Energie: Stromnetzbetreiber Tennet organisiert sich neu
Düsseldorf. Der Stromnetzbetreiber Tennet arbeitet an der Abtrennung seiner deutschen Stromnetze. Ab Januar will der niederländische Staatskonzern in zwei nationalen Organisationen arbeiten – einer niederländischen und einer deutschen. Chef der „Tennet Germany“ soll Tim Meyerjürgens werden, der derzeit Chief Operating Officer im Vorstand der Tennet Holding ist und das auch bis auf Weiteres zusätzlich bleibt.
Die Neuorganisation ist laut Tennet „Voraussetzung für zukünftiges Wachstum und mögliche private Investitionen in Tennet Germany im Laufe der Zeit“. Dies werde von der Holding und dem niederländischen Staat geprüft.
Was Tennet mit vorsichtigen Worten umschreibt, ist ein großes Thema. Es geht um Tausende Kilometer Stromnetz in Deutschland und um die Frage, ob der niederländische Staat weiter die Verantwortung dafür tragen muss, dass diese deutschen Netze für die Energiewende ausgebaut werden.
Tennet plant 160 Milliarden Euro Investitionen in den kommenden zehn Jahren
Tennet ist zuständig für einen großen Teil der deutschen Stromübertragungsnetze. Das sind die großen Trassen, die Strom über weite Strecken quer durchs Land transportieren. Obwohl die Netze deutsche Infrastruktur sind, gehören sie dem niederländischen Staat. Denn der hatte sie 2009 dem Energieunternehmen Eon abgekauft.
Wegen der Energiewende müssen die Stromnetze erheblich ausgebaut werden, um den vielen zusätzlichen Strom transportieren zu können und den neuen Anforderungen standzuhalten. Tennet plant beispielsweise, in den kommenden zehn Jahren 160 Milliarden Euro zu investieren. Deshalb versucht der niederländische Staat inzwischen, neue Eigentümer für Tennet Deutschland zu finden, die die Investitionen aufbringen.
Das aber ist bislang nicht gelungen: Ein Verkauf an den deutschen Staat scheiterte im Juni dieses Jahres am Bundesfinanzministerium. Deshalb dachte Tennet über einen Börsengang nach. Auch dabei wäre die Hoffnung, dass der deutsche Staat zumindest einen Teil der Aktien übernimmt.
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Ob und wann ein Börsengang kommt, ist aber fraglich. Denn zum einen bringt das Aus der Ampelkoalition die Zeitpläne durcheinander. Laut Einschätzung aus Finanzkreisen ergibt sich mit Blick auf den Neuwahltermin und die darauffolgenden Koalitionsverhandlungen vor Mitte des kommenden Jahres kein sinnvolles Zeitfenster für einen Börsengang.
Zum anderen ist aus der Branche zu hören, dass die niederländische Regierung und die Tennet-Holding selbst nicht restlos überzeugt von der Idee eines Börsengangs sind. Denn dabei würde man zunächst auch nur einen Teil des deutschen Tennet-Geschäfts privatisieren – für den Rest müsste weiterhin die Holding aufkommen.
Zudem hat das niederländische Finanzministerium für Tennet eine Kreditlinie von 13 Milliarden Euro für 2024, 14 Milliarden Euro für 2025 und 17 Milliarden Euro für 2026 zur Verfügung gestellt. Damit ist der Druck, private Investoren zu finden, gemindert – zumindest fürs Erste.
Erstpublikation: 03.12.2024, 17:51 Uhr.