Banken: JP Morgan eröffnet Büro in Berlin für den Start von Chase
Frankfurt. Die Offensive der US-Großbank JP Morgan in der Bundesrepublik spiegelt sich nun auch im Stadtbild der deutschen Hauptstadt wider. Das größte amerikanische Geldhaus hat am Dienstag in Berlin das Büro für seine Digitalbank Chase in Deutschland eröffnet. Sie befindet sich in der ehemaligen Axel-Springer-Passage, unweit des früheren Grenzübergangs Checkpoint Charlie.
„Unser neues Büro und der Start von Chase sind Teil unserer umfassenden Expansion in Europas größter Volkswirtschaft und bekräftigen unser Engagement für Berlin und ganz Deutschland“, sagte JP-Morgan-Deutschlandchef Alexander Mayer.
Chase soll im zweiten Quartal 2026 an den Start gehen, bekräftigte das Institut. Starten wird die Digitalbank in Deutschland demnach mit einem Tagesgeldkonto, das über eine Banking-App gesteuert wird, sowie einem persönlichen Kundenservice.
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon hatte die Expansion ins deutsche Privatkundengeschäft bereits im Juli 2023 im Handelsblatt-Interview angekündigt und damit im heimischen Bankensektor für Aufregung gesorgt. Aufgrund der Finanzkraft des Konzerns, der aktuell mit 863 Milliarden Dollar bewertet wird, trauen ihm viele Experten zu, den Wettbewerb um deutsche Privatkunden zu verschärfen.
Dass Chase von Dimons Ankündigung bis zum Marktstart fast drei Jahre braucht und dann lediglich mit einem Tagesgeldangebot beginnt, finden Manager anderer deutscher Banken dagegen wenig überzeugend. „Das hat selbst BBVA schneller hinbekommen, wenn auch schlecht“, frotzelt ein erfahrener deutscher Banker.
Die spanische Großbank BBVA hat im Juni 2025 eine Digitalbank in Deutschland eröffnet und wirbt seitdem mit drei Prozent Zinsen auf Einlagen auf dem Girokonto um Kunden. Nach dem Start berichteten Nutzer jedoch sofort über Probleme, unter anderem bei Überweisungen sowie im Austausch mit Mitarbeitern an der Hotline.
JP Morgan hat mehr als 5500 Quadratmeter angemietet
JP Morgan hat stets betont, dass die Bank bei der Einführung von Chase in Deutschland nichts überstürzen will. Der Aufbau einer neuen „verlässlichen und vertrauenswürdigen“ Bank benötige Zeit, sagte der deutsche Chase-Chef Daniel Llano Manibardo dem Handelsblatt im September.
„Wir bauen eine technologische Plattform auf, die es uns erlaubt, das Geschäft in den nächsten Jahren nachhaltig zu skalieren“, erklärte er. „Wir wollen keine unnötigen Abkürzungen nehmen, wir sind gekommen, um langfristig zu bleiben.“ Llano war erst im April 2025 von der ING Deutschland zu Chase gewechselt.
Sein neuer Arbeitsplatz befindet sich im historischen Berliner Zeitungsviertel im Stadtteil Kreuzberg. JP Morgan hat dort auf zwei Etagen mehr als 5500 Quadratmeter Bürofläche angemietet, die Platz für rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten.
Bisher hat Chase in Berlin nach eigenen Angaben mehr als 100 Arbeitsplätze geschaffen. Das Unternehmen plant jedoch nach eigenen Angaben, „in den kommenden Jahren weiter zu wachsen und zusätzliche Mitarbeitende einzustellen“.
Neben Chase-Beschäftigten sollen in den Räumen künftig auch JP-Morgan-Mitarbeiter aus der Vermögensverwaltung und dem Firmenkundengeschäft untergebracht werden.