Tourismus: Deutlicher Rückgang bei Flugbuchungen in die USA
Düsseldorf. Den USA, weltweit das umsatzstärkste Ziel internationaler Urlauber, steht 2025 ein milliardenschwerer Erlöseinbruch im Reisesektor bevor. Das ergeben Berechnungen, die das universitätsnahe Marktforschungsunternehmen Oxford Economics am Freitag in Großbritannien veröffentlichte. „Wir erwarten, dass die internationalen Ankünfte in den USA im Gesamtjahr um 8,7 Prozent zurückgehen werden“, erklärte Studiendirektor und Tourismusexperte Aran Ryan.
Grund zur Besorgnis geben die aktuellen Flugbuchungen aus dem Ausland. Schon im Mai liegen sie den Daten zufolge 9,5 Prozent unter dem Vorjahr, für den Juni wurden bislang 10,8 Prozent weniger Flüge gebucht als zwölf Monate zuvor. Die Zahlen für Juli liegen sogar mit 13 Prozent im Minus. „Die Wahrnehmung der USA spielt dabei eine Rolle“, ist sich Ryan sicher.
Nicht nur krude Annexionspläne der Regierung von Präsident Donald Trump gegenüber Kanada, Dänemarks autonomem Territorium Grönland und dem Panama-Kanal wirken seit Monaten irritierend auf potenzielle Urlauber. Inhaftierungen ausländischer Touristen bei der Einreise sorgten vor zwei Monaten zudem dafür, dass das Auswärtige Amt seine Reisewarnung für die USA ergänzte.
Schlechte Werbung für Fußball-WM 2026
Einen weiteren Dämpfer bescherte US-Vizepräsident J. D. Vance der landeseigenen Reisebranche vor zwei Wochen. Ausländische Fans, die zur Fußball-WM 2026 in die USA einreisen wollen, seien „natürlich eingeladen, dieses großartige Ereignis mitzuerleben“, sagte er, drohte aber anschließend: „Wenn die Zeit vorbei ist, sollen sie wieder gehen – ansonsten müssen sie mit Ministerin Noem sprechen.“ Kristi Noem ist Ministerin für Heimatschutz und für ihre harte Migrationspolitik bekannt.
Die UN-nahe Organisation World Travel & Tourism Council (WTTC) nannte vor zwei Wochen erstmals Schätzungen, nach denen die US-Reisebranche in diesem Jahr 12,5 Milliarden Dollar weniger von ausländischen Besuchern einnehmen wird – ein Rückgang von knapp sieben Prozent auf 169 Milliarden Dollar. In der Spitze hatte das Land im Jahr vor der Coronapandemie 217 Milliarden Dollar mit Auslandsbesuchern verdient.
Tatsächlich sind die USA derzeit das einzige Land unter den insgesamt 184 analysierten Volkswirtschaften, bei dem im Jahr 2025 ein Rückgang der Ausgaben internationaler Besucher prognostiziert wird, erheben WTTC und Oxford Economics übereinstimmend. „Andere Länder rollen den roten Teppich aus, während es scheint, als würden die USA ein ‚Geschlossen’-Schild an ihre Tür hängen“, wundert sich WTTC-Präsidentin Julia Simpson.
Zwischenhoch nur wegen Ferienverschiebung
Daran ändert auch ein Zwischenhoch im April wenig: In diesem Monat stiegen die Besucherzahlen aus Übersee um acht Prozent. Das liegt jedoch daran, dass die Osterferien 2025 in den Monat April fielen, im Gegensatz zu 2024, als die Osterferien im März stattfanden. Der Vergleich auf Monatsbasis hapert also. Entsprechend lagen im März 2025 die US-Einreisen aus Übersee um 11,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Aus Deutschland gingen sie laut US-Handelsministerium sogar um 28 Prozent zurück.
Eine Umfrage unter 456 deutschen Reisebüros der Einkaufskooperation QTA bestätigte vor wenigen Tagen die Zurückhaltung deutscher Urlauber gegenüber Reisen in die USA. Demnach beobachteten 85 Prozent der Befragten eine sinkende Nachfrage nach dem früher begehrten Reiseziel.
Die meisten Reisebüros berichten von der Sorge ihrer Kunden um die eigene Sicherheit. Bedenken lösten bei ihnen „problematische Situationen bei der Einreise“ aus, aber auch die „aufgeheizte Stimmung“ in der US-Bevölkerung. Bedenklich aus Sicht der US-amerikanischen Urlaubsanbieter ist auch: 59 Prozent der Reisebüro-Berater erklärten auf Anfrage, dass sie derzeit selbst keinen Urlaub in den USA planen würden.
Erstpublikation: 23.05.2025, 15:57 Uhr.