Freihandel: Trumps Kurs gegenüber Lateinamerika nützt seinem größten Rivalen

Donald Trump agiert gegenüber Lateinamerika bisher unerwartet aggressiv:
- Von Panama will er den Kanal zurück – notfalls mit militärischen Mitteln. Mexiko droht er mit Importzöllen von 25 Prozent.
- Sollte Kolumbien die Migranten nicht zurücknehmen, will Trump prohibitive Zölle und Einreiseverbote für Kolumbianer in die USA verhängen.
- In Venezuela wiederum vereinbarte er m it Diktator Maduro trotz dessen Wahlbetrugs ein Rückführungsprogramm für Migranten.
So wird es wohl weitergehen: Trumps Zorn auf Lateinamerika dürfte noch zunehmen. Etwa wenn der BRICS-Staatenbund in diesem Jahr in Brasilien seine Zusammenarbeit ausweitet. Oder wenn immer mehr südamerikanische Staaten im Handel mit China Yuan statt Dollar verwenden. Oder wenn der Mercosur Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit China aufnimmt.
Doch die feindselige Haltung Washingtons und die damit verbundene Unsicherheit werden die Regierungen der Region dazu veranlassen, ihre Beziehungen zu anderen Handelspartnern auszubauen.
Davon wird vor allem China profitieren. In weiser Voraussicht hat Peking im vergangenen Jahr eine umfassende Kooperationsoffensive in Südamerika gestartet: Peking hat Argentinien unter Präsident Milei Kredite gewährt, in Peru den bald größten Hafen des Kontinents eröffnet und mit Brasilien ein umfassendes Investitions- und Kooperationspaket verabschiedet.
Auch für Europa tun sich neue Chancen auf
Damit kann China sein Engagement in Südamerika rasch ausbauen: Die Staaten werden chinesische Investitionen in die Infrastruktur begrüßen, wenn die USA ihre Investitionen und Exporte stoppen.
Aber nicht nur für China – auch für Europa ist Trumps Aggressionskurs gegenüber Lateinamerika eine Steilvorlage. Europa kann sich als verlässlicher und langfristiger Partner ins Spiel bringen.
Das ist auch für Europa interessant: Denn trotz aller Unsicherheiten wächst Lateinamerika in diesem Jahr um mehr als zwei Prozent, etwas mehr als im Vorjahr, schätzt etwa JP Morgan. Strategische Rohstoffe, konventionelle und grüne Energien, ein großer Binnenmarkt – Lateinamerika hat viel zu bieten.
Die Aussichten für eine Wiederbelebung des EU-Mercosur-Abkommens verbessern sich dank Trump – trotz aller politischen Unsicherheiten, die die Verwirklichung der biregionalen Wirtschaftsgemeinschaft noch behindern könnten.
Europa sollte diese historische Chance nutzen und massiv in die Beziehungen zu Lateinamerika investieren – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Es könnte die letzte Gelegenheit sein, dort Fuß zu fassen.