Champagner-Zölle: Donald Trump gegen Dom Pérignon – Handelskonflikt wird persönlich
Paris. Donald Trump und Bernard Arnault kennen sich schon seit mehr als vier Jahrzehnten. Der Chef des französischen Luxuskonzerns LVMH sei ein „großartiger Gentleman und großartiger Businessman“, schwärmte der US-Präsident einmal. Arnault wiederum nutzte das freundschaftliche Verhältnis geschickt, um das Zollrisiko für sein Unternehmen in Trumps erster Amtszeit zu minimieren.
Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus nimmt der America-First-Präsident auf den alten Freund aus Frankreich allerdings keine Rücksicht mehr. Trump hat Strafzölle von 200 Prozent auf „Wein, Champagner und alkoholische Produkte aus Frankreich und anderen EU-Ländern“ angekündigt.
Der Branchenriese LVMH ist mit Champagner-Marken wie Moët & Chandon, Dom Pérignon und Veuve Clicquot von der jüngsten Eskalation im transatlantischen Handelskonflikt besonders stark betroffen.
Mehr als eine Milliarde Euro Umsatz steht im Feuer
Die Konzernsparte „Wine & Spirits“ steht zwar nur für knapp sieben Prozent des Gesamtumsatzes. Im vergangenen Jahr entsprach das in absoluten Zahlen aber immerhin 5,8 Milliarden Euro. Ungefähr ein Drittel seines Geschäfts mit edlem Champagner und Cognac macht LVMH in Amerika, es geht für das Unternehmen also um potenzielle Einnahmeverluste von mehr als einer Milliarde Euro.
Trumps Alkohol-Zölle könnten für Hersteller in ganz Europa teuer werden: Das „Wall Street Journal“ bezifferte die amerikanischen Weinimporte aus der EU im vergangenen Jahr auf rund 5,4 Milliarden Dollar. Davon entfielen 1,7 Milliarden Dollar auf Champagner und andere Schaumweine. Außerdem führten die USA 2024 europäische Spirituosen im Wert von 3,5 Milliarden Dollar sowie europäisches Bier im Wert von gut einer Milliarde Dollar ein.
Kaum ein EU-Land fürchtet die Zölle aber so sehr wie Frankreich. Die USA sind der wichtigste Exportmarkt für französische Winzer, im vergangenen Jahr setzten sie dort 2,3 Milliarden Euro um. Nach Angaben von Gabriel Picard, Chef des Verbandes französischer Wein- und Spirituosenexporteure, stehen für die gesamte Branche des Landes vier Milliarden Euro auf dem Spiel. „200 Prozent Strafzölle, das würde den sofortigen Stopp aller Lieferungen in die USA bedeuten“, sagte er der Zeitung „Les Echos“.
Arnault erhielt einen Platz nahe Bill Clinton und Barack Obama
Von LVMH gab es zunächst keine offizielle Reaktion auf die Zolldrohung. Chef Arnault hatte eigentlich darauf gehofft, dank seiner persönlichen Beziehungen zu Trump über eine handelspolitische Rückversicherung zu verfügen. Zur Vereidigung des Präsidenten im Januar reiste Arnault mit seiner Frau und zwei seiner fünf Kinder nach Washington. Die Familie bekam Plätze ganz in der Nähe der ehemaligen Präsidenten Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama.
Der 76-jährige Arnault und der zwei Jahre ältere Trump pflegen seit Anfang der 1980er-Jahre einen engen Kontakt, sie sollen sich zum ersten Mal bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im New Yorker Plaza-Hotel begegnet sein. Arnault lebte zu der Zeit vorübergehend in der US-Ostküstenmetropole, weil er Frankreich aus Ärger über die Politik des damaligen sozialistischen Präsidenten François Mitterand verlassen hatte.
Die Freundschaft zu Trump erhielt für Arnault eine politische Dimension, als dieser im November 2016 erstmals zum Präsidenten gewählt wurde. Der LVMH-Chef bemühte sich, den Republikaner im Handelsstreit auf seine Seite zu ziehen. Im Oktober 2019 eröffnete er gemeinsam mit Trump in der texanische Kleinstadt Alvarado eine neue Fabrik der Nobelhandtaschenmarke Louis Vuitton.
Bei dem Treffen wurde Trump gefragt, warum er Strafzölle auf Wein und Käse aus Frankreich plane, nicht aber auf die Produktpalette von LVMH. Der Präsident verwies in der Antwort damals auf Arnault: „Er war so nett zu mir. Und ich kann ihn nicht mit Zöllen belegen, weil er in die USA gezogen ist.“ Nun sieht das Trump offensichtlich anders.
Auf dem Netzwerk Truth Social schrieb er zu den geplanten Zöllen: „Das wird großartig für die Wein- und Champagnerbranche in den USA sein.“ Dabei ignorierte der US-Präsident, dass „Champagner“ eine geschützte Bezeichnung für Schaumwein aus dem Anbaugebiet rund um die ostfranzösische Stadt Reims ist.
Die Regierung in Paris versucht unterdessen, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen. Finanzminister Éric Lombard kündigte am Freitag an, demnächst zu Gesprächen nach Washington reisen zu wollen. „Wir müssen mit den Amerikanern reden, um die Lage zu entspannen.“