemie. Gleichzeitig steigen die Kohleemissionen leicht um 0,2 Prozent an.
Auch wenn der Wendepunkt bei den klimaschädlichen CO2-Emissionen noch nicht erreicht ist, zeigt der Bericht deutliche Unterschiede in der Klimapolitik der jeweiligen Staaten:
In China, mit einem Anteil von 32 Prozent an den globalen Emissionen größter Emittent der Welt, werden sich die Emissionen wahrscheinlich weiter erhöhen – und zwar um 0,2 Prozent im Vergleich zu 2023.
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Ebenso in Indien: Hier erhöhen sich die CO2-Emissionen dem Bericht nach um 4,6 Prozent. Das Land hat einen Anteil von acht Prozent an den weltweiten Emissionen.
In der EU, die einen Anteil von sieben Prozent der globalen Emissionen hat, werden die CO2-Emissionen voraussichtlich um 3,8 Prozent sinken. Auch 2023 waren die Emissionen in der EU gesunken, wie in den USA.
Vielen Ländern scheine es gelungen zu sein, ihren Ausstoß an fossilen CO2-Emissionen zu reduzieren oder zu verlangsamen, heißt es in dem Bericht. In 22 Ländern, die 23 Prozent der weltweiten fossilen CO2-Emissionen ausmachen, seien diese in den Jahren 2014 bis 2023 zurückgegangen, während ihre Volkswirtschaften wuchsen.
Dieser merkbare Trend zur Dekarbonisierung der Energiesysteme reiche aber insgesamt nicht aus, um die globalen Emissionen auf einen Abwärtspfad in Richtung Netto-Null zu bringen. „Damit die CO2-Emissionen bis 2050 Netto-Null erreichen, müssten die gesamten Emissionen jährlich um durchschnittlich 1,6 Milliarden Tonnen sinken“, mahnen die Forscher.
Netto-Null heißt, dass unterm Strich nicht mehr Emissionen ausgestoßen werden dürfen, als sie durch Reduktionsmaßnahmen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden können, entweder durch natürliches oder künstliches Senken der Emissionen. Ein natürliches Senken der Emissionen geschieht etwa durch Ökosysteme wie Wälder, die CO2 aufnehmen können. Künstliches Senken wird durch technische Maßnahmen umgesetzt, mit denen etwa CO2 im Untergrund gespeichert wird. Das CO2 kann beispielsweise aus fossilen Energieversorgungsanlagen, aus Industrieanlagen, aus Müllverbrennungsanlagen oder direkt aus der Atmosphäre stammen.
