Deutschlandticket: Wahlkampf gegen das Deutschlandticket lohnt sich nicht

Für viele ist es das größte Erfolgsprojekt der Ampelkoalition: Mehr als 13 Millionen Menschen nutzen das Deutschlandticket. Wer sollte also auf die Idee kommen, im nun angelaufenen Wahlkampf die Flatrate für Bus und Bahn anzuzweifeln?
Es ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Der CSU-Chef stellt die Zukunft des Erfolgsmodells infrage. Aus seiner Sicht sollen die Länder von der Finanzierung ausgenommen werden. Der Bund müsste sie dann allein stemmen. Tut er das nicht, müsse das Ticket fallen.
Söder möchte das Geld lieber anderweitig verwenden, zum Beispiel direkt in Infrastruktur stecken. Allein das Bundesland Bayern zahlt rund 300 Millionen Euro im Jahr für das Ticket.
Unter den Nutzern des Tickets sind sicher viele Wähler von CDU und CSU
Doch dessen Existenz anzuzweifeln, um damit die Länder zu entlasten, ist nicht clever, vor allem nicht im Wahlkampf. Denn unter den Millionen Nutzern des Tickets sind mutmaßlich auch viele, die die Union wählen würden. Das Ende des Tickets wäre auch für sie ein Verlust: Pendeln könnte insbesondere im ländlichen Raum wieder deutlich teurer werden. So zahlten einige Pendler in Bayern vor Einführung des Deutschlandtickets rund 300 Euro pro Monat, ohne bundesweite Gültigkeit.
Das Flatrate-Ticket hat Schwächen. So gibt es keinen langfristigen Finanzierungsmechanismus. Der hätte dem vielfältigen Streit zwischen Bund und Ländern vorgebeugt – und auch der Attraktivität des Tickets geholfen. Denn es steigt nur auf Bus und Bahn um, wer darauf zählen kann, dass es diese Option auch langfristig gibt, die Existenz des Angebots nicht alle sechs Monate öffentlich angezweifelt wird.
Zudem belastet das Angebot die schon angeschlagene Branche, die aufgrund von Personalmangel und steigenden Kosten um den Erhalt von Nahverkehrsstrecken kämpft. Doch diese Probleme lassen sich lösen – auch ohne das Ende des Deutschlandtickets.