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US-ZölleTrump sendet zwei radikale Botschaften an China

Der US-Präsident eskaliert den Handelskrieg und provoziert Peking dazu mit einem Detail in seiner Präsentation. China reagiert zunächst verhalten – und könnte sich stärker Europa zuwenden.Martin Benninghoff 03.04.2025 - 11:52 Uhr Artikel anhören
Donald Trump bei der Verkündung seiner neuen Zölle – die US-Regierung geht auf Konfrontationskurs zu Peking. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Shanghai. Als US-Präsident Donald Trump am Mittwoch in Washington eine Tabelle mit zusätzlichen Zöllen für zahlreiche Länder zeigte, enthielt die Präsentation für den großen Rivalen China zwei radikale Botschaften: Die USA eskalieren den Handelskonflikt, denn sie belegen den Großteil der Exportwaren der zweitgrößten Volkswirtschaft mit zusätzlichen Zöllen von 34 Prozent.

Seit Januar gelten ohnehin schon pauschale Zölle von 20 Prozent auf chinesische Importe. Die Zollbelastung für viele Produkte steigt somit in Summe auf mehr als 50 Prozent.

An vierter Stelle der Zolltabelle, und das ist die zweite deutliche Botschaft an China, nannte der US-Präsident Taiwan als eigenständiges Land. Auch das dürfte in der chinesischen Hauptstadt Peking für Verärgerung sorgen, denn die Volksrepublik betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und nicht als eigenständiges Land.

Zusammen mit den unbestätigten Gerüchten, dass der vergleichsweise chinafreundliche Tesla-Chef Elon Musk bald wohl nicht mehr zu Trumps Beraterstab gehören könnte, dürfte damit auch den letzten Optimisten in Peking klar geworden sein: Die US-Regierung geht auf Konfrontationskurs.

US-Zölle: China kündigt „entschlossene Gegenmaßnahmen“ an

Dieser betrifft auch Vietnam, das mit Zöllen von 46 Prozent belegt wird. Viele chinesische Geschäftsleute waren zuletzt an Investitionen im Nachbarland interessiert, um ihre US-Geschäfte im eskalierenden Handelskrieg nicht weiter zu gefährden und von Vietnam aus tätig zu werden – auch das dürfte nun schwieriger werden.

Treffen in Peking: Chinas Staatspräsident Xi Jinping und die Chefs ausländischer Unternehmen beim Gruppenfoto im März in Peking. Foto: China Daily via REUTERS

Als Reaktion auf Trumps Zollpläne kündigte das chinesische Handelsministerium am Donnerstag an, „entschlossene Gegenmaßnahmen“ ergreifen zu wollen, „um die eigenen Interessen zu schützen“. Dieses Statement ging zunächst im Wesentlichen allerdings nicht über frühere Erklärungen hinaus – konkrete Schritte hat die Regierung noch nicht angekündigt.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Chinas Regierung sich erst einmal abwartend verhält. „Die Zölle kamen schneller, als ich erwartet hatte“, sagte der Shanghaier Wirtschaftsprofessor Zhu Tian. „Ich bin sicher, dass China als Vergeltung ebenfalls die Zölle erhöhen wird.“

„Die Zollankündigungen sind ein Wendepunkt in der Globalisierung“, sagte der für Asien zuständige Chefvolkswirt der internationalen Großbank HSBC in Hongkong, Frederic Neumann. Die weitreichenden US-Zölle seien ein Hemmnis für das Wachstum in ganz Asien „und treffen nicht nur die Exporte, sondern auch die Investitionen“.

Neumann befürchtet eine „Zollkaskade“, bei der andere Länder als Reaktion auf die US-Maßnahmen eigene Zölle gegen die USA und gegeneinander erheben. „Das würde den Welthandel und das Wachstum massiv einschränken.“

China fordert die USA auf, die einseitigen Zölle unverzüglich aufzuheben.
Chinesischer Ministeriumssprecher

Wie alle anderen Staaten will auch China verstehen, wie die Trump-Regierung auf die zusätzlichen 34 Prozent kommt. Nach Berechnungen des Weißen Hauses, die Trump an die Tafel projizierte, sollen sich Chinas Zölle und andere Handelshemmnisse und Währungsmanipulationen gegenüber den USA auf 67 Prozent summieren – etwa die Hälfte davon sind dann die nun verhängten 34 Prozent.

Peking sieht offenbar aber noch Spielraum für Verhandlungen. „China fordert die USA auf, die einseitigen Zölle unverzüglich aufzuheben und die Differenzen mit den Handelspartnern im Dialog zu lösen“, sagte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag. Die US-Haltung ignoriere, dass die USA „seit Langem erhebliche Vorteile aus dem internationalen Handel gezogen haben“.

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Für die chinesischen Staatsmedien war es zudem wichtig zu betonen, dass die USA für viele Länder zusätzliche Zölle erheben würden – offenbar um den Eindruck eines bilateralen Handelskriegs zwischen den USA und China zu vermeiden. Taiwans Regierung bezeichnete die Zölle in einer ersten Reaktion am Donnerstag als „unangemessen“.

Zölle betreffen den Großteil der chinesischen Waren

Die neuen Zölle, die am 9. April in Kraft treten sollen, betreffen den Großteil der Waren, die chinesische Unternehmen in die USA exportieren. 2024 lag deren Wert bei 525 Milliarden US-Dollar. China-Experte Jörg Wuttke sagte dem Handelsblatt: „Diese Anhäufung von Zöllen bestraft vor allem die unteren Schichten der amerikanischen Gesellschaft, die untere Mittelschicht, wo man viele Trump-Wähler vermuten würde.“

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Der frühere Chef der Europäischen Handelskammer in China arbeitet inzwischen für die US-Beratungsfirma Albright Stonebridge Group in Washington. Er schätzt, dass es etwa 90 Tage dauern wird, bis sich die neuen Zölle auf die Lieferkette und dann auf die Preise in Geschäften auswirken. Im Sommer sei mit einem starken Anstieg der Inflation zu rechnen, sagte Wuttke.

Ob die US-Notenbank dann mit einer Zinserhöhung reagieren werde? „Wir betreten Neuland, das es seit den 1930er-Jahren so nicht mehr gegeben hat“, so Wuttke.

US-Zölle in China: Am Beispiel Walmart zeigen sich die Auswirkungen

Einen Vorgeschmack auf künftige Preiskämpfe zwischen China und den USA gab in den vergangenen Wochen bereits der US-Einzelhandelskonzern Walmart, der in China unter anderem mit seiner Supermarktkette Sam’s Club stark vertreten ist. Das Unternehmen soll seine chinesischen Zulieferer aufgefordert haben, die Preise mit jeder neuen Zollrunde um zehn Prozent zu senken, um die Kosten der US-Zölle auf die chinesischen Zulieferer abzuwälzen.

Peking hatte daraufhin das Gespräch mit dem Unternehmen gesucht, den Streit aber öffentlich nicht eskalieren lassen. Walmart ist für viele chinesische Hersteller im Lebensmittelbereich wichtig – und ein verlässlicher Abnehmer. Auch hatte sich Staats- und Parteichef Xi Jinping vor einer Woche mit internationalen Investoren getroffen und zuvor auch die heimische Privatwirtschaft öffentlich unterstützt. In dem Spannungsfeld will Peking möglichst wenig Störgeräusche erzeugen.

Donald Trump (l.): Der US-Präsident präsentiert im Beisein von Handelsminister Howard Lutnick die Liste mit jenen Ländern, die von den Zöllen betroffen sind. Foto: AFP

Für China stellt sich nun die Frage, wie sich Trumps Zölle auf die eigenen Wachstumsaussichten auswirken werden. Die Macquarie Group hatte im vergangenen Jahr prognostiziert, dass das chinesische Wachstum bei einem Zollsatz von 60 Prozent – wie von Trump im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf angekündigt – um zwei Prozentpunkte sinken könnte. Laut der Bank UBS könnte eine solche Größenordnung das jährliche Wachstum Chinas sogar halbieren.

Aber auch ohne die US-Zölle steht Chinas Wirtschaft unter Druck: Die Immobilienkrise im Land ist noch nicht gelöst und drückt weiter auf die Konsumlaune. Zuletzt beim Volkskongress im März hatte die chinesische Regierung eine Reihe von Stützungsmaßnahmen angekündigt, um die avisierten „rund fünf Prozent“ Wachstum im laufenden Jahr erreichen zu können.

Im Fokus steht dabei die Ankurbelung des Binnenkonsums in einem für den Export schwierigen Umfeld. Ein Alt-gegen-Neu-Tauschprogramm für Konsumgüter soll etwa fortgeführt und ausgeweitet werden.

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Laut HSBC-Ökonom Neumann muss China jedoch weit mehr tun. Allerdings stellten die Zölle für die auf dem verarbeitenden Gewerbe basierenden Volkswirtschaften Asiens eine „akute Herausforderung dar, die wahrscheinlich nicht nur zusätzliche kurzfristige Anreize, sondern auch ein langfristiges Überdenken ihrer Wachstumsmodelle erfordern wird“. Dazu könnten auch neue vertiefte Partnerschaften gehören, sogar mit regionalen Rivalen wie Südkorea oder Japan – und den Europäern.

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