Flugtaxis: Start-up Lilium verkauft Patente an US-Konkurrenten
Düsseldorf. Das von Lilium entwickelte Flugtaxi steht vor dem endgültigen Aus. Nachdem zuletzt der Verkauf des insolventen Flugpioniers aus Pfaffenhofen an die Industrie- und Investmentholding AAMG gescheitert war, verkauft Insolvenzverwalter Ivo-Meinert Willrodt nun die Patente an das börsennotierte US-amerikanische Unternehmen Archer Aviation.
Der Erwerber, der das Portfolio Branchenberichten zufolge für 18 Millionen Euro erwirbt, ist selbst Entwickler von elektrischen Senkrechtstart- und Landeflugzeugen.
Noch Ende August hatte AAMG gegenüber dem Handelsblatt angekündigt, das bayerische Start-up aus der Insolvenz übernehmen zu wollen. Mit Lilium wollte der Kaufinteressent ins Verteidigungsgeschäft einsteigen. Der elektrische Senkrechtstarter sollte in Richtung autonomes Fluggerät weiterentwickelt werden, sagten AAMG-Chef Robert Kamp und sein Managementkollege Daniel Hayes damals.
Finanzierungsnachweis nicht erbracht
Schon vor zwei Monaten aber gab es offenbar Probleme mit der Finanzierung. Zwar berichtete AAMG, man habe sich eine Summe von 250 Millionen Euro gesichert. Die Anwaltskanzlei Pluta, der Insolvenzverwalter Willrodt angehört, erklärte jedoch Ende August: „Der angeforderte Finanzierungsnachweis wurde bisher noch nicht vorgelegt.“
Lange war der 2015 gegründete Flugtaxi-Entwickler eines der bekanntesten Start-ups in Deutschland und an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet. Insgesamt flossen 1,5 Milliarden Euro von Investoren in das Unternehmen, um ein elektrisch betriebenes Flugzeug in die Luft zu bringen. Sogar einen Großauftrag aus Saudi-Arabien zog die bayerische Firma an Land. Doch eine Serienreife besitzt das Fluggerät bis heute nicht.
Weil Lilium nach all den misslungenen Versuchen im vergangenen Herbst das Geld für den Produktionsaufbau ausging und knapp 1000 Mitarbeiter vergeblich auf ihr Gehalt warten mussten, meldete das Start-up im Oktober 2024 zum ersten Mal Insolvenz an.
Nur wenig später kündigte das Investorenkonsortium Mobile Uplift Corporation (MUC) einen Kaufvertrag für das Betriebsvermögen der beiden Lilium-Tochtergesellschaften Lilium GmbH und Lilium eAircraft an. Es versprach 200 Millionen Euro an frischem Geld.
Diese aber brachten die Investoren, darunter als Hauptgeldgeber der slowakische Unternehmer Marian Bocek, dem Vernehmen nach nicht zusammen. Im Februar meldete Lilium deshalb zum zweiten Mal Insolvenz an.
Im Bieterwettbewerb durchgesetzt
Nachdem sich Lilium zunächst in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung befand, wechselte es im März 2025 in ein Regelinsolvenzverfahren. Die Lilium GmbH sei Eigentümerin der Patente und Schutzrechte gewesen, erklärte Insolvenzverwalter Willrodt am Mittwoch.
Die Gläubigerausschüsse in beiden Verfahren hätten nun einstimmig entschieden, das Angebot des Investors Archer Aviation anzunehmen. Der Anwalt bezifferte den Kaufpreis offiziell mit einem niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich.
„Nach langen Verhandlungen in einem komplexen Transaktionsprozess hat sich Archer im Bieterwettbewerb durchgesetzt“, sagte er. Der rechtswirksame Kaufvertrag werde derzeit umgesetzt.
Archer übernimmt nun ein Portfolio von über 300 Patenten, wobei es vorzugsweise um Hochvolt-Systeme, Batteriemanagementsysteme und die Flugzeugkonstruktion geht, aber auch um Flugsteuerungssysteme, elektrische Antriebssysteme, Propellertechnik und Mantelpropeller-Technologie.
Nach den ursprünglichen Plänen sollte das Lilium-Flugtaxi Reichweiten von 400 Kilometern erzielen und dabei sechs Fluggäste transportieren. Der Erwerber Archer Aviation, der seine Fluggeräte im kalifornischen Salinas testet, will sich dagegen auf Strecken zwischen 30 und 80 Kilometern beschränken.
Erstpublikation: 15.10.2025, 15:54 Uhr.