Morning Briefing: Das Worst-Case-Szenario von Donald Trump bedroht Millionen Jobs
Handel: Mehrere Szenarien für neue US-Zölle / Atomkraft: Der Ausstieg aus dem Ausstieg
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!
Heute ist der „Tag der Befreiung“. Der Befreiung wovon? Da müssen Sie Donald Trump fragen. Der US-Präsident hat dem heutigen Tag diesen pathetischen Namen gegeben, weil er neue Importzölle für den amerikanischen Markt verkünden möchte. Laut einem Bericht der „Washington Post“ arbeitet die US-Regierung einen Vorschlag aus, der Zölle von mindestens 20 Prozent auf die meisten Importe in die USA vorsieht. Eine Sprecherin des Weißen Hauses präzisierte, dass die neuen Einfuhrsteuern nach ihrer Verkündung „unverzüglich“ wirksam würden. Trump sagte, es würden keine Länder von den Zöllen ausgenommen.
Das Szenario „20 Prozent für alle“ gilt als Worst-Case-Szenario – es werden in der US-Regierung wohl auch noch andere Optionen diskutiert. Es ist ein Szenario, vor dessen Folgen am Ende selbst Trump zurückschrecken könnte. Mark Zandi, Chefökonom von Moody's Analytics, warnte im US-Fernsehen, dass eine solche Eskalation in den USA 5,5 Millionen Arbeitsplätze vernichten, die Arbeitslosenquote auf sieben Prozent erhöhen und das BIP um 1,7 Prozent senken würde. Zandi schätzt:
Angesichts der angekündigten Zollwelle steht die EU unter Handlungsdruck. Hinter den Kulissen diskutieren die Verantwortlichen in der mächtigen Generaldirektion Handel derzeit ein ganzes Arsenal an Vergeltungsmaßnahmen. Die EU könnte auf die amerikanischen Drohgebärden nicht nur mit klassischen Zöllen, sondern auch mit tiefgreifenden Maßnahmen gegen US-Dienstleister und Tech-Konzerne reagieren. In diesen Bereichen können sie die Amerikaner am empfindlichsten treffen.
Doch einige EU-Staaten sträuben sich vor einer zu harten Reaktion – aus Angst vor Nachteilen für ihre wichtigsten Branchen. Frankreich, Italien und Spanien fürchten etwa, dass ein konfrontativer Kurs Trumps Zorn auf ihre Winzer lenken könnte. Deshalb setzt die EU gleichzeitig auch weiterhin auf Verhandlungen mit den USA. Ein Vorschlag zur Güte etwa lautet, den Zollsatz auf Fahrzeuge, der in Europa zehn Prozent beträgt, an den amerikanischen von 2,5 Prozent anzupassen.
Treffend formuliert hat es einst der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman. Er beschrieb Handelskriege als Konflikte, „in denen jede Seite den Großteil ihrer Munition dazu verwendet, sich selbst ins Knie zu schießen“.
Erderwärmung auch in Deutschland spürbar
Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände – die Folgen des weltweiten Klimawandels sind kaum noch zu übersehen. Auch in Deutschland ist die Klimakrise deutlich sichtbar, etwa wenn man auf die Durchschnittstemperaturen der letzten Jahre schaut. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat gestern gewarnt, dass sich die Erwärmung durch den Klimawandel auch in Deutschland beschleunige. Laut DWD gab es in Deutschland in den Jahren 2023 und 2024 jeweils einen Rekord bei der Jahresmitteltemperatur. Im vergangenen Jahr lag diese bei 10,9 Grad Celsius, was es zum wärmsten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen anno 1881 macht.
Die Klimatologen mahnen, bei den globalen Emissionen der klimaschädlichen Treibhausgase „endlich den Umkehrpunkt zu erreichen“. Jedes Zehntelgrad vermiedener Erwärmung zähle. DWD-Vorstand Tobias Fuchs warnte vor „erheblichen wirtschaftlichen Schäden“ durch extreme Wetterereignisse wie Sturzfluten, Hochwasser und Dürren.
Raus aus der Atomkraft, rein in die Atomkraft?
Als eine klimafreundliche, wenn auch nicht besonders umweltfreundliche Energiequelle gilt die Atomkraft. Schließlich ist die Frage, wo die hochradioaktiven Abfälle entsorgt werden sollen, immer noch nicht geklärt. Doch viele halten Deutschlands Ausstieg aus der nuklearen Energiegewinnung für falsch und wünschen sich, die bereits abgeschalteten Meiler wieder hochzufahren. Auch bei der CDU lautet das Motto mittlerweile „Raus aus der Atomkraft, rein in die Atomkraft“ – nachdem die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Atomausstieg einst beschlossen hatte.
Wie ernst es der Union bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen mit dem Thema ist, zeigt ein Papier, das die Handelsblatt Energie-Experten Klaus Stratmann und Kathrin Witsch einsehen konnten. Darin haben einige Mitglieder der Unionsfraktion einen Plan ausgearbeitet, wie sich die sechs stillgelegten Kernkraftwerke in Deutschland wieder in Betrieb nehmen ließen. Sollte eine Überprüfung ergeben, dass ein Weiterbetrieb der stillgelegten Reaktoren technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll sei, könnte der Bund eine größere Rolle übernehmen – als Geldgeber oder sogar als Eigentümer.
Handelsblatt-Unternehmensressortleiter Jürgen Flauger hält es für richtig, die endlose Frage nach der Atomkraft auf die Agenda zu setzen und endgültig zu beantworten. „Wir brauchen endlich Klarheit: Sind die alten Atomkraftwerke noch eine Option oder nicht?“ Wenn nein, müsse diese Debatte beendet und die Sicherheit unserer Energieversorgung anders geregelt werden. Wenn ja, müsse die Politik eine zentrale Rolle übernehmen. Dazu könnte auch zählen, dass der Staat selbst in die Verantwortung gehe und den Betrieb der Anlagen übernehme. Mein Kollege fordert deshalb:
Überraschender Optimismus bei Unternehmen
Trotz all der Krisen und der aktuellen Unsicherheit rund um die künftige deutsche Regierung: In vielen deutschen Unternehmen herrscht derzeit Aufbruchsstimmung. Selbst die schwierigen Rahmenbedingungen und der Abwärtstrend an den Weltmärkten scheint der guten Laune von Familienunternehmen nicht zuzusetzen. Anne-Marie Großmann, die beim Stahlkonzern Georgsmarienhütte für die Unternehmensentwicklung zuständig ist, sagt: „Wir Unternehmer haben das Gefühl: Die Politik hat verstanden.“ Welche Gründe es für den Optimismus gibt, hat meine Kollegin Anja Müller in einem wohltuenden Report aus dem deutschen Mittelstand aufgeschrieben.
Zum Abschluss kehren wir noch einmal zu den negativen Auswirkungen der US-Zollpolitik zurück. Laut einem Bloomberg-Bericht drohen in den USA durch die Importsteuern gegen Kanada Engpässe bei einem besonders wichtigen Konsumgut: dem Klopapier. Denn durch die Zölle dürfte die Einfuhr von kanadischem Weichholz – einem essenziellen Rohstoff für die Herstellung von Toilettenpapier – deutlich teurer werden. Vielleicht steckt dahinter aber auch ein lang ausgetüftelter Plan der MAGA-Bewegung. Schließlich lautet eine ihrer Strategien laut Trumps Ex-Berater Steve Bannon: „Flood the zone with shit.“
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Ihnen das zur Verfügung steht, was Sie brauchen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens