Chiphersteller: Die Aktienkurse von TSMC und Samsung legen dank US-Chipzöllen zu
Tokio. Bisher stürzten die Aktienkurse von Unternehmen meist ab, deren Branchen von neuen US-Zöllen betroffen waren. Die Zölle auf Chipimporte bilden eine Ausnahme. Nachdem US-Präsident Donald Trump eine Abgabe von 100 Prozent angekündigt hatte, stiegen die Aktienkurse der asiatischen Chipriesen TSMC aus Taiwan und Samsung Electronics aus Südkorea.
Der Aktienkurs des weltgrößten Auftragsherstellers TSMC kletterte an der Börse Taiwan am Donnerstag um knapp fünf Prozent. Samsungs Aktienkurs legte an der südkoreanischen Börse um gut zwei Prozent zu.
Grund für diese positive Reaktion der Aktien ist eine mögliche Ausnahme, die US-Präsident Trump in diesem Fall in seine Zollpolitik eingebaut haben könnte. Bei der Ankündigung der neuen Abgabe sagte Trump nicht nur, dass Chips, die in den USA hergestellt würden, von Zöllen ausgenommen seien. In einem nachgeschobenen Kommentar deutete er zudem an, dass dies auch für Chips von Unternehmen gelte, die ihre Produktion in den USA massiv ausbauen wollten.
Die gute Nachricht für Unternehmen wie Apple ist, dass keine Gebühren erhoben werden, wenn sie sich dazu verpflichten, in den USA zu produzieren, sagte Trump im Oval Office. Apple will 100 Milliarden Dollar in den Bau von Fabriken in seiner Heimat stecken. Die asiatischen Lieferanten des iPhone-Herstellers haben jedoch teilweise noch größere Pläne.
Trump: TSMC wolle 300 Milliarden Dollar in den USA investieren
TSMC hat seine geplanten Investitionen bereits auf 165 Milliarden Dollar aufgestockt und könnte nach Trumps Vorstellung noch mehr investieren. In einem Interview mit der Finanz-Talkshow „Squawk Box“ von CNBC sprach er davon, dass TSMC 300 Milliarden Dollar in Arizona investieren wolle.
Ob diese Summe zutrifft, ist unbekannt. Als gesichert gilt jedoch, dass sich TSMC nach anfänglichem Zögern entschieden hat, auch seine neuesten Produktionstechnologien in die USA zu transferieren und den Ausbau des Standorts zu beschleunigen. Mit neuen Produktionskapazitäten für 2-Nanometer- und noch fortschrittlichere Prozessoren könnten die USA etwa 30 Prozent der Gesamtkapazität von TSMC ausmachen.
Offenbar spielen neben den Zöllen auch Skaleneffekte eine Rolle bei dieser Entscheidung. Die taiwanische Zeitung „Liberty Times“ kommentiert, dass TSMC damit eine Kernidee des Gründers Morris Chang kopiere. Diese lautet: Nur durch Massenproduktion sei es möglich, in den USA unter den dortigen hohen Kosten nicht nur keine Verluste zu machen, sondern sogar schneller Gewinne zu erzielen.
Samsung gewinnt in den USA neue Kunden
Auch Südkoreas Speicherchipkonzern Samsung setzt auf die USA als zweites Standbein. Das gilt besonders für Samsungs Strategie, TSMC in der Auftragsfertigung von Chips harte Konkurrenz zu machen. So plant Samsung beispielsweise, seinen Standort im texanischen Taylor um eine Fabrik zu erweitern.
Dadurch und durch Preissteigerungen dürften die Investitionen von bisher bekannten 17 Milliarden auf 25 Milliarden Dollar steigen, berichtete die südkoreanische Zeitung „Joongang Ilbo“ Ende Juli. Dieses Aufstocken gehört zum Plan des Konzerns, über die kommenden Jahre 200 Milliarden Dollar in den USA zu investieren, um US-Kunden noch stärker vor Ort beliefern zu können.
Und das scheint immer besser zu gelingen: Ende Juli teilte Tesla-Chef Elon Musk mit, dass Samsung einen neuen Tesla-Chip produzieren werde. Das Auftragsvolumen gab er mit 16,5 Milliarden Dollar an. Am Donnerstag trug Apple zudem mit einer eigenen Nachricht zum Anstieg der Samsung-Aktie bei.
Nach Aussage des iPhone-Herstellers werden die Südkoreaner in den USA „eine innovative neue Technologie zur Herstellung von Chips auf den Markt bringen, die weltweit noch nie zuvor eingesetzt wurde“. Die Grundlage der Chips ist ein Apple-Design. Experten gehen davon aus, dass es sich um Bildsensoren für iPhone-Kameras handelt.
Aktien anderer asiatischer Chiphersteller, die in den USA kaum präsent sind, verloren hingegen an Wert. So verlor Japans Chiphersteller Renesas im Tagesverlauf knapp vier Prozent. Der Aktienkurs von TSMCs Lokalrivalen UMC sank um rund ein Prozent.