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US-RegierungVance teilt bei Grönland-Besuch gegen Dänemark aus

Bei einem Kurztrip unterstreicht US-Vizepräsident J.D. Vance die Bedeutung Grönlands für die USA. Die Europäer hielten gegen Russland und China „zu oft“ nicht Schritt. 28.03.2025 - 20:38 Uhr aktualisiert Artikel anhören
US-Vizepräsident J.D. Vance besuchte die Pituffik Space Base in Grönland. Foto: via REUTERS

Pituffik. US-Vizepräsident J.D. Vance scheut keine Konfrontation und provoziert nun mit einer umstrittenen Reise nach Grönland – die Eisinsel, die aus Sicht seines Chefs Donald Trump zu den USA gehören sollte. Vance besuchte den abgeschiedenen US-Militärstützpunkt Pituffik am Freitag für wenige Stunden.

Als er erstmals grönländischen Boden betrat, wunderte sich der US-Vize zunächst über die frostigen minus 18 Grad. „Es ist saukalt hier“, sagte er zur Begrüßung der US-Soldaten, die in der weltweit nördlichsten US-Militäreinrichtung stationiert sind.

Zusammen mit seiner Ehefrau Usha und einer US-Delegation landete Vance am späten Nachmittag (MEZ) in Pituffik, etwa 1.500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuuk. Mit dabei waren auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater Mike Waltz und Energieminister Chris Wright, wie in Aufnahmen von US-Sendern zu sehen war.

Die Pituffik-Basis, die bis vor zwei Jahren Thule Air Base hieß, hat immense Bedeutung für die globale Raketenabwehr und die Weltraumüberwachung. Offiziell standen auf dem Stützpunkt ein Briefing über die Sicherheitslage in der Arktis und eine Begegnung mit den stationierten US-Soldaten an. Inoffiziell musste Europa sich – in erster Linie Dänemark, zu dessen Königreich Grönland zählt – aber auch auf eine neue Verbalattacke gefasst machen.

Tatsächlich teilte Vance bei seinem Besuch gegen Dänemark und die Europäer aus. „Dänemark hat keine gute Arbeit geleistet, um Grönland sicher zu halten“, sagte Vance. Die Verbündeten in Europa würden angesichts der Gefahren durch Russland und China „zu oft“ nicht Schritt halten. „Sie haben bei den Militärausgaben nicht Schritt gehalten, und Dänemark hat nicht die Mittel bereitgestellt, die notwendig sind, um diesen Stützpunkt zu erhalten, um unsere Truppen zu schützen.“ Die USA würden davon ausgehen, dass sich die Grönländer entscheiden, unabhängig von Dänemark zu werden, so Vance. „Und dann werden wir Gespräche führen.“

US-Vizepräsident J.D. Vance (2.v.r.) und seine Frau Usha (r.) auf der Pituffik-Militärbasis. Foto: AP

Trump hat seit längerem ein Auge auf die Eisinsel geworfen. Sie ist bedeutend für das Weltklima, aber auch für die militärische Kontrolle der Arktis, in die der russische Präsident Wladimir Putin weitere Soldaten entsenden will, wie er gerade angekündigt hat. Grönland ist noch dazu reich an Rohstoffen wie zum Beispiel dringend benötigten seltenen Erden. Außerdem verlaufen in der Region wichtige Schifffahrtsrouten.

Auf der Insel ist man alles andere als begeistert, dass Trump seit Monaten Besitzansprüche geltend macht. „Wir können die wiederholten Aussagen zur Annexion und Kontrolle Grönlands nicht akzeptieren“, erklärten der bisherige Regierungschef und künftige Finanzminister Múte B. Egede und die Spitzen der weiteren grönländischen Parlamentsparteien gemeinsam.

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Eingeladen hat Vance von offizieller grönländischer Seite niemand. Vielmehr demonstrierten die Inselpolitiker am Tag des Vance-Besuches größtmögliche Einheit: Vier der fünf Parlamentsparteien unterzeichneten in Nuuk einen Vertrag zu einer breit aufgestellten Regierungskoalition, mit der sie dem Druck aus den USA standhalten wollen.

Das Signal, ausgesendet nur wenige Stunden vor Vance' Ankunft, ist klar: Grönland steht zusammen. Die neue Koalition um den künftigen liberalen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen muss nun noch vom Parlament bestätigt werden, was als Formsache gilt.

US-Präsident Trump: „Wir brauchen Grönland“

Parallel zu Vance Besuch äußerte US-Präsident Donald Trump sich über seine Absichten zu Grönland. Er machte klar, dass er seine Idee einer Einverleibung Grönlands durch Amerika Ernst meint. „Wir brauchen Grönland“, sagte Trump im Weißen Haus in Washington. „Wir haben keine andere Wahl.“ Für die internationale Sicherheit und den Weltfrieden sei es sehr wichtig, „dass wir Grönland haben“.

Er schob nach: „Es geht nicht um die Frage: Können wir darauf verzichten? Das können wir nicht.“ Auf den Wasserstraßen rund um die Insel im Nordatlantik seien „überall chinesische und russische Schiffe“ unterwegs. Man könne sich nicht auf Dänemark verlassen, sich darum zu kümmern.

Wir brauchen Grönland.
Donald Trump
US-Präsident

Vance spielte die Äußerungen von Trump herunter. „Wenn der Präsident sagt, dass wir Grönland haben müssen, dann sagt er damit, dass diese Insel nicht sicher ist“, sagte Vance. Man könne die Wünsche des Präsidenten nicht ignorieren. Die Menschen in Grönland könnten selbst bestimmen und man hoffe, dass sie sich für eine Partnerschaft mit den USA entscheiden.

„Wir glauben nicht, dass militärische Gewalt jemals notwendig sein wird“, sagte Vance. Anders als von Vance dargestellt hatte Trump den Einsatz des Militärs in der Vergangenheit nicht ausgeschlossen, um Kontrolle über Grönland zu erlangen.

Vance bleibt Hauptstadt fern

Vance blieb bei seinem Besuch der Hauptstadt fern. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Zwists um die größte Insel der Erde kann man seine Reise wahlweise als Eskalation oder als Deeskalation betrachten: Einerseits ist er der bislang ranghöchste Vertreter des Trump-Lagers, der nach Grönland gereist ist.

Andererseits vermied der Vizepräsident mit dem Kurztrip auf die US-Basis den direkten Kontakt mit der grönländischen Bevölkerung – anders als etwa Präsidentensohn Donald Trump Jr. bei einem öffentlichkeitswirksamen Besuch in Nuuk im Januar. Und auch anders, als es bei der ursprünglich auf drei Tage ausgelegten Tour seiner Frau mitsamt Hundeschlittenrennen im Ort Sisimiut geplant war.

Bereits bei einer Demonstration war auf einem großen Banner die unmissverständliche Botschaft „Yankee, go home!“ zu lesen gewesen. Foto: Christian Klindt Soelbeck/Ritzau
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Ursprünglich sollte Usha Vance ohne ihren Mann nach Grönland reisen. Diese Pläne wurden vorab umfassend abgeändert, was auch mit der Abweisung durch die grönländische Politik sowie der Inselbevölkerung selbst zu tun haben dürfte. Rund um die ursprüngliche Reise waren neue Proteste gegen die USA geplant gewesen, denen das Vizepräsidentenpaar nun aus dem Weg geht. Bereits bei einer früheren Demonstration war auf einem großen Banner die unmissverständliche Botschaft „Yankee, go home!“ zu lesen gewesen.

Solche Szenen passen überhaupt nicht in das schiefe Bild, das die Trump-Regierung von Grönland zeichnen will – das von einer Insel, die unbedingt Teil der USA werden wolle. In Pituffik genoss Vance nun eine Art Heimspiel vor US-Soldaten, den er daheim als Erfolg verkaufen kann – in Nuuk oder Sisimiut hätten womöglich Würfe mit Eiern und Schneebällen gedroht.

dpa
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