Friedrich Merz: So der Kanzler sich auf Instagram neu erfindet
Frankfurt. Im Auswärtigen Amt bleibt nicht mal mehr das abhörsichere Telefon geheim. Wir sind im Dienstsitz des Außenministers der Bundesrepublik, Johann Wadephul zeigt gerade sein Büro. Dort der Schreibtisch, hier die Sitzecke – und da das rote Telefon. „Besonders geschützte Leitung“, sagt Wadephul. Sehr selten benutze er das für abhörsichere Gespräche, etwa mit dem US-Außenminister.
Wir sind hier nicht zu zweit, wir sind auf Instagram. In acht kurzen Clips gibt Wadephul auf dem Account des Außenministers nahbare Einblicke. Sitzt im Fond seiner gepanzerten S-Klasse Guard und beantwortet Fragen. „Geheimnisse aus dem Ministerauto“ steht als Caption über einem Video, oder „Außenminister Rückbank Talk“.
Wadephul gibt Roomtours. Bauministerin Verena Hubertz zeigt ihren Joballtag als Follow-me-around und Wochen-Recap. Und selbst der Bundeskanzler, den man in einer ZDF-Doku aus der Wahlkampfzeit noch gleichgültig bis genervt Social-Videos einsprechen sehen kann, wirkt plötzlich unglaublich nahbar in schnell geschnittenen Videos in TikTok-Optik.
Nun ahnte man schon, seitdem man Markus Söder via Instagram nahezu rund um die Uhr bei der Nahrungsaufnahme beobachten kann, dass auch die bürgerliche Politik die sozialen Netzwerke nicht mehr den politischen Rändern überlassen will. Aber so deutlich sichtbar wie in den vergangenen Wochen hat selten eine Bundesregierung ihre Medienpräsenz dem Zeitgeist angepasst.
Was passiert da gerade? Welche Strategie steckt hinter dieser Inszenierung? Und wie verändert das die Art und Weise, wie Politik gemacht wird?