Konjunktur: Deutsche Wirtschaft wächst im ersten Quartal leicht
Wiesbaden. Die deutsche Wirtschaft ist mit einem leichten Wachstum ins Jahr gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Januar bis März um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch zu seiner ersten Schätzung mitteilte.
Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten ein entsprechendes Wachstum erwartet. Im vierten und damit letzten Quartal des vergangenen Jahres war das deutsche BIP noch um 0,2 Prozent zurückgegangen. Mit dem geschätzten Wachstum hat die deutsche Wirtschaft eine technische Rezession vermieden. Diese tritt ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft.
Für den positiven Jahresauftakt sorgten „sowohl die privaten Konsumausgaben als auch die Investitionen“, teilten die Statistiker mit. Beide seien höher gewesen als im Vorquartal. Die Kreditkosten von Unternehmen sind wegen der sinkenden Leitzinsen der Europäischen Zentralbank gefallen, was bei größeren Investitionen hilft.
Im Gesamtjahr jedoch droht die dritte Rezession in Folge, und das auch, weil sich mit der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump die Konjunkturaussichten weltweit eingetrübt haben. Drei Jahre ohne Wachstum gab es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie.
Die noch geschäftsführende Bundesregierung erwartet etwa, dass das BIP in diesem Jahr stagniert. Im Januar war sie noch von einem geringen Wachstum von 0,3 Prozent ausgegangen. Auch der Internationale Währungsfonds hat in der vergangenen Woche seine Prognose für die deutsche Wirtschaft korrigiert und sagt ebenfalls eine Stagnation voraus.
Ausblick laut Experten schwächer
Der Konjunkturchef des Ifo-Instituts Timo Wollmershäuser zweifelt ebenfalls daran, dass das Wachstum der deutschen Wirtschaft nachhaltig bleiben wird. „Das Ifo-Institut befürchtet, dass die deutsche Wirtschaft schon im Sommer wieder schrumpft. Die verschärfte US-Zollpolitik hat zu vorgezogenen Warenkäufen in den USA geführt“, sagte er. Davon hätten die Exporte und die Industrie in Deutschland zwar profitiert. Aber die höheren Zölle auf Importe aus der Europäischen Union werden ihm zufolge die deutsche Konjunktur belasten.
In ihrem aktuellen Monatsbericht warnt die Bundesbank davor, dass die Konjunktur wegen dem von Trump ausgelösten Handelskonflikts bereits im jetzigen Frühjahrsquartal einen Dämpfer erleiden könne. Zudem bleibe die konjunkturelle Grundtendenz insgesamt schwach. „Insgesamt bleibt der kurzfristige Ausblick für das Exportgeschäft und die Industrie angesichts der Zollpolitik der US-Regierung trüb“, analysierte die Bundesbank.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sagte, im besten Fall gebe es 2025 eine Stagnation. Er könne aber „nicht ausschließen, dass wir möglicherweise auch ein leichtes negatives Vorzeichen bekommen, also eine leichte Rezession“.
Wie unsicher der Ausblick ist, zeigt auch das Konjunkturbarometer des DIW-Instituts. Das Barometer ist im April auf den niedrigsten Wert seit mehr als zwei Jahren gefallen, nachdem es zuvor noch vier Mal in Folge angestiegen war. as Barometer fiel um fast acht Punkte auf 82,9 Zähler und entfernte sich wieder klar von der neutralen 100-Punkte-Marke. „Die wirtschaftliche Lage in Deutschland dürfte angespannt bleiben, insbesondere wegen der handelspolitischen Entwicklungen und der damit verbundenen Unwägbarkeiten“, sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik.
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Auch am Arbeitsmarkt macht sich die schwächelnde Konjunktur bemerkbar. Die Zahl der Arbeitslosen ist im April zwar leicht gefallen, dennoch sind noch mehr Menschen als arbeitslos gemeldet als im April des vergangenen Jahres. „Die Frühjahrsbelebung fällt auch im April vergleichsweise schwach aus. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gehen zwar zurück; saisonbereinigt ändern sie sich aber nur wenig“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, in Nürnberg.
Andere große Euro-Länder sind ebenfalls mit einem Wachstum ins Jahr gestartet. Frankreich schaffte ein Plus von 0,1 Prozent im ersten Vierteljahr. Die spanische Wirtschaft expandierte sogar um 0,6 Prozent.