Google Pixel: Wie Google seine neuen KI-Phones auf das nächste Level hebt
New York. Den Wettkampf mit dem großen Smartphone-Konkurrenten im Silicon Valley scheut Adrienne Lofton nicht. Die Managerin verantwortet das Produktmarketing beim Tech-Konzern Google, der an diesem Mittwoch in New York in einer großen Show mit zahlreichen Prominenten die nächste Pixel-Gerätereihe vorgestellt hat.
Eine neue Magnetfunktion der Smartphones, Pixel Snap, funktioniere auch mit den Produkten von Apple, kündigte Lofton überraschend an. Den Moderator des Events, Entertainer Jimmy Fallon, brachte der Hinweis sichtlich aus dem Konzept. „Du hast das A-Wort gesagt“, sagte der Comedian. Lofton entgegnete: „Wir können hier auf der Bühne jeden Namen sagen, den wir wollen.“
Das Selbstbewusstsein von Google schöpft sich vor allem aus den Fortschritten bei der Künstlichen Intelligenz. Die neue Smartphone-Reihe Pixel 10 setzt etwa auf Funktionen wie Echtzeit-Übersetzungen bei Anrufen oder einen Hilfsassistenten für Fotos.
Google legt vor, Apple zieht nach
Die KI-Offensive ist vor allem ein Angriff auf Apple. Schließlich schafft Google mit seinen neuen KI-Funktionen und Geräten nicht nur ein zunehmend integriertes Ökosystem. Dem Konzern aus Mountain View gelingt damit auch, woran Apple bislang noch scheitert.
Google hat erneut die Präsentation seiner Hardware vorgezogen, um dem Rivalen aus Cupertino zuvorzukommen. Apple stellt seine neue iPhone-Reihe üblicherweise im September vor. Die neue Smartphone-Generation Pixel 10 kommt in einer Standard- sowie Pro- und einer XL-Variante, ab Oktober soll zudem die Falt-Version ausgeliefert werden. Außerdem präsentierte Google neue Kopfhörer und Smartwatches.
Besonders gespannt waren Beobachter jedoch auf neue KI-Funktionen, die die Geräte ermöglichen sollen. Sie basieren auf dem hauseigenen Sprachmodell namens Gemini. „Viele Dinge, an denen wir jahrelang gearbeitet haben, werden jetzt real“, kündigte Google-Produktchef Rick Osterloh in New York an.
So führt Google auf den Pixel-10-Geräten etwa eine Funktion namens „Magic Cue“ ein – eine Art Assistent, der Informationen automatisch abruft, wenn diese benötigt werden. Der Dienst hilft etwa beim Beantworten von Textnachrichten. Fragt ein Kontakt in einer Nachricht nach einem Termin oder einem bestimmten Foto, schlägt „Magic Cue“ die Info als Antwort vor.
Daneben lassen sich Fotos über Texteingaben bearbeiten. So können Anwender etwa dazu auffordern, die Lichtverhältnisse oder den Bildausschnitt zu verbessern. Außerdem hat Google einen Foto-Hilfsassistenten vorgestellt. Der sogenannte „Camera Coach“ gibt KI-basierte Anweisungen, mit denen Nutzer bessere Fotos schießen sollen.
Auch sind Echtzeit-Übersetzungen von Telefonaten möglich, wenn einer der beiden Anrufer ein Pixel-Smartphone besitzt. Ebenso präsentierte Google einen KI-basierten Gesundheitscoach für die unternehmenseigene Gerätemarke Fitbit. Dazu zählt etwa ein personalisierter Fitnessplan mit Trainingsvorschlägen und Zielen.
Google stichelt gegen Apple
Am Mittwoch stellte Google noch Demos der neuen Funktionen vor. Wie gut diese dann in der Praxis funktionieren, muss sich erst noch zeigen. Dennoch scheint Google seinem Kontrahenten Apple weiter davongeeilt zu sein.
Der iPhone-Konzern hatte Nutzer und Investoren zuletzt enttäuscht, weil KI-Fortschritte auf sich warten lassen. Zwar veröffentlichte Apple im vergangenen Sommer unter dem Schlagwort „Apple Intelligence“ einige Funktionen, mit denen sich etwa E-Mails und Texte zusammenfassen oder eigene Emojis generieren lassen. Doch der Umfang ist überschaubar. Eine runderneuerte Version seiner Sprachassistenz Siri hatte Apple zudem auf Anfang 2026 verschoben.
Google-Produktchef Osterloh stichelte am Mittwoch öffentlich dagegen. „Es gab einen großen Hype um dieses Thema, und, offen gesagt, auch viele gebrochene Versprechen“, sagte er, ohne jedoch Apple explizit zu nennen. Zuvor hatte der Konzern seinem Kontrahenten schon in einem Werbevideo einen Seitenhieb verpasst. Darin hieß es: „Wenn Du ein neues Smartphone wegen einer Funktion kaufst, die bald verfügbar sein wird, diese aber erst in einem Jahr kommt, könntest Du Deine Definition von ‚bald‘ ändern – oder Dein Smartphone wechseln.“
Analyst Thomas Husson von der Beratungsfirma Forrester sieht in den Google-Geräten längst mehr als nur einen Wettbewerber. Zehn Jahre nach dem ersten Pixel-Modell bestehe die „strategische Herausforderung nicht darin, Marktführer zu werden, sondern den Mehrwert des integrierten Ökosystems von Google zu demonstrieren“.
Genau das ist bislang die Stärke von Smartphone-Primus Apple. Über die Synchronisierung der verschiedenen Geräte und Anwendungen hält der Konzern seine Kunden oft im Apple-Ökosystem. KI-Funktionen spielten bei der Kaufentscheidung der Verbraucher bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Husson sieht in der KI-Offensive von Google dennoch ein „Mittel, um Apples integrierter Strategie entgegenzuwirken“. Zwar positioniere sich Pixel weiter im Premiumsegment, der Marktanteil liege aber bei weniger als fünf Prozent, sagt der Analyst. Das liegt auch daran, dass sich Google bislang auf wenige Kernmärkte konzentriert hat – die neue Geräteserie soll nach zehn Jahren erstmals auch in Mexiko vertrieben werden.
Konfrontation im Detail
Im Zeitalter der KI sei Pixel aber „ein echtes Innovationslabor“, betont Husson. Davon würden langfristig auch die Google-Partner profitieren. Der koreanische Massenhersteller Samsung ist größter Kunde des Android-Betriebssystems von Google.
Nicht zuletzt sucht Google die Konfrontation auch im Detail: bei den Textnachrichten zwischen Android- und Apple-Geräten. Weil beide Konzerne in der Vergangenheit auf unterschiedliche Textprotokolle setzten, wurden Nachrichten auf dem jeweils anderen Gerät oft anders dargestellt als im Original, etwa bei Emojis.
Seit dem vergangenen Jahr unterstützt Apple jedoch auch den RCS-Standard. Google-Managerin Lofton erhofft sich davon, dass bald auch eine langwährende Fehde zwischen den Tech-Konzernen beigelegt wird. Textnachrichten von Android-Geräten werden auf iPhones bislang in grünen Sprechblasen angezeigt, während Nachrichten von anderen iPhone-Besitzern blau ausgespielt werden.
Es ist eine Kleinigkeit, die besonders bei jüngeren iPhone-Nutzern zu einem Statussymbol geworden ist. Dem Google-Konzern scheint das nach wie vor ein Ärgernis zu sein. Man sei „fertig“ mit dieser Debatte, betonte Lofton. Der Kampf zwischen der grünen und blauen Blase sei „albern und müde“.
Erstpublikation: 21.08.2025, 02:09 Uhr.
