Grönland-Streit: Setzen Europäer US-Anleihen als Machtinstrument ein?
Frankfurt. Angesichts der historischen Dimension fiel die Marktreaktion verhalten aus: US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende neue Strafzölle gegen jene europäischen Länder angekündigt, die seine Übernahmepläne für Grönland nicht unterstützen. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg daraufhin am Montag leicht auf 4,25 Prozent an, im Gegenzug gaben die Kurse etwas nach. Die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen bewegten sich hingegen kaum.
Kaspar Hense, Senior-Portfoliomanager bei RBC Bluebay Asset Management, kommentierte: „Am Markt ist die Unsicherheit groß, ob es sich bei Trumps Zolldrohungen wieder um ein Taco-Event handelt.“ Das Kürzel Taco steht für ein geflügeltes Wort an der Wall Street: „Trump always chickens out“, also die Wette, dass Trump bei Gegenwind an den Märkten von seinen Extrempositionen abrückt.
Dennoch sei die Lage brisant, sagt Martin Lück, Chef-Kapitalmarktstratege für Deutschland und Österreich bei Franklin Templeton: „Wir sind in einer neuen Eskalationsspirale angekommen.“ Bei den ersten Zolldrohungen am sogenannten „Liberation Day“ im April vergangenen Jahres habe sich das Weiße Haus noch bemüht, die Zölle mit „pseudowissenschaftlichen Argumenten“ zu begründen, sagt Lück. „Diese Mühe macht man sich nun nicht mehr. Die US-Regierung hat den letzten Rest Zurückhaltung abgelegt.“
Politisch konzentriert sich die Diskussion in Brüssel darauf, lang geplante Gegenzölle über 93 Milliarden Dollar scharf zu stellen, wie auch das Handelsblatt berichtete. Experten sehen aber noch einen anderen, bislang kaum verfolgten Ansatz: Die EU könnte auf eine große Schwäche der USA abzielen – ihre hohen Staatsschulden, an denen europäische Investoren über US-Anleihen beteiligt sind.