Anleihen: „Europa ist das Epizentrum für Krisen-Investments“
Frankfurt. Um zu verstehen, wie stark die Stimmung in der Automobilbranche umgeschlagen ist, reicht ein Blick auf die Anleihen. Auf dem Höhepunkt der Niedrigzinsphase konnte sich beispielsweise der Zulieferer Mahle problemlos 750 Millionen Euro für eine Laufzeit von sieben Jahren leihen und musste dafür nur knapp 2,4 Prozent Zinsen zahlen. Mitte Juli musste Mahle für eine Anleihe mit gleicher Laufzeit mehr als sieben Prozent Zinsen bieten, um Investoren anzulocken.
Noch härter trifft es die Zulieferer aus der zweiten Reihe: Adler Pelzer aus Hagen, ein Spezialist für Fahrzeugakustikkomponenten, konnte sich 2017 für sieben Jahre zu einem Zinssatz von etwas mehr als vier Prozent finanzieren. Die 2024 ausgelaufene Anleihe löste das Unternehmen mit einem Papier mit nur drei Jahren Laufzeit ab – mit einem Kuponzins von 9,5 Prozent.
Die gestiegenen Finanzierungskosten bedeuten für die Unternehmen deutlich höhere Ausgaben für den Schuldendienst. Die Zinswende 2022 und 2023 hat den Druck auf viele hoch verschuldete Industrieunternehmen in Europa erhöht – und immer mehr Firmen halten ihm nicht stand. Die Folge: Eine wachsende Zahl von Unternehmen verhandelt mit Gläubigern über eine Sanierung oder Umschuldung.
Das lockt spezialisierte Hedgefonds an, die Anleihen zu hohen Abschlägen auf den Nominalwert kaufen und versuchen, die Sanierung so zu beeinflussen, dass sie mit Gewinn aus dem Investment wieder aussteigen können. Fondsmanager Adam Phillips verantwortet solche sogenannten Strategien für Sondersituationen bei RBC Bluebay Asset Management. Phillips sieht derzeit besonders in Europa viele Anlagemöglichkeiten: „Europa ist das Epizentrum für Krisen-Investments weltweit.“