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Vorsätze2025 sollten Sie sich nicht im Januar im Fitnessstudio anmelden

Gute Vorsätze sind und bleiben genau das. Entschlüsse benötigen etwas anderes als ein Datum. Ein wirklicher Wandel braucht vor allem eine Sache, meint unser Kolumnist.Thorsten Firlus 07.01.2025 - 14:33 Uhr Artikel anhören
Wer einmal etwas gefunden hat, das Spaß macht, tut es auch gerne um 4:30, wie zum Beispiel eine Radtour von Ruhrmündung bis -quelle an einem Tag. Foto: Firlus

Die schlechte Nachricht: Gute Vorsätze sind zum Scheitern verurteilt. So sicher wie Magazine zu Beginn des Jahres mit einer Diät als Riesenthema aufwarten, wird es auch Menschen geben, die sich im Januar im Fitnessstudio anmelden, weil sie endlich etwas ändern wollen. Der am häufigsten genannte gute Vorsatz für 2025 ist: „mehr Sport treiben“. 55 Prozent aller Befragten gaben das bei Statista an.

Auch die Discounter offerieren pünktlich zum Jahreswechsel Ausrüstung für heimisches Krafttraining (wie jedes Jahr). Der Grund für den Wunsch nach mehr Sport ist oft die Gesundheit. Bei weiteren Statistiken zu den Gründen der Anmeldung im Fitnessstudio liegt die Gewichtsabnahme ebenfalls mit vorne. Doch schon nach wenigen Wochen sind die guten Vorsätze vergessen und die Karteileichen der Fitnessstudios werden mehr.

Machen wir es kurz: Mit Sport nehmen Sie nicht ab und wenn Sie vor allem etwas für Ihre Gesundheit tun wollen, dann schlafen Sie ausreichend, gehen spazieren, sitzen weniger, verzichten weitgehend auf Rauschmittel und ernähren sich einigermaßen sinnvoll.

Trotzdem ist es begrüßenswert, wenn sich Menschen zum Jahreswechsel dazu entscheiden, mehr Sport zu machen, denn das ist die gute Nachricht: Wenn Sie wirklich etwas ändern wollen, dann fällt das leicht. Was ist zu tun, damit die bewegten Vorsätze auch umgesetzt werden?

Hilft Ausrüstung?

Ein probates Mittel, an einer Sache dranzubleiben, ist zum einen, sich mit einer Anmeldung zu verpflichten. Ich fahre zum Beispiel erfolgreich seit Jahren mit „Erst melden, dann denken“ und verpflichte mich mit Anmeldungen zu Wettbewerben.

Zum anderen hilft unter Umständen neue Ausrüstung, um eventuell ein in der Kindheit oder Jugend praktizierten Sport wieder aufzunehmen. Allein – das Letztere wird helfen, aber am Ende nicht die entscheidenden Anreize setzen, wenn es darum geht, durchzuhalten.

Ein neues Fahrrad kann motivieren, längere Strecken zu fahren. Foto: Privat

Und das ist der springende Punkt: Wie hält man durch, was man mal angefangen hat, wenn die ersten Momente kommen, an denen man keine Lust hat? Das Wetter schlecht ist, die neue Serie lockt oder die Freundin absagt, mit der zusammen der Sport mehr Spaß macht? Stellt sich allen Ernstes jemand in den Regen und sagt sich elanvoll: „Es war mein guter Vorsatz“?

Es ist die fundamentale Frage, die sich allen stellt, ob Gelegenheitsläufer oder ambitionierter Wettkampfsportler: Wie überwinde ich den inneren Schweinehund? Denn eines ist klar: Das müssen Sie, wenn Sie sich überlegen, 2025 mehr oder überhaupt Sport zu machen.

Sportlich sein ist keine Eigenschaft

Ich selbst hatte nie den Vorsatz, mehr Sport zu machen. Mit Mitte 30 dachte ich wohl, dass die Jahre im Schwimmverein in meiner Jugend ihre Wirkung nicht verlieren würden. Mit in der Rückschau bemerkenswerter Naivität ging ich wohl davon aus, dass sportlich sein eine Eigenschaft und keine fortwährende Anstrengung sei.

Einmal Schwimmer, immer Schwimmer? Sportlich sein lässt sich pflegen. Der Autor konnte es in der Jugend besser als heute. Foto: Privat

Es war dann ein Gespräch mit dem Hausarzt, der quasi keinen meiner Werte von Blutdruck bis Gewicht für richtig gut hielt. Man ist ja nicht ganz doof und ahnt, dass viel Essen, Chips, Alkohol, kaum Bewegung in Summe nicht sinnvoll sind. Statt mich auf weitere Untersuchungen und im Nachgang vermutlich Einnahme von Medikamenten einzulassen, nahm ich mir nicht vor, etwas zu ändern, ich änderte es. Weniger essen, weniger Alkohol, es wurde eine Rolle fürs Rennrad angeschafft. 15 Minuten hielt ich zu Beginn in der Küche wohl durch.

Es folgten die ersten Stunden draußen, dann mal ein kleines Radrennen, der erste kurze Triathlon und dann ist mir das irgendwie entglitten. Das an dieser Entwicklung wirklich Wichtige aber ist: Ich bin nur von einer Herausforderung in die nächste gestolpert, weil ich Freude und Spaß daran fand.

Ich habe erst mit Anfang 40 so richtig begonnen, zu laufen, und heute kann ich mir nicht vorstellen, jemals darauf zu verzichten. Aus Regelmäßigkeit wurde Routine, aus Routine wurde ein Bestandteil des Lebens. Morgenstunden in der Natur, durch unbekannte Regionen zu laufen und sie dabei zu erkunden – es bereichert mehr als die Fitness. Ich habe gelernt, dass ein Tag mit Bewegung an der frischen Luft für mich bedeutet, mit einem guten Gefühl zu starten.

Einzigartige Momente belohnen für frühe sportliche Aktivität. Foto: Firlus

Sie sind vielleicht eher Teamsportler oder mögen eine technische Disziplin lieber – wählen Sie die. Suchen Sie sich das aus, was Ihnen verspricht, Spaß zu haben am Tun. Bouldern, Tischtennis, Stand-up-Paddeln – völlig gleich: Wenn Sie die Bewegung tun, weil sie Freude bereitet, werden Sie dranbleiben. Vielleicht gehören Sie zu dem Kreis derjenigen, die die Atmosphäre eines großen Fitnessstudios, die dortige Gemeinschaft schätzen, dann auch das.

Die Gegenprobe ist einfach: Wenn Sie glauben, dass Sie mit dem Neujahr etwas ändern wollen, warum haben Sie nicht schon davor damit begonnen? Die Antwort ist allzu menschlich und verständlich: Weil Sie keine Lust darauf haben und sich dazu zwingen müssen. Tun Sie das nicht, und wenn es unbedingt sein muss, dann warten Sie wenigstens bis März. Dann sind all die Leute nicht mehr im Fitnessstudio, die sich im Januar als guten Vorsatz angemeldet haben, und es wird wieder leerer.

Thorsten Firlus ist Handelsblatt-Redakteur und ambitionierter Hobbysportler. An dieser Stelle verbindet er beides alle 14 Tage und schreibt darüber, wie Sie fit bleiben.

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Der Text wurde am 31.12.2024 um 6 Uhr zuerst veröffentlicht.

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