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HandelskriegDie Erholung von Chinas Wirtschaft endet, bevor sie begonnen hat

Mit den Sonderzöllen treffen die USA die beiden wichtigsten Faktoren der chinesischen Volkswirtschaft. Der Regierung in Peking bleiben zwei Optionen – beide sind unangenehm.Sabine Gusbeth 11.04.2025 - 08:40 Uhr Artikel anhören
Im Handel zwischen den USA und China gelten künftig hohe Zölle. Foto: REUTERS

Peking. Innerhalb weniger Tage ist die Stimmung in China fundamental umgeschlagen. Noch Ende März freuten sich die Staatsführung und viele Ökonomen über den überraschenden Erfolg des KI-Start-ups Deepseek. Der danach benannte Deepseek-Effekt sorgte für Optimismus bei Investoren, Unternehmern und Verbrauchern.

Doch so überraschend die Euphorie durch Deepseek auch war – wohlgemerkt auch dank staatlicher Unterstützung –, so schnell verpuffte sie angesichts der Eskalation des Zollstreits mit den USA. Investoren sichern ihre Gewinne, Unternehmen stoppen ihre Exporte, und die Verbraucher dürften vorsichtiger werden. Die erhoffte Erholung der chinesischen Wirtschaft erstickt damit im Keim, bevor sie richtig begonnen hat.

Denn die US-Zölle treffen nicht nur die wichtigste Konjunkturstütze der chinesischen Volkswirtschaft, die Exporte. Sie gefährden auch die dringend benötigte Stärkung des chinesischen Binnenkonsums. Je größer die Unsicherheit, desto eher zögern Haushalte und Unternehmen mit Investitionen. Die Überkapazitäten und der Deflationsdruck dürften dadurch weiter steigen.

Zwei Optionen könnten jetzt helfen

Bisher unterstützt Chinas Staatsführung die Wirtschaft hauptsächlich, indem sie die Produzenten stärkt, etwa durch günstige Kredite und Subventionen für ausgewählte Branchen. Doch durch die wachsenden Handelsbarrieren in den USA und anderen Ländern fehlen die Käufer für Produkte „made in China“.

Die Staatsführung muss umsteuern. Entweder ein umfangreiches Konjunkturpaket oder echte Reformen könnten nun helfen. Beides ist teuer.

Ein Konjunkturprogramm könnte kurzfristig für Nachfrage sorgen, birgt jedoch das Risiko von Fehlinvestitionen. China leidet noch immer unter den Spätfolgen des großen, schuldenfinanzierten Infrastrukturprogramms, das die Staatsführung 2008 zur Abfederung der Finanzkrise auflegte. Es zeigte kurzfristig Wirkung, half China aus der Krise und trug dazu bei, auch westliche Volkswirtschaften zu stabilisieren.

Mehr Kontrolle oder mehr Wachstum

Die aktuelle Immobilienkrise ist eine späte Folge der damaligen staatlichen Unterstützung. Durch übermäßige Bautätigkeit und hohe Verschuldung ist Chinas Wirtschaft über Jahre hinweg zu schnell gewachsen.

Staats- und Parteichef Xi Jinping hat eine Abkehr von diesem „fiktiven“ Wachstum forciert – auch wenn dies schmerzhaft ist. Die große Frage lautet nun, ob er seinen Kurs angesichts des wachsenden Drucks durch den Zollstreit beibehält.

In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien. Foto: Klawe Rzeczy

Echte Reformen sind ebenfalls teuer – zudem ist unsicher, wie und wann sie wachstumsfördernd wirken. Viele der notwendigen Maßnahmen hat die Staatsführung auf dem dritten Plenum im vergangenen Juli bereits vorgestellt.

Sie zielen etwa darauf ab, die soziale Sicherung zu verbessern oder Wanderarbeitern mehr Rechte zu geben. Beides könnte den Konsum steigern. Mehr Freiheiten für private Unternehmen aus dem In- und Ausland könnten die Investitionen erhöhen.

Doch beides würde die Kontrolle der Staatsführung verringern. Sie kann zwar vorgeben, wem die Staatsbanken günstige Kredite gewähren sollen. Sie kann jedoch chinesischen Verbrauchern nicht vorschreiben, wofür sie ihr Erspartes ausgeben sollen.

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Fraglich ist, ob der Druck bereits ausreicht, damit die kontrollfixierte Führung dazu bereit ist. Der Konfrontationskurs der USA dürfte Staatschef Xi Jinping vielmehr darin bestärken, noch stärker auf „nationale Sicherheit“ zu setzen.

Erstpublikation: 10.04.2025, 11:58 Uhr.

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