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KommentarBrüssel betreibt mit dem „Veggie-Verbot“ den Wurst-Wahnsinn

Die EU will Begriffe wie „Veggie-Schnitzel“ verbieten. Die Verbraucher müssen sich auf Kunstnamen wie „Grillstangen auf Sojabasis“ einstellen, zum Nachteil der Wirtschaft.Katrin Terpitz 08.10.2025 - 15:39 Uhr
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Der Grill im Garten: Wann ist eine Wurst eine Wurst? Foto: dpa

„Gesetze sind wie Würstchen. Am besten sieht man nicht zu, wie sie gemacht werden“, soll Otto von Bismarck einmal gesagt haben. Das gilt ganz besonders für das völlig unnötige Verbot von Begriffen wie „Veggie-Wurst“ in der EU. Das Europaparlament hat den Bann am Mittwoch auf den Weg gebracht. Entscheiden müssen jetzt noch Rat und EU-Kommission.

Eine konservative Abgeordnete aus Frankreich hatte den Verbotsantrag kurzfristig eingebracht – wegen „echter Verwechslungsgefahr“ mit Fleischprodukten aus geschlachteten Tieren. Wir Verbraucher müssen uns wohl auf groteske Kunstnamen wie „Grillstangen auf Sojabasis“ oder „pflanzlicher Räucheraufschnitt“ einstellen. Die gibt es bereits für pflanzliche Milchprodukte.

Ein Namensverbot wäre absurd – und hätte eine negative Signalwirkung und wirtschaftliche Folgen: Eine breite Front von deutschen Veggie-Herstellern, Discountern, Burger King und Verbraucherschützern warnt vor Wettbewerbsnachteilen. Marktführer Rügenwalder Mühle etwa fürchtet Umsatzverluste in zweistelliger Millionenhöhe, weil Neukunden Orientierung fehle.

Deutschland ist mit 760 Millionen Euro Umsatz der größte EU-Markt für Fleischalternativen und wäre besonders betroffen. Die stürmischen Wachstumsraten sind bereits abgeflaut. Veggie-Fleisch hat gerade einmal 4,5 Prozent Anteil am gesamten Fleischmarkt. Da zittert der Fleischriese Goliath vor einem winzigen David.

Die Fleisch- und Wurstbranche steckt tief in der Krise: Der Verbrauch von Schweinefleisch ist seit 2010 um ein Viertel auf 28 Kilo pro Kopf gesunken. Da ist es leicht, Veggie-Fleisch zum Sündenbock zu machen. Den Niedergang des Fleischkonsums wird ein Namensverbot aber nicht stoppen. Kein einziges Schnitzel wird dadurch mehr verkauft.

Die Fleischindustrie ist der größte Profiteur von Veggie-Wurst

Ein Begriffsverbot würde aber die dringend überfällige Proteinwende behindern. Schließlich ist Massentierhaltung einer der größten Klimakiller.

Auch zellkultiviertes Fleisch – ein nachhaltiger Hoffnungsträger, der in der EU noch nicht zugelassen ist – dürfte nicht „Fleisch“ genannt werden. Langfristig könnten alternative Proteine bis zu 65 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaft beitragen, so eine optimistische Studie der Proteinlobby.

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Mit einem Verbot schneidet sich die Fleischlobby letztlich ins eigene Fleisch. Nicht Nestlé oder Start-ups, sondern die traditionelle Fleischindustrie ist nämlich der größte Produzent und somit Profiteur von Veggie-Schnitzeln und Tofu-Wurst: von der Rügenwalder Mühle bis hin zu Tönnies, Deutschlands Fleischkonzern Nummer eins.

Ob das Namensverbot für Veggie-Wurst am Ende kommt oder nicht: Profitieren wird einzig der Argwohn der Bürger gegenüber der Verbots- und Regulierungswut der EU.

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