Asienreise: Außenminister Wadephul lobt Japan und kritisiert China
Tokio, Berlin. „Ich bin ein großer Japan-Fan“, sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul bei seiner ersten Asienreise am Montag. Sie führt ihn zunächst nach Japan und am Dienstag nach Indonesien. Japan hat er aber nicht aus persönlichen Gründen als erste Station besucht, sondern wegen der Asienstrategie der deutschen Regierung.
Japan sei für Deutschland ein „Premium-Partner“, so Wadephul. Japans Außenminister Takeshi Iwaya sieht das ähnlich. Angesichts der globalen Herausforderungen sei es von „entscheidender Bedeutung“, dass beide Länder eng zusammenarbeiteten, sagte er.
Wadephul wurde auch von Japans Regierungschef Shigeru Ishiba empfangen. Beide Seiten vereinbarten, ihre strategische Partnerschaft deutlich auszubauen. Das Spektrum der Zusammenarbeit reicht dabei von der Abstimmung in geopolitischen Konflikten wie dem Ukraine-Krieg über gemeinsame Initiativen in der Cybersicherheit und im Rüstungsbereich bis hin zu einer vertieften wirtschaftlichen Kooperation.
Wadephul hob dabei besonders Fragen der Sicherheit sowie robuste Lieferketten hervor. Da sei Japan „wahrlich ein globaler Vorreiter“, sagte Wadephul. Das Land habe die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen aus China seit 2018 von 90 auf 60 Prozent gesenkt. „Und auch deshalb bin ich hier: um von Japan zu lernen.“
Mit Japan gegen China
Wadephul unterstrich damit die strategische Wende in der deutschen Asienpolitik, die Ende 2021 mit dem Amtsantritt der Ampelkoalition in Berlin begann. Zuvor war Deutschland in Asien vor allem auf die Beziehung zu China fokussiert. Die Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz definierte jedoch Japan als sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen strategischen Partner in Asien – und China zunehmend als Antagonisten.
Die neue Regierung führt diese Strategie weiter. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird im Herbst zunächst nach Indien fahren und dann erst nach China. Denn die Beziehungen zwischen Peking und Berlin hatten sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt.
Russlands Angriff auf die Ukraine hat diese Wende in der Asienpolitik nun deutlich verstärkt, machte Wadephul mit einer ungewöhnlich deutlichen Kritik an Deutschlands größtem asiatischen Handelspartner China deutlich.
Freiheit, Sicherheit und Wohlstand in Europa und im Pazifik seien eng miteinander verwoben. „Ganz deutlich wird das bei Chinas Unterstützung für die russische Kriegsmaschinerie“, sagte Wadephul. „Ohne sie wäre der Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht möglich.“
Japan hingegen hat die Ukraine in enger Absprache mit den Nato-Ländern unterstützt. Zwölf Milliarden Euro Hilfe habe Japan zur Verfügung gestellt, lobte Wadephul. „Für Japans anhaltende Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Putins Aggressionskrieg bin ich sehr dankbar“, sagte Wadephul vor seinem Abflug in Berlin. Im Gegenzug will Deutschland Japan im Umgang mit den Herausforderungen im Verhältnis zu China künftig stärker unterstützen.
In Tokio tat er das zunächst verbal. So kritisierte er ausdrücklich Chinas Ansprüche auf Taiwan und das Südchinesische Meer. „Die angespannte Lage dort macht uns gemeinsam Sorgen“, sagte Wadephul.
„China droht immer wieder mehr oder weniger unverhohlen damit, den Status quo einseitig zu verändern und Grenzen zu seinen Gunsten zu verschieben.“ Jede Eskalation an diesem sensiblen Knotenpunkt des internationalen Handels würde schwerwiegende Folgen für die globale Sicherheit in Deutschland haben.
Deutschland sei jederzeit offen für Partnerschaft – ebenso wie für fairen Wettbewerb. „Aber wenn China sich zur systemischen Rivalität entscheidet, dann werden wir darauf antworten“, sagte Wadephul. „Da werden wir uns zu schützen wissen.“
Schon vor Antritt seiner Reise hatte Wadephul China für das „zunehmend aggressive Auftreten in der Straße von Taiwan und im Ost- und Südchinesischen Meer“ kritisiert. Angesprochen auf Wadephuls Äußerungen warnte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums in Peking am Montag davor, „zur Konfrontation anzustacheln und Spannungen anzuheizen“.
Mögliche Zusammenarbeit in der Rüstung
Die Regierungen Deutschlands und Japans hingegen wollen sich enger absprechen, zum Beispiel durch neue Treffen der Außen- und Verteidigungsminister beider Länder. Wadephul betonte zudem eine mögliche Zusammenarbeit in der Rüstung, „wo unsere Unternehmen gemeinsam zur Weltspitze gehören und wo wir viele weitere Synergieeffekte erzielen können“.
Nach langer Wartezeit gibt es ein erstes Hoffnungszeichen. Auf der Rüstungsmesse DSEI Japan schlossen dem Vernehmen nach der deutsche Raketenhersteller Taurus Systems und ein japanischer Konzern eine Absichtserklärung für eine Entwicklungskooperation ab. Damit mehr Projekte folgen, planen beide Seiten eine deutsch-japanische Sicherheitskonferenz.
Außerdem geht es um die Sicherheit der Lieferketten. Die jüngsten chinesischen Exportkontrollen bei seltenen Erden, das sind wichtige Rohstoffe für die Hightech-Industrie, hätten gezeigt, wie wichtig es sei, „gerade unsere Resilienz bei kritischen Rohstoffen zu stärken“, sagte Wadephul.
Ausweitung der Produktion oftmals geplant
Die deutsche Wirtschaft unterstützt die Entwicklung. „Japans Wirtschaft ist für die deutsche Indo-Pazifik-Strategie ein zentraler Partner“, sagt Marcus Schürmann, Chef der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Tokio, „technologisch stark, regelbasiert und strategisch unverzichtbar für stabiles und nachhaltiges Wachstum.“
Die erste, bisher unveröffentlichte Umfrage der AHK Japan über das Fabriknetz deutscher Unternehmen in Japan zeigte laut Schürmann, dass das Interesse der deutschen Wirtschaft an Japan kontinuierlich steigt.
Von den rund 730 deutschen Unternehmen, die in Japan tätig sind, betreiben nur 69 eine eigene Fabrik dort. Aber 57 Prozent dieser Unternehmen erweiterten ihre Produktion oder wollten es tun, heißt es in einer Studie, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.
Ein wichtiges Motiv dafür sei für viele, die Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. 35 Prozent der Firmen gaben an, dass dieser Punkt ein Faktor für ihre Entscheidung sei. Über ihre Niederlassungen in Japan managen viele Unternehmen nicht nur den Verkauf von Maschinen und Bauteilen aus Deutschland und anderen Standorten an japanische Unternehmen in Übersee. Das Gleiche gilt für die Fabriken der deutschen Unternehmen in Japan.
71 Prozent der Unternehmen belieferten nicht nur Japan, sondern in dieser Reihenfolge auch Südostasien, China, die USA, Südkorea, Europa und Afrika. Dabei sind die Lohnstückkosten bei 95 Prozent der Firmen niedriger als in Deutschland, bei 47 Prozent sogar um mehr als 30 Prozent.