Kommentar: Die Gaza-Hybris des Donald Trump

Das große Ego von Populisten wie Donald Trump zeigt sich auch in ihrer Anmaßung, die Geschichte im Handstreich ändern zu können. Das gilt für Grönland, das eine lange und teils schmerzvolle Vergangenheit mit Dänemark und Europa teilt, das der US-Präsident aber lieber in Amerika sähe. Das gilt für die Ukraine, wo Trump möglicherweise den jahrzehntelangen Kampf der Bürger für Unabhängigkeit und Westbindung ignorieren und das Land Kremlchef Putin zum Fraß vorwerfen wird. Und das gilt für Gaza, wo der Chef im Weißen Haus jetzt in einer Laune darüber nachdenkt, dass man die in dieser „Abrissbrache“ lebenden Menschen doch einfach umsiedeln könne.
Trump suggeriert, einen Konflikt, der den Nahen Osten und die Welt seit dem ersten israelisch-arabischen Krieg vor fast 80 Jahren in Atem hält, jetzt einfach lösen zu können. Das, woran sich Generationen von US-Präsidenten abgearbeitet haben, will er schaffen – mit Umzugswagen. Ist das Naivität? Ist das Hybris? Wahrscheinlich beides.
Trump könnte und sollte wissen, dass gerade die Siedlungsfrage ein Kernelement des Konflikts ist. Dass die Umsiedlung so ohne Weiteres nicht zu machen ist, weil Nachbarländer wie Ägypten sich selbst in Zeiten, als israelische Bomben auf Gaza niedergingen, geweigert haben, Palästinenser aus dem Küstenstreifen aufzunehmen.
Und weil die von den Vereinten Nationen geforderte Zweistaatenlösung und der Traum der Palästinenser vom eigenen Staat endgültig hinfällig wären, wenn die palästinensische Bevölkerung jetzt einfach auf Israels Nachbarländer verteilt würde.
Dass am Ende tatsächlich die Umzugswagen rollen, darf bezweifelt werden. Trump musste auch schon seinen Zeithorizont für die Beendigung des Ukrainekriegs ausweiten. Meist werden eben auch Populisten irgendwann von der Realpolitik eingeholt. Selbst wenn sie der mächtigste Mann der Welt sind.