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FlatexdegiroVorstand und Aufsichtsrat für Nichtentlastung des Ex-Chefs

Wichtige Aktionsberater sind irritiert über die ungewöhnliche Empfehlung. Vor Kurzem hatte der Vorstand seinen ehemaligen Vorsitzenden Frank Niehage noch klar gewürdigt.Dennis Schwarz 30.05.2025 - 12:01 Uhr Artikel anhören
Frank Niehage: Auf der Hauptversammlung müssen die Aktionäre am Montag entscheiden, ob sie den Ex-Chef des Unternehmens entlasten. Foto: dpa

Frankfurt. Es ist ein einmaliger Vorgang in der deutschen Bankengeschichte der vergangenen Jahrzehnte: Der Flatexdegiro-Vorstand und -Aufsichtsrat haben für die am kommenden Montag stattfindende Hauptversammlung die Nichtentlastung ihres ehemaligen Vorstandschefs Frank Niehage vorgeschlagen. Das geht aus den Tagesordnungspunkten des Aktionärstreffens hervor.

Darin heißt es konkret: „Herrn Frank Niehage (Mitglied des Vorstands und Vorsitzender bis zum 30. April 2024) wird für dessen Tätigkeit im Geschäftsjahr 2024 keine Entlastung erteilt.“ Niehage führte Flatexdegiro fast zehn Jahre. 2014 war er von der US-Investmentbank Goldman Sachs zu dem Frankfurter Broker gekommen. Unter seiner Führung kaufte Flatex den niederländischen Konkurrenten Degiro.

Die Aktionäre gewähren Vorstand und Aufsichtsrat die jährliche Entlastung, wenn sie mit dem Management und der Politik des Unternehmens im Laufe des Jahres zufrieden waren. Eine Nichtentlastung ist dementsprechend ein Misstrauensvotum.

Allerdings kam es in den vergangenen Jahren nicht vor, dass der Vorstand und Aufsichtsrat eines Unternehmens für einen ehemaligen Vorstandschef die Nichtentlastung auf die Tagesordnung gesetzt haben.

Das Unternehmen hat keine Gründe für die Nichtentlastung des ehemaligen Vorstandsmitglieds Frank Niehage genannt.
Aktionärsberater ISS

Die Entscheidung sorgt für Irritationen bei den wichtigen Aktionärsberatern ISS und Glass Lewis. So rät Glass Lewis zu einer Enthaltung bei dem Abstimmungspunkt, ISS empfiehlt gar, gegen die Nichtentlastung zu stimmen.

„Das Unternehmen hat keine Gründe für die Nichtentlastung des ehemaligen Vorstandsmitglieds Frank Niehage genannt“, heißt es in der Empfehlung des Stimmrechtsberaters ISS, die dem Handelsblatt vorliegt. Es scheine keine Beweise dafür zu geben, dass er seine treuhänderische Pflicht nicht erfüllt habe, heißt es weiter.

Laut Glass Lewis seien den Aktionären ebenfalls keine ausreichenden Informationen zur Verfügung gestellt worden, um beurteilen zu können, ob die Nichtentlastung von Frank Niehage in ihrem besten Interesse sei, wie der Stimmrechtsberater in seiner Empfehlung schreibt, die dem Handelsblatt vorliegt.

Dabei hatte der Aufsichtsrat die Leistung von Niehage im Geschäftsbericht für das Jahr 2024 noch ausdrücklich gewürdigt. In dem Dokument vom 20. März heißt es unter anderem: Der Aufsichtsrat „möchte seinen besonderen Dank und seine Anerkennung den Mitgliedern des Vorstands, insbesondere dem ausgeschiedenen Vorstandsvorsitzenden Herrn Frank Niehage, aussprechen“. Dieser habe im vergangenen Jahr mit großem persönlichem Einsatz in nach wie vor schwierigen Zeiten zur positiven Entwicklung des Unternehmens beigetragen.

Logo von Flatexdegiro: Nach einem Streit mit dem größten Einzelaktionär war Niehage im vergangenen Jahr zurückgetreten. Foto: IMAGO/imagebroker

Niehage reagierte auf Handelsblatt-Anfrage überrascht über den Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat zu seiner Nicht-Entlastung und verwies auf die Aussagen über ihn im Geschäftsbericht. Flatexdegiro wollte sich nicht weiter äußern.

Niehage war Ende April des vergangenen Jahres nach einem öffentlichen Streit mit dem größten Einzelaktionär Bernd Förtsch, der auf der letztjährigen Hauptversammlung in den Aufsichtsrat einzog, von seinem Amt zurückgetreten. Förtsch, der knapp 20 Prozent aller Aktien hält, hatte zuvor die „operative, strategische und auch aufsichtsratstechnische“ Entwicklung des Unternehmens bemängelt.

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Zu seinen Kritikpunkten zählen die schwache Entwicklung des Börsenkurses in den vergangenen Jahren sowie der Mangel an Initiativen, um das Kerngeschäft des Brokers voranzubringen. Nachdem sich Niehage erst noch gegen die Kritik gewehrt hatte, trat er doch zurück.

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Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Aufsichtsratschef Martin Korbmacher, der ebenfalls in einen Streit mit Großaktionär Förtsch verwickelt war, am 27. März dieses Jahres von seinem Posten zurücktrat. Die Amtszeit von Korbmacher wäre zur Hauptversammlung am Montag ausgelaufen. Möglicherweise hat Niehage damit seinen letzten Fürsprecher im Unternehmen verloren.

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