Hitzewelle: Neue Verordnung – Wie Frankreich Arbeiter schützen will
Paris. Unternehmen in Frankreich müssen bei hohen Temperaturen konkrete Schutzmaßnahmen für ihre Beschäftigten umsetzen. Eine entsprechende Verordnung gilt seit dem 1. Juli und sieht unterschiedliche Regeln vor, je nach Temperaturen.
Arbeitsministerin Catherine Vautrin bezeichnete es als „absolut notwendig“, dass Firmen sich sofort an die neue Verordnung halten. In vielen französischen Regionen werden in dieser Woche Temperaturen um die 40-Grad-Marke erwartet. „Mittags, wenn es 40 Grad auf dem Dach ist, ist es für Unternehmen nicht mehr möglich, ihre Mitarbeiter arbeiten zu lassen“, betonte Vautrin.
Die Arbeitsministerin kündigte zugleich verschärfte Kontrollen an. Gewerkschaften sollen dabei unterstützen. Unternehmen, die gegen die Verordnung verstoßen, drohen hohe Strafen.
Diese Regeln gelten für Unternehmen, wenn die Temperaturen hoch sind
Die Temperaturen werden seit Dienstag vom Wetteramt Météo-France in Gelb, Orange und Rot eingeteilt. Wenn das Risiko für die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter bei großer Hitze zu hoch ist, müssen sie ihren Arbeitsablauf je nach Stufe anpassen.
Das bedeutet etwa: In der Mittagshitze dürfen Arbeiter nicht mehr draußen arbeiten. Die Arbeit muss auf die Stunden verschoben werden, in denen es weniger heiß ist. Mehr Pausen sind notwendig, und die Arbeitszeit soll verringert werden, abhängig vom Ausmaß der Hitze.
Arbeitsplätze drinnen müssen vor Sonneneinstrahlung und Hitze durch hitzeabweisende Rollos oder Klimaanlagen geschützt werden. Mitarbeitern muss frisches Wasser zur Verfügung gestellt werden, mindestens drei Liter pro Tag und Person. Ein Recht, im Homeoffice zu arbeiten, ist nicht vorgesehen.
Unternehmen müssen zudem geeignete Arbeitskleidung anbieten. Auch leichtere und weniger formelle Kleidung ist am Arbeitsplatz erlaubt, wenngleich Firmen für Geschäftsleute mit Kundenkontakt weiterhin bestimmte Dresscodes verpflichtend machen können.
Viele Unternehmen haben diese Maßnahmen schon eingeführt. Doch gerade in Branchen wie dem Baugewerbe oder der Landwirtschaft halten sich Firmen nicht an die Regeln. Die Regierung will daher verstärkt auf deren Einhaltung achten und könnte Arbeiten auf Baustellen einstellen lassen.
Strafen drohen je nach Schwere des Vergehens. Unternehmen können zu einer Zahlung von bis zu 10.000 Euro pro betroffenen Mitarbeiter verurteilt werden. Bis zu 30.000 Euro Strafe und ein Jahr Gefängnis drohen Verantwortlichen, wenn sich die Vergehen wiederholen.
Heftigere und häufigere Hitzewellen durch den Klimawandel
Die französische Regierung reagiert damit auf die Auswirkungen des Klimawandels. Hitzewellen treten häufiger und heftiger auf. 2024 wurden mehrere tödliche Unfälle gezählt, die mutmaßlich mit der Hitze zusammenhingen, heißt es vom Gesundheitsamt Santé publique France. Die sechs Opfer waren Männer im Alter von 39 bis 71 Jahren.
Frankreich erlebt wie viele Länder in Europa gerade eine Hitzewelle. Öffentliche Verkehrsmittel und auch Schulen sind vielerorts nicht klimatisiert. Für Schülerinnen und Schüler gibt es hitzefrei.
Auch das Mittelmeer erwärmt sich durch den Klimawandel. Die Wassertemperatur lag am Sonntag bei 26 Grad und liegt damit drei Grad höher als zwischen 1991 und 2020 um diese Zeit. „Wir haben noch nie im Juni eine so hohe Temperatur gemessen“, sagte Thibault Guinaldo, Forscher beim Wetter-Forschungsamt Centre d’etudes en météorologie satellitaire (CEMS), gegenüber dem „Figaro“. Im Juli und August dürfte das Mittelmeer noch heißer werden.