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IndustrieStahlherstellung geht deutlich zurück

Die Krise der deutschen Stahlindustrie verschärft sich mit Blick auf die Produktionsmengen weiter. Die Branche verlangt einen Stahl-Gipfel mit dem Kanzler. 18.07.2025 - 09:51 Uhr aktualisiert Artikel anhören
ArcelorMittal-Stahlwerk in Bremen: Die Herstellung in Deutschland ist so gering wie zuletzt 2009, meldet der Branchenverband. Foto: Sina Schuldt/dpa

Berlin. Wegen harter Konkurrenz aus dem Ausland und der Konjunkturschwäche stellt Deutschlands Stahlbranche deutlich weniger Stahl her. Die Rohstahlproduktion im Inland sei im ersten halben Jahr um knapp 12 Prozent auf 17,1 Millionen Tonnen gesunken, teilte die Wirtschaftsvereinigung Stahl in Berlin mit.

Der Blick auf die Vorjahre verdeutlicht, dass der Rückgang überaus kräftig ist: Im ersten Halbjahr 2023 war die Rohstahlproduktion in Deutschland um 5 Prozent gesunken und im ersten Halbjahr 2024 um 4,5 Prozent gestiegen. Nun sankt die Herstellung deutlich stärker.

„Der Produktionseinbruch in unserer Branche zeigt, wie dramatisch es um den Industriestandort Deutschland steht“, sagt die Hauptgeschäftsführerin der Vereinigung, Kerstin Maria Rippel. Die Rohstahlproduktion liege auf dem Niveau der Finanzmarktkrise im Jahr 2009. Die Stahlunternehmen litten besonders unter der schwachen Inlandsnachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen wie Bau, Maschinenbau und Automobilindustrie.

Große Stahlhersteller wie Thyssenkrupp und Salzgitter bekommen dies zu spüren. Bei Thyssenkrupp Steel läuft ein massiver Stellenabbau, Salzgitter musste seine Jahresprognose für Umsatz und Gewinn nach unten anpassen.

„Was wir jetzt brauchen, ist ein Stahlgipfel als Spitzentreffen auf höchster politischer Ebene mit unserer Branche“, sagt Rippel. Entscheidend sei dabei, dass sich die Beteiligten um die zeitnahe und verlässliche Umsetzung der bekannten Maßnahmen kümmerten, etwa um einen wirksamen europäischen Handelsschutz und wettbewerbsfähige Strompreise. Vor allem die hohen Energiepreise belasteten die Wettbewerbsfähigkeit weiterhin stark.

Branche verlangt geringere Kosten

Politisch muss jetzt alles daran gesetzt werden, für energieintensive Industrien wie die Stahlindustrie einen international wettbewerbsfähigen und langfristig verlässlichen Strompreis zu sichern“, sagte die Stahlverbandschefin. „Ein erster, dringend nötiger Schritt ist dabei die schnelle Senkung der Übertragungsnetzentgelte.“

Deutschlands Stahlbranche ist schon seit längerer Zeit unter Druck, so kämpft etwa der größte heimische Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel Europa (TKME) mit roten Zahlen und setzt dabei auf Stellenabbau. Das Unternehmen hatte zum Jahreswechsel noch 27.000 Beschäftigte, 2030 sollen es nur noch 16.000 sein – dies durch die Verringerung der Produktionskapazitäten und die Streichung von Stellen, aber auch durch die Auslagerung oder den Verkauf von Unternehmensteilen.

Gehaltskürzung

Thyssen-Krupp-Stahlarbeiter sollen acht Prozent weniger bekommen

Kürzlich einigte sich das Management nach harten Verhandlungen mit der Gewerkschaft IG Metall auf einen harten Sparplan, der das Einkommen eines Beschäftigten um durchschnittlich acht Prozent senken wird.

Salzgitter-Aktie fällt nach Prognosesenkung

Der Stahlkonzern Salzgitter hat nach einem schwachen zweiten Quartal die Prognosen für das Gesamtjahr gesenkt. Auch in der zweiten Jahreshälfte sei noch keine spürbare Markterholung zu erwarten, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Die Aktie fiel in der Folge um mehr als 15 Prozent.

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Im laufenden Jahr dürfte der Umsatz vor diesem Hintergrund nicht bei 9,5 bis 10 Milliarden Euro liegen, sondern nur bei 9,0 bis 9,5 Milliarden. Auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte mit 300 bis 400 Millionen Euro die bisherige Prognose von 350 bis 550 Millionen eher unterschreiten. 

Im zweiten Quartal ging der Außenumsatz um fast 12 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zurück. Das Ebitda sackte noch stärker von 107,3 auf 38,2 Millionen Euro ab. Bereits im ersten Quartal hatten ein schwaches konjunkturelles Umfeld und eine sinkende Stahlnachfrage auf die Ergebnisse des Konzerns gedrückt.

dpa
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