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KonjunkturDeutsche Industrie mit unerwartet kräftigem Auftragsplus

Nach Monaten der Stagnation gibt es bei den Aufträgen für die deutsche Industrie wieder ein deutliches Plus. Doch für das Wachstum ist vor allem eine Branche verantwortlich. 05.12.2025 - 08:56 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Artilleriemunition in einer Produktionshalle von Rheinmetall: Die Rüstungsindustrie kriegt mehr Aufträge. Foto: Philipp Schulze/dpa

Berlin. - Die Abgabenquote in Deutschland wird einer Studie zufolge im zu Ende gehenden Jahr einen Rekordwert erreichen. Die Summe aus Steuern und Sozialbeiträgen werde auf 41,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen, heißt es in der Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Diese lag der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorab vor. Im vergangenen Jahr waren es noch 40,2 Prozent. Für 2026 wird ein minimaler Rückgang auf 41,4 Prozent erwartet.

„Unsere Volkswirtschaft hat es mit steigenden staatlichen Finanzierungslasten zu tun – auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten“, erklärte IW-Konjunkturchef Michael Grömling den erwarteten Rekordwert. „Staatliche Aktivitäten legen stärker zu als das früher der Fall war.“

Das habe mit höheren Verteidigungsausgaben und Investitionen in die Infrastruktur zu tun, aber auch mit steigenden sozialen Verpflichtungen für Renten- und Krankenkasse sowie Arbeitslosenversicherung. „Das ist auch demografisch bedingt“, fügte Grömling hinzu.

Europas größte Volkswirtschaft soll 2026 erstmals wieder merklich wachsen, nachdem es im zu Ende gehenden Jahr nur zu einem Mini-Plus von 0,1 Prozent reichen soll: Das IW rechnet wie bisher mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,9 Prozent. „Nach drei Jahren Rezession und Stagnation gibt es immerhin ein nennenswertes Plus“, teilten die Kölner Forscher mit.

Rund ein Drittel davon entfalle allerdings auf einen Kalendereffekt, da im kommenden Jahr statistisch fast zweieinhalb Arbeitstage mehr zur Verfügung stünden als 2025. Zumindest löse sich Deutschland „etwas aus seiner Schockstarre“.

Staatsquote soll auf 51,1 Prozent steigen

Sowohl die privaten als auch die staatlichen Investitionen werden der Prognose zufolge zum Wachstum im kommenden Jahr beisteuern. Der private Konsum bleibe wegen gedämpfter Beschäftigungsperspektiven mit einem Wachstum von etwa einem Prozent unter seinem Potenzial. Das erwartete magere Exportplus werde vom anhaltend hohen Importwachstum überkompensiert.

„Dagegen schwellt der Staatsverbrauch weiter deutlich an“, hieß es. Die Staatsquote – also das Verhältnis der staatlichen Ausgaben zum Bruttoinlandsprodukt – werde im kommenden Jahr auf 51,1 Prozent steigen.

Kommentar

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Thomas Sigmund
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Seit 1990 lag dieser Wert nur einmal höher: 1995 erreichte die Staatsquote wegen der Übernahme der Schulden der Treuhandanstalt durch das vereinigte Deutschland den Rekordwert von 55,2 Prozent, während wegen der hohen Ausgaben infolge der Corona-Pandemie lag sie 2020 schon einmal bei 51,1 Prozent.

„Wenn der Staat mehr Geld in die Hand nimmt für Investitionen, dann spiegelt sich das auch in einer höheren Staatsquote wider“, sagte Konjunkturchef Grömling. Höhere Ausgaben für Rüstung und Infrastruktur machten sich dabei ebenso bemerkbar wachsende Sozialabgaben. „Es ist erstmal gut, wenn investiert wird – auch für die jüngeren Generationen, die eine funktionierende Infrastruktur brauchen“, sagte IW-Ökonom Grömling.

rtr
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