USA: US-Arbeitsmarkt schafft wieder mehr Jobs
Düsseldorf. Der US-Arbeitsmarkt erholt sich. Im September wurden 119.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, wie das Statistikbüro des US-Arbeitsministeriums am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hatten 55.000 neu geschaffene Stellen prognostiziert. Die Arbeitslosigkeit stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat allerdings leicht auf 4,4 Prozent.
Der Bericht wäre eigentlich Anfang Oktober veröffentlicht worden. Wegen des Shutdowns der Regierungsgeschäfte in den USA fiel die Veröffentlichung allerdings aus. Letzter offizieller Anhaltspunkt waren die Arbeitsmarktzahlen von August.
Damals hatte sich der Arbeitsmarkt noch abgeschwächt. Ursprünglich war von 22.000 neu geschaffenen Stellen ausgegangen worden. Die Statistikerinnen und Statistiker revidierten die Zahl für August nun allerdings nach unten. Demnach wurden unter dem Strich 4000 Stellen abgebaut. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,3 Prozent, womit Vollbeschäftigung herrschte.
Der Arbeitsmarktbericht für den Oktober fällt wegen des mittlerweile beendeten Shutdowns aus. Damit wird es zum ersten Mal in der 77-jährigen Geschichte der Erhebung für diesen Monat keine offizielle Arbeitslosenquote geben. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft für Oktober soll nun zusammen mit dem November-Bericht am 16. Dezember veröffentlicht werden.
Grund für die Absage ist, dass die für die Ermittlung der Arbeitslosenquote nötige Befragung privater Haushalte wegen fehlender Finanzmittel während des Shutdowns nicht stattfinden konnte. „Die Daten der Haushaltsbefragung können nicht rückwirkend erhoben werden“, hieß es in der Mitteilung der Behörde. Die Daten zur Schaffung neuer Stellen, die aus einer separaten Umfrage bei Unternehmen stammen, konnten hingegen gesammelt werden.
Notenbanker uneins über erneute Zinssenkung
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) trifft am 10. Dezember ihre nächste Zinsentscheidung. Die Fed hat ein sogenanntes duales Mandat und muss sich sowohl um Vollbeschäftigung als auch um Preisstabilität kümmern. Ohne den Shutdown hätte sie die Entscheidung auch auf die Arbeitsmarktdaten für den Oktober stützen können, dies ist nun nicht möglich.
Dem Septemberbericht kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Gleiches gilt für den PCE-Index für Oktober, den das Statistikbüro des US-Handelsministeriums in der kommenden Woche veröffentlicht. Der Index misst die Konsumausgaben der US-Haushalte, für die Fed ist er das bevorzugte Inflationsmaß. Auch für die Anleger sind die aktuellen Arbeitsmarktdaten eine wichtige Information. Die Märkte mussten bei ihren Erwartungen für die Entwicklung des Leitzinses bislang auf private Daten vertrauen.
Die Statistiker des Arbeitsministeriums haben hingegen noch kein Datum für die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex für den Oktober festgelegt. Dass die Inflationsrate vor dem Fed-Entscheid bekannt gegeben wird, ist unwahrscheinlich. Die Teuerungsrate hatte zuletzt zugenommen und lag im September mit 3,0 Prozent deutlich über dem von der Fed angestrebten Wert von 2,0 Prozent.
Eine erneute Zinssenkung im Dezember ist bislang keinesfalls sicher. Der Leitzins liegt aktuell in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Aus den am Mittwoch veröffentlichten Protokollen der Fed-Sitzung von Ende Oktober geht hervor, wie weit die Meinungen der Notenbanker über den künftigen Zinskurs auseinandergehen.
Die Währungshüter zeigten sich demnach mit Blick auf die nächste Sitzung im Dezember in drei Lager gespalten. Einige Teilnehmer gingen davon aus, dass eine weitere Senkung im Dezember angemessen wäre.
Andere sahen niedrigere Zinsen zwar als letztlich angemessen an, aber nicht unbedingt schon im Dezember. Viele Teilnehmer schlossen eine Zinssenkung im Dezember jedoch bereits aus.
Fed könnte Vorsicht walten lassen
Daniel Zhao, Chefökonom der Jobbörse Glassdoor, spricht von einem weiterhin trüben Bild des Arbeitsmarktes, „da die Zahlen für August auf einen Stellenabbau revidiert wurden und die Arbeitslosenquote stieg“. Matthew Ryan, Leiter Marktstrategie beim globalen Finanzdienstleister Ebury, sieht einen nach wie vor „recht fragilen“ Arbeitsmarkt. Aufgrund der anhaltenden Inflation und der Unklarheit über die wirtschaftliche Lage wegen fehlender Daten könnten die Notenbanker im Dezember „möglicherweise eine gewisse Vorsicht walten lassen“.
Johannes Mayr, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz, geht davon aus, dass sich die Fed in ihrer abwartenden Haltung hinsichtlich weiterer Zinssenkungen bestätigt sehen wird. Ein schwacher Arbeitsmarkt spricht gemeinhin für eine Zinssenkung, eine hohe Inflation dagegen.
An den Terminmärkten zeigt sich hingegen wieder mehr Optimismus für eine weitere Zinssenkung. Mittlerweile gehen rund 44 Prozent der Marktteilnehmer davon aus, dass die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte senken wird. Am Donnerstag waren es noch etwa 30 Prozent.