Parloa: Berliner KI-Firma steigert Bewertung auf drei Milliarden Dollar
Berlin, Düsseldorf. Die Berliner KI-Firma Parloa kann ihre internationale Expansion mit frischem Geld vorantreiben. Der Spezialist für Kundeninteraktionen erhält von Investoren 350 Millionen Dollar, wie am Donnerstag bekannt wurde. „Diese Finanzierung ist ein entscheidender Moment für Parloa“, sagte Firmenchef und -mitgründer Malte Kosub.
Zugleich verdreifacht das Jungunternehmen mit der neuen Finanzierungsrunde seine Bewertung innerhalb von lediglich acht Monaten auf drei Milliarden Dollar. Das Handelsblatt hatte bereits vergangene Woche darüber berichtet. Nur die Freiburger KI-Firma Black Forest Labs ist damit noch mehr wert.
Die nun eingesammelten Mittel will Parloa vor allem nutzen, um den internationalen Fußabdruck auszubauen. Bereits seit 2023 sind die Berliner in den USA aktiv. Dem US-Hauptsitz in New York soll jetzt noch ein Büro in San Francisco folgen. Auch in Europa will Parloa expandieren, unter anderem in Spanien.
Geschwindigkeit ist in dem hart umkämpften Markt für KI-Agenten besonders wichtig, in dem neben Generalisten wie Parloa immer mehr Spezialisten auftauchen. Es gilt, den Markt schnell zu besetzen.
„Der Markt für KI-Agenten wird kurzfristig explodieren, langfristig aber deutlich schrumpfen“, sagt Holger Hürtgen, Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey. Viele Anbieter würden künftig verschwinden, weil große Plattformen ihre Funktionen schnell integrierten und standardisierten. Übrig blieben wenige dominante Anbieter und einige Spezialisten.
Helsing-Investor General Catalyst führt Runde an
Die Finanzierungsrunde von Parloa wird von dem internationalen Investor General Catalyst angeführt, der in Deutschland auch an der KI-Rüstungsfirma Helsing sowie den KI-Start-ups Langdock und Black Forest Labs beteiligt ist. Der Chef von General Catalyst, Hemant Taneja, begründete das erneute Investment damit, dass Parloa „ein klarer Marktführer in diesem sich schnell entwickelnden Segment“ ist. Genau wie die General-Catalyst-Partnerin und inzwischen zur Präsidentin aufgestiegene Jeannette zu Fürstenberg zieht Taneja in den Aufsichtsrat ein.
Erst im Mai vergangenen Jahres wurde Parloa zum Einhorn, also zu einer von Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewerteten Firma. Insgesamt hat die Firma seit ihrer Gründung 2017 – weit vor ChatGPT – mehr als eine halbe Milliarde Dollar Risikokapital eingesammelt.
Das ist eine Seltenheit für die deutsche Start-up-Szene. Parloa selbst zählt sich damit zu den kapitalstärksten Anbietern im Markt für den Kundenservice in Unternehmen.
Zu den Anschubinvestoren, die Parloa bereits sehr früh unterstützten, gehören LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman, die Celonis-Mitgründer Bastian Nominacher und Alexander Rinke, Personio-Chef Hanno Renner und die früheren Fußballweltmeister Mario Götze und Bastian Schweinsteiger. Bestandsinvestoren wie EQT Ventures, Altimeter Capital, Durable Capital Partners und Mosaic Ventures waren bei der jüngsten Finanzierungsrunde erneut mit dabei.
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Parloa hilft Unternehmen, den Kundendienst mithilfe Künstlicher Intelligenz zu automatisieren. Diese können über die AMP genannte Parloa-Plattform sogenannte „AI-Agents“ – also KI-basierte Telefonassistenten (KI-Agenten) – entwerfen und verwalten, die dann wiederum Gespräche mit Kunden führen und deren Anfragen bearbeiten. Das AMP-Portfolio will Parloa weiter ausbauen.
Seit Jahren wächst der Markt für Conversational AI, der alles umfasst, wo Künstliche Intelligenz natürliche Gespräche mit Menschen führt. Dieser soll laut dem Marktforscher Gartner bis zum Jahr 2032 auf rund 36 Milliarden Dollar wachsen.
Umsatz von 50 Millionen Dollar erreicht
Inzwischen kommt Parloa mit einem Team von mehr als 350 Mitarbeitern auf einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von 50 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Black Forest Labs steigerte Insidern zufolge den wiederkehrenden Jahresumsatz innerhalb von eineinhalb Jahren von null auf mehr als 100 Millionen Dollar.
Parloa veröffentlicht bisher nicht, wie viele Kunden die Firma hat. Allerdings werden einige Namen genannt. So nutzen unter anderen der Softwarekonzern SAP, der Versicherer Allianz, der Flughafen Berlin Brandenburg und das Buchungsportal Booking.com das Angebot.
Auch die Baumarktkette Obi zählt seit 2022 zu den Kunden. Sie nutzt das Angebot, um wiederkehrende Anliegen effizient zu beantworten und Prozesse im Kundenkontakt zu standardisieren. Der Einsatz von KI-Agenten sei geplant, aber bisher nicht im operativen Betrieb, sagte eine Sprecherin. Zunächst müssten Prozesse und Anforderungen sauber vorbereitet werden.
Andere Kunden wie die Drogeriemarktkette Rossmann wollten sich nicht zu der Zusammenarbeit äußern.
Große Herausforderungen und Konsolidierung
Die Situation bei Obi scheint beispielhaft für die internationale Wirtschaft. Laut einer Umfrage der Softwarefirma Camunda unter mehr als 1000 Entscheidern von Großunternehmen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA machen fast drei Viertel der Befragten eine Lücke zwischen der Vision für den Einsatz von KI-Agenten und der Realität aus.
Demnach sind im vergangenen Jahr nur in elf Prozent der möglichen Anwendungsfälle wirklich KI-Agenten eingesetzt worden. Zudem sind die Befürchtungen hoch, durch KI-Agenten Probleme bei schlecht implementierten Prozessen und Automatisierungen noch zu verschärfen.
Diese Gefahr sieht auch McKinsey-Partner Hürtgen. KI-Agenten müssten tief in die IT-Landschaft integriert sein und exklusive Daten nutzen, um sicher handeln zu können und skalierbaren Wert zu schaffen.