Sportereignis: Deutsche Politiker blicken mit Sorge auf die Fußball-WM in den USA
Washington. Nur wenige Monate vor der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer, die in diesem Jahr maßgeblich in den USA ausgetragen wird, wachsen die Sorgen über den Ablauf der Sportveranstaltung. Hintergrund sind die zuletzt teilweise restriktiveren Bestimmungen für eine Einreise in die USA.
Grünen-Politiker Boris Mijatovic, Mitglied in den Ausschüssen für Auswärtiges und Menschenrechte im Bundestag, spricht von „autoritären Tendenzen in den USA“. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump schränke die Menschenrechte immer mehr ein, darunter auch „die systematische Erschwerung der Einreise“.
„Die USA präsentiert sich unter Trump in einem Zustand, die weder die Ausrichtung der WM noch die der Olympischen und Paralympischen Spiele 2028 verdient hat“, sagte Mijatovic dem Handelsblatt. Er forderte die Bundesregierung auf, zu reagieren. „Es braucht eine konsequente Initiative, um zumindest die beschwerdefreie Einreise und den ungefährdeten Aufenthalt aller Fußball-Fans aus allen Ländern sicherzustellen.“
Auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten, ob die Bundesregierung diplomatische Initiativen mit dem Gastgeber und auch mit der FIFA ergreifen werde, um einen Rechtsrahmen zu schaffen, der eine diskriminierungsfreie und reibungslose Einreise aller WM-Fans gewährleistet, wiegelte die Bundesregierung jedoch ab. Einreisebestimmungen würden von souveränen Staaten selbst erlassen, stellte Geza von Geyr, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, in einer knappen Antwort klar.
Die USA hatten in den vergangenen Monaten mehrere Einreise-Verschärfungen erlassen. Erst Mitte Januar hatte das US-Außenministerium mitgeteilt, die Bearbeitung von Einwanderungsvisa für Antragsteller aus 75 Ländern auszusetzen, darunter Brasilien, Kolumbien, Nepal und mehrere afrikanische Länder. Besuchervisa sind von dieser Regelung nicht betroffen.
Unsicherheit über Social-Media-Regeln
Allerdings gibt es 20 Länder, denen die Regierung seit Januar komplett die Einreise verbietet – auf jeglichen Visaarten. Darunter sind Laos, Somalia und Sudan – und Haiti, ein Land, das sich sogar für die diesjährige Fußball-WM der Männer qualifiziert hat.
Deutschland steht auf keiner solcher Listen. Für Verunsicherung hatte allerdings gesorgt, dass US-Grenzbeamte die Profile Einreisender in Sozialen Netzwerken durchsuchen können. Beratungsunternehmen wie KPMG raten daher dazu, keine Inhalte zu veröffentlichen oder zu kommentieren, „die sich auf Präsident Trump oder seine Regierung beziehen“.
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Auch andere Politiker haben sich jüngst mit Blick auf die WM in den USA kritisch geäußert. So wies der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion Jürgen Hardt gegenüber der „Bild“-Zeitung auf einen möglichen Boykott des Wettbewerbs in den USA hin, sollte Trump in der Grönlandfrage eskalieren. „Eine Turnierabsage käme allenfalls als Ultima Ratio in Betracht, um Präsident Trump in der Grönlandfrage zur Vernunft zu bringen“, so Hardt.
In Großbritannien hatten Anfang Januar 23 Abgeordnete verschiedenster Parteien einen Antrag unterzeichnet, der internationale Sportverbände, darunter die FIFA, zum Ausschluss der USA von der Weltmeisterschaft aufruft.