Gastkommentar: Ein neuer Realitätssinn für Deutschlands Auto-Zukunft
Die deutsche und europäische Autoindustrie steckt in einer tiefen Absatzdelle – und das spüren Hersteller, Zulieferer, Händler und Beschäftigte gleichermaßen. Die Neuzulassungen sind rückläufig, europaweit wurden 2024 rund 12,9 Millionen Fahrzeuge verkauft, nach etwa 15,8 Millionen in den Jahren 2019/2020 – ein Minus von deutlich über zwei Millionen.
Auch zwischen Januar und August 2025 lagen die Zulassungen wieder rund zwei Prozent unter Vorjahr. Gleichzeitig altert die Pkw-Flotte in Deutschland weiter: binnen zehn Jahren von durchschnittlich 9,0 auf 10,6 Jahre. Diese Zahlen erzählen eine klare Geschichte: Es werden insgesamt zu wenige Autos verkauft – unabhängig vom Antrieb. Die Beschäftigung in der Automobilbranche in Deutschland kann damit nicht gesichert werden.
Deutschland braucht jetzt einen Kurs des Realitätssinns. Der Hochlauf der Elektromobilität ist und bleibt alternativlos, gerade zur Erreichung der deutschen und europäischen Klimaziele. Zugleich geht es um Hunderttausende Industriearbeitsplätze, um Wertschöpfung, Innovationen und um unseren Industriestandort. Die Aufgabe ist nicht, einen Glaubenskrieg zu entscheiden, sondern den Weg vor uns verlässlich zu gestalten.