Grönland: Treffen in den USA – Die wichtigste Mission seiner Karriere
Stockholm. Vivian Motzfeldt und Lars Løkke Rasmussen stehen vor der wohl wichtigsten Mission ihrer politischen Karrieren: Der dänische Außenminister und die für Außenpolitik zuständige grönländische Ministerin werden an diesem Mittwoch US-Vizepräsident J.D. Vance sowie Außenminister Marco Rubio in Washington treffen – und versuchen, sie von ihren Annexionsplänen abzubringen.
„Grönland steht nicht zum Verkauf. Grönland gehört den Grönländern“, sagte Motzfeldt im Vorfeld der Reise. Die 53-jährige Sozialdemokratin bestimmt die grönländische Politik seit Jahren mit, hat allerdings nur wenige internationale Erfahrungen gesammelt und ist im Englischen nur bedingt verhandlungsfähig. So wird es maßgeblich auf den 61-jährigen Rasmussen ankommen, der bereits zweimal dänischer Ministerpräsident war und als gewiefter Diplomat gilt.
Bei dem Gipfeltreffen geht es für das seit 2009 selbstverwaltete Grönland um Selbstbestimmung; für Dänemark, das als ehemalige Kolonialmacht für die Verteidigungs- und Außenpolitik der Insel zuständig ist, um die territoriale Integrität seines Königreichs. Und über allem schwebt die Frage, wie weit das strategische Interesse der USA reichen darf, bevor es zu einem Bruch der Nato kommt.
Annexionsfantasien lassen Grönland und Dänemark zusammenrücken
Seit geraumer Zeit wiederholt US-Präsident Donald Trump mit Nachdruck seine Absicht, die strategisch wichtige und rohstoffreiche Insel unter seine Kontrolle zu bringen – notfalls mit Gewalt, sagte er. Der Besitz Grönlands biete für ihn mehr Möglichkeiten als ein bloßer Vertrag, sagte Trump.
Außerdem sei die Übernahme seiner Ansicht nach notwendig. Ansonsten würden Russland und China die riesige Insel besetzen. Die Aussagen beunruhigten Grönland, Dänemark und die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU).
Die Position ist klar: „Wenn wir die Wahl zwischen Dänemark oder den USA haben, wählen wir Dänemark“, sagte grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen. „Wir wählen die Nato, das Königreich Dänemark und die EU.“
Waren in den vergangenen Jahren die Unabhängigkeitsbestrebungen der etwa 56.000 Grönländerinnen und Grönländer immer stärker geworden, haben die US-Übernahmefantasien Dänemark und Grönland enger zusammengeschweißt, als es mancher außenpolitischer Beobachter für möglich gehalten hätte.
„Das reicht jetzt. Keine weiteren Andeutungen. Keine Fantasien über Annexion mehr“, schrieb etwa Regierungschef Nielsen in sozialen Medien. Nach jüngsten Umfragen lehnen mehr als 80 Prozent der Grönländer eine Zukunft als Teil der USA ab.
Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen warnte, dass ein US-Versuch, Grönland gewaltsam zu übernehmen, das Ende der Nato bedeuten würde – ein Bündnis, dessen Sicherheit auf gegenseitigem Vertrauen beruhe. „Wenn die Vereinigten Staaten eine militärische Aktion gegen ein anderes Nato-Land starten würden, würde alles aufhören – inklusive Nato“, sagte sie.
Offen für Gespräche im Rahmen des Völkerrechts
Dennoch betonen beide Seiten der dänisch-grönländischen Delegation Gesprächsbereitschaft, allerdings auf Augenhöhe und im Rahmen des Völkerrechts. „Wir sind offen für Diskussionen, aber das muss über die richtigen Kanäle und mit Respekt für internationales Recht geschehen“, sagte Nielsen. Tatsächlich steht es den USA auch ohne Annexion Grönlands frei, neben der existierenden Pitufikk Space Base weitere Militärstützpunkte auf der Insel im Nordpolarmeer zu eröffnen.
Erschwerend für die beiden Nordeuropäer kommt hinzu, dass sich Vance kurzfristig selbst zu dem Treffen eingeladen hat. Der Vizepräsident hatte Grönland im vergangenen Jahr besucht und seine Meinung, dass Dänemark nicht genug für die Sicherheit Grönlands tue, nie zurückgehalten. Die Sicherheit der USA sei nur gewahrt, wenn Grönland Teil des Landes würde, sagte Vance.
Ein Sprecher des US-Außenministeriums ließ im Vorfeld verlauten, Washington wolle „die Sicherheit in der Arktis und die transatlantische Zusammenarbeit stärken“, ohne weitere Details zu nennen. Beobachter sehen darin zumindest eine verbale Abrüstung der angespannten Debatte.