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Morning BriefingEinsatz im neuen Kalten Krieg – Bundeswehr fliegt gen Grönland

Christian Rickens 15.01.2026 - 06:05 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Grönland: Bundeswehr-Einsatz im neuen Kalten Krieg

Gerade eben
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Grönland-Krise eskaliert im Rekordtempo zu einem neuen Kalten Krieg zwischen Europa und den USA – jetzt auch mit deutscher Beteiligung. „Deutschland wird morgen ein gutes Dutzend Soldaten als Erkunder nach Grönland schicken“, sagte ein Regierungssprecher am Mittwochabend. Er bestätigte damit einen Bericht von „Bild“. Auch Schweden und Norwegen wollen jeweils einige Soldaten nach Grönland entsenden.

Das Bundesverteidigungsministerium teilte am Abend zu dem Einsatz mit:

Ziel ist, die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region zu erkunden, beispielsweise für Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung.

Die Bundeswehr will dazu mit einem Airbus-A400M-Transportflugzeug 13 Bundeswehrangehörige in die grönländische Hauptstadt Nuuk entsenden. Es dürfte sich um die ersten Soldaten in der Geschichte der Bundeswehr handeln, deren Einsatz zumindest inoffiziell gegen den bisherigen Verbündeten USA  gerichtet ist, der so von militärischen Abenteuern abgehalten werden soll. Wobei die Abschreckungskraft des Bundeswehr-Kommandos vor allem in seiner Symbolkraft liegen dürfte.

Neue Entwicklung im Grönland-Konflikt Foto: Steffen Trumpf/dpa

Falls Sie sich an dieser Stelle besorgt fragen, ob das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) rechtzeitig mit seinen Entflammungs- und Abriebversuchen für die neue Winterunterwäsche der Truppe fertig geworden ist: Gar so eisig ist dieser neue Kalte Krieg zum Glück nicht. Für Nuuk sind heute beherrschbare -2 bis -6 Grad vorhergesagt.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Grönland-Konflikt und dem Bundeswehr-Einsatz dort finden Sie in unserem Newsblog.

Treffen Dänemark-USA ohne Ergebnis

Gestern Nachmittag hatte ein Grönland-Krisentreffen in Washington keine Annäherung gebracht. Es gebe weiterhin grundlegende Meinungsverschiedenheiten, sagte der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen. An dem von US-Präsident Donald Trump erhobenen Anspruch auf die Insel habe sich nichts geändert:

Es ist offensichtlich, dass der Präsident diesen Wunsch hegt, Grönland zu erobern.

An dem Treffen mit US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio nahm auch Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt teil. Beide Seiten vereinbarten die Einrichtung einer hochrangigen Arbeitsgruppe, die innerhalb weniger Wochen zusammentreten soll.

Dänemarks Außenminister Rasmussen und Amtkollegin Motzfeldt aus Grönland: Weiter Streit mit den USA. Foto: AP

Die Frage ist allerdings, woran die Arbeitsgruppe arbeiten soll. Wenn es den USA wie behauptet wirklich vor allem darum geht, den russischen und chinesischen Einfluss in der Arktis zurückzudrängen, wäre das leicht im Rahmen bestehender Verteidigungsabkommen möglich.

Rasmussen wies gestern darauf hin, dass es schließlich die USA gewesen seien, die ihre Truppen in Grönland seit dem Kalten Krieg drastisch reduziert hätten:

Irgendwann hatten sie 17 verschiedene Militäranlagen und Militärstützpunkte, jetzt haben sie nur noch einen. Sie hatten etwa 10.000 Mitarbeiter in Grönland, jetzt sind es etwa 200.

Der dänische Außenminister bemühte sich zudem, Trumps Behauptung zu widerlegen, dass rund um Grönland überall chinesische Kriegsschiffe unterwegs seien. Rasmussen:

Nach unseren Geheimdienstinformationen gab es seit etwa einem Jahrzehnt kein chinesisches Kriegsschiff mehr in Grönland.

Ökonom Stiglitz zu US-Wachstum

Zu den großen Überraschungen des ersten Jahres unter Trump gehört das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Laut OECD-Prognose dürfte das Bruttoinlandsprodukt der USA 2025 um zwei Prozent zugelegt haben. Bei dieser Wachstumsrate würden in Deutschland längst die Nieten aus dem Kessel fliegen.

Es stellt sich die Frage: Gelang das US-Wachstum trotz oder wegen Trump? Der US-Präsident dürfte darauf eine klare Antwort haben. Die hat allerdings auch Joseph Stiglitz. Im Handelsblatt-Interview sagt der Wirtschafts-Nobelpreisträger:

Das Wachstum kommt ganz klar trotz der Politik des Präsidenten zustande. Ein erheblicher Teil des Wachstums ist auf den Boom rund um Künstliche Intelligenz und den Bau von Rechenzentren zurückzuführen. Trump hatte schlicht Glück, während dieses Booms Präsident zu sein.
Ökonom Stiglitz: „Vieles deutet auf eine gigantische KI-Blase hin.“ Foto: Imago, Reuters, Dpa (2)

Der 82-jährige Stiglitz sieht die US-Wirtschaft auf eine fundamentale Krise zusteuern:

Die USA sind keine Marktwirtschaft mehr. Es handelt sich mehr und mehr um eine Wirtschaft, die auf Rent-Seeking beruht, also den Gewinnen einiger Weniger zulasten der Allgemeinheit, letztlich also auf Monopolgewinnen. Das kann auf lange Sicht nicht funktionieren.

Auf die Frage, ob er nicht auch positive Effekte der Ära Trump sehe, muss Stiglitz nachdenken – und sagt dann:

Es herrscht allgemeiner Konsens darüber, dass die Einwanderung außer Kontrolle geraten ist. Da hatte Trump einen Punkt. Die US-Wirtschaft braucht Immigration, aber wir müssen den Einwanderungsprozess steuern, und Ex-Präsident Biden hat das versäumt.

Andererseits sei die Art und Weise, wie Trump mit Migranten umspringe, „so radikal, unmenschlich und verstörend, dass es letztlich auch ein negativer Punkt ist“.

Immobilienpreise 2025: Wo sind sie am stärksten gestiegen und wo sinken die Preise? Foto: picture alliance / SvenSimon, Illustration: Ben Mendelson

Gegenläufige Trends bei deutschen Immobilien

Interessantes Phänomen am Immobilienmarkt: Die Angebotspreise von Bestands- und Neubauwohnungen in Deutschland haben sich im vierten Quartal 2025 gegenläufig entwickelt. Das geht aus dem neuen Immobilienpreisindex des Analysehauses Empirica Regio hervor, der Handelsblatt-Redakteur Ben Mendelson exklusiv vorliegt.

  • Bei Bestandswohnungen erhöhten sich die durchschnittlichen Quadratmeterpreise im Vergleich zum dritten Quartal um 5,5 Prozent auf 3200 Euro pro Quadratmeter
  • Auch die Preise von bestehenden Häusern stiegen um drei Prozent.
  • Die Preise von neuen Häusern und Wohnungen sanken im Quartalsvergleich hingegen leicht, wenngleich sie im Schnitt immer noch über dem Niveau vor einem Jahr lagen.

Die Daten stammen von der Value AG und basieren auf Inseraten von mehr als 100 Immobilienplattformen wie Immoscout24, Immowelt und Immonet.

Unsere Tabelle zeigt: Die Preis-Rangliste wird noch immer vom Großraum München/Oberbayern angeführt, erst auf Platz acht folgt mit Stuttgart eine Stadt aus einer anderen Region.

Merz würde gerne Arbeitszeitgesetz streichen

Wenn er die Gelegenheit hätte, ein Gesetz zu streichen, welches wäre das? Das wird Friedrich Merz bei einem Neujahrsempfang von Wirtschaftsverbänden in Halle gefragt. Die Antwort des Bundeskanzlers: „Ich würde wahrscheinlich das Arbeitszeitgesetz streichen.“

Merz sprach von einem Beispiel, bei dem die Betriebsparteien und die Tarifvertragsparteien alles regeln könnten, was der Gesetzgeber nicht regeln müsse. Mit Blick auf das Arbeitszeitgesetz merkte Merz dann noch an:

Im Übrigen: Hier im Saal wird wahrscheinlich kaum jemand sitzen, der sich daran hält.

Falls Leserinnen und Leser nun befürchten, dass Merz sich womöglich des permanenten Rechtsbruchs schuldig machen könnte, sei zur Beruhigung angemerkt: Das Arbeitszeitgesetz gilt für den Bundeskanzler ohnehin nicht. Ebensowenig wie für die meisten der Geschäftsführerinnen und Vorstände, die sich auf solchen Wirtschaftsempfängen normalerweise tummeln.

Ich wünsche Ihnen einen Donnerstag, an dem Sie so lange schaffen, wie Sie wollen.

Herzliche Grüße,

Ihr

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