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Morning BriefingWarum Russland für Trump jetzt das neue Deutschland ist

Christian Rickens 24.09.2025 - 05:39 Uhr
Morning Briefing

Warum Russland für Trump jetzt das neue Deutschland ist

24.09.2025
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Guten Morgen liebe Leserin, lieber Leser,

Ist Verteidigung die neue KI? Zumindest in der deutschen Start-up-Szene kann man derzeit diesen Eindruck gewinnen. Reihenweise drängen Jungfirmen ins Rüstungsgeschäft oder betonen zumindest gegenüber potenziellen Geldgebern, dass man die eigenen Produkte auch prima für militärische Zwecke einsetzen könne.

Noch vor zwei Jahren, kurz nach dem Chat-GPT-Schock, streuten Entrepreneure bevorzugt Begriffe wie „Künstliche Intelligenz“ oder „Large Language Model“ über ihre Investoren-Präsentationen. Aus denen ist die KI nun keineswegs verschwunden. Aber im Gefechtsverbund mit dem neuen Buzzword „Defense“ schlägt sie im Zweifel noch mehr finanzielle Funken.

Der Chef des Start-up Circus Group, Nikolas Bullwinkel, avisiert im Gespräch mit unserer Start-up-Reporterin Nadine Schimroszik:

Bereits dieses Jahr wollen wir die ersten Verträge mit Armeen für unsere KI-Roboter schließen.

Was ihm vorschwebt, ist dabei die Vollautomatisierung der Gulaschkanone in Form einer containergroßen Maschine, die laut Bullwinkel „350 bis 400 Gerichte in der Stunde kochen und 40 fertige Mahlzeiten warmhalten“ kann.

Die vor vier Jahren gegründete Circus Group ist nicht das einzige deutsche Start-up, das seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine das Militär als potenziellen Kunden entdeckt hat.

  • Das Münchener Mobilitäts-Start-up Fernride testet autonome Lkw für die Bundeswehr.
  • Auch der Berliner Spezialist für ferngesteuerte Mietwagen, Vay, denkt darüber nach, im Rüstungsbereich tätig zu werden.
  • Die neuen Besitzer des insolventen Flugtaxi-Pioniers Lilium hoffen darauf, der Firma mit einer Fokussierung auf Frachttransporte für Militäreinsätze zu einem zweiten Leben zu verhelfen.

Unsere Grafik zeigt: Auch die Risikokapitalgeber haben verstärkt Interesse daran, sich an Rüstungs-Start-ups zu beteiligen.

Starlink mit großem Potenzial in Deutschland

Auch Elon Musks Satellitendienst Starlink wird von der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland militärisch genutzt. In Deutschland wiederum avanciert Starlink zum Preisbrecher in Sachen Breitband-Internet. Der Basisanschluss mit Downloadraten zwischen 45 und 130 Megabit pro Sekunde kostet derzeit 29 Euro im Monat. Zum Vergleich: Für einen DSL-Anschluss mit maximal 100 Megabit verlangt die Telekom 47,95 Euro.

Starlink-Satelliten: Fast alle Haushalte mit Satelliteninternet in Deutschland nutzen Starlink. Foto: Handelsblatt

Ende 2024 nutzten laut Bundesnetzagentur bereits rund 83.000 Haushalte in Deutschland Satelliteninternet, fast alle davon Starlink. Das Potenzial des Dienstes in Deutschland ist dabei größer als bislang angenommen. Laut einer Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen könnte das Musk-Netz bis zu 13 Millionen deutsche Haushalte mit Downloadraten von rund 100 Megabit pro Sekunde versorgen.

„Besonders im ländlichen Raum ohne flächendeckende Glasfaserversorgung gilt Starlink als Alternative zu herkömmlichen Anschlüssen“, analysiert Stephan Scheuer, Tech-Reporter beim Handelsblatt. „Während Glasfaser deutlich höhere Bandbreiten ermöglicht, punktet das Satelliteninternet mit schneller Verfügbarkeit und niedrigen Einstiegspreisen.“

Karsten Wildberger: Entwurf, um den Staat zu modernisieren. Foto: AFP

Wildberger mit Anti-Bürokratie-Initiative

Wenn Elon Musk mit Starlink Deutschlands Digitalisierungsprobleme lindert, hätte das auch einen Vorteil für Karsten Wildberger: Der Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung könnte sich dann verstärkt um den zweiten Teil seines Jobtitels kümmern.

Einen Anfang macht sein Ministerium nun mit einer „Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung“, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Die spannendsten Punkte darin:

  • Der CDU-Politiker will bis zum Ende der Legislaturperiode die Bürokratiekosten um 25 Prozent und den Aufwand für Unternehmen und Bürger um zehn Milliarden Euro verringern.
  • Bis zur Mitte der Legislaturperiode beabsichtigt sein Ministerium, eine „One in, two out“-Regelung einzuführen, bei der für jedes neue Gesetz, das zusätzliche Bürokratiekosten für Unternehmen verursacht, an anderer Stelle zwei gleichwertige Belastungen abgebaut werden müssen.
  • Ein Bürokratiemeldeportal soll es Bürgern und Unternehmen ermöglichen, Verbesserungsvorschläge zum Abbau von bürokratischen Hürden einzureichen.
  • Um die Servicequalität bei öffentlichen Dienstleistungen zu verbessern, will Wildberger innerhalb von drei Monaten verbindliche Kriterien für „guten Service“ etablieren. Im Anschluss daran sollen Bundesbehörden diese Kriterien systematisch anwenden.

Trump sieht Russland als Kriegsverlierer

US-Präsident Donald Trump hat sich zuversichtlich gezeigt, dass die Ukraine ihr von Russland besetztes Gebiet vollständig zurückerobern kann. „Mit Zeit, Geduld und der finanziellen Unterstützung Europas und insbesondere der Nato sind die Grenzen von vor Kriegsbeginn durchaus eine Option“, schrieb Trump am Dienstag auf seiner Plattform Truth Social. Damit vollzieht er eine Kehrtwende. Bislang hatte er stets erklärt, dass sowohl Kiew als auch Moskau für ein Ende des Krieges Gebiete abtreten müssten.

Trump kritisierte die russische Kriegsführung zudem als „ziellos“: Eine „echte Militärmacht“ hätte den Krieg in „weniger als einer Woche“ gewonnen. Dies lasse Russland wie einen „Papiertiger“ aussehen. Die Ukraine könne ihr Land in seiner ursprünglichen Form zurückerobern...

und, wer weiß, vielleicht sogar noch weitergehen.

US-Außenminister Marco Rubio erklärte anschließend: Russlands Verschleppung eines Friedensprozesses in der Ukraine habe Trump zu der Kehrtwende bewogen. Rubio drohte Moskau mit wirtschaftlichen Sanktionen und betonte, die USA könnten Kiew weiter mit Waffen helfen. Trump werde bei fortgesetzten Aggressionen Russlands die notwendigen Schritte machen.

Alle Neuigkeiten rund um Russlands Krieg gegen die Ukraine finden Sie in unserem Blog zum Thema.

Streikende Technik: US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump müssen die Rolltreppe im Gebäude der Vereinten Nationen hinaufgehen, nachdem diese plötzlich zum Stehen gekommen war. Foto: AP

... und Deutschland als Energiegewinner

Verkehrte Welt auch bei Trumps Auftritt vor der UN-Vollversammlung: Die Bundesrepublik, während der Ampel-Ära regelmäßig der liebste Punching Ball des US-Präsidenten, bekam diesmal unerwartetes Lob.

Deutschland sei lange Zeit einem „grünen Betrug“ aufgesessen und habe in Wind- und Solarenergie investiert, die teuersten Energieformen, die es gebe, behauptete Trump. Unter der neuen Regierung sei das Land zu fossilen Energien und Atomkraft zurückgekehrt. Es seien schon viele neue Kraftwerke eröffnet worden:

Ich spreche Deutschland dafür meine große Anerkennung aus.

Falls Sie sich fragen, von welchem Land Trump da spricht – das frage ich mich auch. Zwar treibt die neue Bundesregierung den Bau zusätzlicher Gaskraftwerke voran. Konkret beschlossen oder gar eröffnet ist davon aber noch keines. Auch die deutsche Rückkehr zur Atomkraft muss ich verpasst haben. Wahrscheinlich steckte ich da gerade auf einer der defekten Rolltreppen im UN-Gebäude fest.

Ich wünsche Ihnen einen störfallfreien Mittwoch.

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Herzliche Grüße,

Ihr

Christian Rickens

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