Kommentar: Finanzminister oder gar nichts

Lars Klingbeil ist schon einmal im Leben falsch abgebogen. In einem Akt fehlgeleiteter Rebellion gegen das Elternhaus ist der Niedersachse Fan des FC Bayern München geworden. Als SPD-Vorsitzender sollte Klingbeil so ein Fehler nicht noch einmal passieren – und richtig abbiegen.
Die SPD wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Juniorpartner der Union. Klingbeil, so heißt es, könnte Außenminister werden. Damit würde er einen schweren Fehler begehen. Sollte Klingbeil trotz seiner Wahl als Fraktionschef ins Kabinett wechseln, kann er nur ein Ziel haben. Wenn er eitel ist, wird er Außenminister. Wenn er klug ist, Finanzminister.
Kein anderer Minister hat verfassungsrechtlich eine so starke Position im Kabinett wie der Finanzminister. Er verfügt mit dem Etat über sein eigenes Königreich, alle Beschlüsse gehen über seinen Schreibtisch. Er besitzt eine Vetomacht wie sonst nur der Kanzler und kann Politik weit über die Haushalts- und Finanzpolitik gestalten. Davon kann der frühere Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ein Lied singen, dem gleich mehrfach in der Großen Koalition von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die eigenen Ideen geklaut wurden.