US-Zölle: Messtechnikhersteller Endress+Hauser nennt Zölle „beherrschbar“
Stuttgart. Der Messtechnikhersteller Endress+Hauser sorgt sich kaum wegen der drastischen Zollentscheidungen von Donald Trump, sondern vielmehr wegen deren Folgen. „Mir machen die US-Zölle weniger Sorgen als die weltweite Rezessionsgefahr. Die Zölle allein werden irgendwie beherrschbar sein“, sagt CEO Peter Selders.
Dabei betreibt Endress+Hauser in den USA für große Produktbereiche nur Montagewerke. Elektronik und Sensorik kommen aus den eigenen Werken in Europa, Spezialgussteile von Lieferanten in Asien. Entsprechend wird das Unternehmen bei vielen Produkten von den neuen Zöllen betroffen sein. „Wir können zwar etwas umsteuern, aber viele Komponenten bekommt man in den USA gar nicht“, sagt Selders.
Zölle treffen auch die US-Konkurrenten
Allerdings trifft das auch auf die Konkurrenten zu. Nicht nur die japanische Yokogawa, auch US-Konkurrent Emerson importiert viele Komponenten. Komplette Lieferketten innerhalb der USA gebe es in der Messtechnik-Branche nicht, sagt Selders. In der Branche schadet die Trump-Administration also auch US-Unternehmen.
„Wir werden die Zölle teilweise auf die Preise aufschlagen müssen, sonst sind die Margen auf dem US-Markt schnell dahin“, kündigt Selders an. Ein möglicher Einbruch des US-Geschäfts würde das Unternehmen allerdings nicht allzu schwer treffen. E+H macht nur etwa ein Sechstel des Umsatzes in den USA. „Das bringt uns als Gesamtgruppe nicht aus dem Gleichgewicht, aber das Geschäft in den USA betrifft margenstarke Produktsegmente“, sagt Selders.
Lange wuchs das Geschäft des Unternehmens in den USA stark. 2024 dagegen entwickelten sich alle drei großen Märkte – USA, China und Deutschland – nur verhalten. Die kleineren und mittleren Vertriebsgesellschaften glichen dies aus.
Der Nettoumsatz der Firmengruppe stieg dadurch 2024 nach Angaben des Managements leicht um 0,7 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro, das Ebit auf 527 Millionen Euro, die Umsatzrendite auf rund 14 Prozent. Das Ergebnis nach Steuern sank leicht auf 408 Millionen Euro. Derzeit setzt die Gruppe mit mehr als 17.000 Beschäftigten Investitionsvorhaben für mehr als 550 Millionen Euro um – das größte davon am Produktionsstandort im süddeutschen Maulburg.
Zusätzliche Wachstumsimpulse erwartet das Familienunternehmen aus dem Ausbau des Angebots im Bereich der Gasanalyse- und Gasmesstechnik. Dafür hat das Unternehmen kürzlich eine strategische Partnerschaft mit dem Sensorhersteller Sick in der Prozessautomatisierung geschlossen. „Wir decken neue Anwendungsfelder ab und erschließen Zukunftsmärkte“, sagte E+H-Verwaltungsratspräsident Matthias Altendorf.
Im Zuge der Kooperation wechselten weltweit rund 800 Vertriebs- und Servicekräfte von Sick zu E+H. Die Produkte laufen künftig unter dem Namen Endress+Hauser. Für Produktion und Entwicklung gründeten die beiden Unternehmen ein Joint Venture mit 730 Beschäftigten. Endress+Hauser wird dadurch knapp 400 Millionen Euro Umsatz hinzugewinnen.
Fürs laufende Jahr erwartet der CEO ohne die Übernahme ein Wachstum zwischen fünf und sieben Prozent sowie einen stabilen Gewinn. „Ich zähle ungern zu den Pessimisten. Das Wachstum in den USA wird sich aber eintrüben“, sagte Selders. Die jetzige Verunsicherung verzögere Investitionsentscheidungen.
Endress+Hauser wurde 1953 von dem Schweizer Georg H. Endress und dem Deutschen Ludwig Hauser gegründet. Das Unternehmen befindet sich bis heute in Familienbesitz.