USA: China werden Trumps Zölle kaum treffen – Deutschland aber schon
Vor einigen Tagen erreichten mich inmitten einer Vielzahl von Push-Nachrichten zu neuen Ankündigungen und Executive Orders von Donald Trump auch dessen Zollpläne. Und Mr. President hatte wieder einmal meinen Kopfschüttler auf seiner Seite. Allein schon, welches Chaos nur die Zölle gegen China im Alltag anrichten.
So sorgte Trumps Erlass dafür, dass die US-Post drei Millionen Paketen aus China – die meisten von den Amazon-Konkurrenten Shein und Temu – die Annahme verweigerte. Kurze Zeit später teilt die Post aber mit, dass man nun nach einer Lösung suche. Trump handelt also nach einem alten Wildwest-Motto: „Shoot first, ask questions later“.
Der Präsident nutzt Zölle, um Druck auf andere Länder auszuüben. So will er seinen Willen bekommen. Die Vielzahl meiner amerikanischen Freunde hier sieht das ähnlich. Auf der anderen Seite meint Trump, dass er durch höhere Zölle das Handelsdefizit der Amerikaner verringern kann. Das ist natürlich ein Trugschluss. Die Amerikaner kaufen eben mehr, als sie selbst herstellen können.
Chinas Allgegenwart im Alltag
Das zeigt sich schon in der Allgegenwart Chinas im Leben der meisten Amerikaner. Geschäfte wie Walmart oder Target haben ein Sortiment, das fast ausschließlich aus „Made in China“-Produkten besteht. Billige Ware, die sich zum Teil auch billig anfühlt und nach kurzer Nutzungsdauer kaputtgeht. Als Beispiel fallen mir immer die „Hello-Sharky-Kinder-Flipflops“ ein, die 1,99 Dollar kosten und selten älter als zwei Wochen werden.
Das Mindset hier in den Staaten besteht darin, das Produkt bei einem Defekt einfach wegzuwerfen und sich ein neues zu kaufen. Ich erinnere mich noch gut an ein Tennisspiel, bei dem an meinem Tennisschläger eine Saite riss. Ich fragte meinen Tennispartner, wo ich denn den Schläger bespannen lassen könne. Er entgegnete mir, dass ich den Schläger wegwerfen und mir bei Walmart einen neuen kaufen solle. Der Schläger würde nur einen Bruchteil einer neuen Bespannung kosten. Arbeit hier sei eben teuer und generell der Servicesektor am Aussterben.
Als ich auch im Internet keinen „Bespannungsservice“ fand, fuhr ich zu Walmart und rechnete dort mit Tennisschlägerpreisen um die 100 Dollar. Stattdessen fand ich diverse Markenschläger in einer Preisspanne von 16 bis 25 Dollar. Ich habe mir dann natürlich einen neuen „Made in China“-Schläger gekauft. Und natürlich hätte ich auch zugeschlagen, wenn der Zolltarif von zehn Prozent das Ganze um zwei bis drei Dollar verteuert hätte.
Für viele Amerikaner würden sich erhöhte Zolltarife zwischen zehn und 25 Prozent im Alltag bemerkbar machen. Aber: Importierte „Billigprodukte“ werden zum Großteil immer noch günstiger sein als in den USA hergestellte Produkte. Es würde in der Folge lediglich weniger konsumiert, weil nur das Preisniveau und somit auch die Inflation stiege – aber nicht mehr amerikanische Produkte konsumiert, die immer noch teurer wären.
Zölle gegen die EU?
Sorgen mache ich mir dagegen, was die Auswirkungen von Zöllen auf EU-Produkte angeht. Vor allem auf die deutschen Autohersteller. Bisher haben es die Deutschen verschlafen, günstige Elektroautos herzustellen. Hier in den USA fahren neben Tesla zahlreiche chinesische Autos herum. Manchmal bestaune ich während der Autofahrt Autos im Bugatti-Style. Meine Kinder belehren mich dann, dass der Wagen auf der Straße ein „billiger Chinawagen“ sei. Die Amerikaner fahren ihn allerdings trotzdem, weil er eben gut aussieht und günstig ist.
Wie soll das erst werden, wenn Zölle deutsche Autos noch teurer machen? Der Volkswagen-Konzern hat bereits nach der ersten Zollandrohung angekündigt, für die Marken Porsche und Audi über Produktionsstätten in den USA nachzudenken. Selbst durch reines Säbelrasseln erreicht Trump schon ein mögliches Umdenken. In Sachen China mag die Trump-Maxime also womöglich wenig wirksam sein. Mit Blick auf Europa aber könnte Trump durchaus Erfolg haben, wenn er sich sagt: Shoot first, ask questions later!
Philipp Depiereux ist Unternehmer und Autor und lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern seit knapp drei Jahren in Newport Beach, Kalifornien. Er teilt ab sofort seine Eindrücke aus den USA und Deutschland alle 14 Tage im Handelsblatt-Wochenende.
Erstpublikation: 13.02.2025, 10:27 Uhr.