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Berkshire HathawayBuffett kauft in Deutschland zu

Eine Tochter von Berkshire Hathaway steht vor der Übernahme eines Krefelder Unternehmens. Damit setzt Großinvestor Warren Buffett seine deutsche Shopping-Tour fort, die er im Jahr 2015 gestartet hat.Peter Köhler, Astrid Dörner 23.01.2017 - 06:15 Uhr Artikel anhören

Der Unternehmer nimmt deutsche Firmen ins Visier

Foto: picture alliance / abaca

Frankfurt. Warren Buffett hat wieder in Deutschland zugeschlagen. Eine Tochter seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway übernimmt den Mittelständler Wilhelm Schulz GmbH aus Krefeld. Der weltweit führende Hersteller für Rohrzubehörteile soll künftig Teil der Precision Castparts Corporation (PCC) werden, wie PCC gegenüber dem Handelsblatt bestätigte. „Wir äußern uns zu einzelnen Transaktionen nicht im Detail, aber PCC hat eine Vereinbarung ausgehandelt, um die Schulz-Gruppe zu übernehmen“, sagte der Chef von Precision Castparts, Mark Donegan.

Laut einer elektronischen Veröffentlichung des Bundeskartellamts wird die Übernahme derzeit geprüft. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Schulz wurde von der Münchener Gesellschaft FCF Fox Corporate Finance beraten. Geschäftsführer Arno Fuchs ist spezialisiert auf Mittelständler und Family Offices. Investmentbanken sollen jedoch nicht beteiligt gewesen sein, wie es aus Verhandlungskreisen heißt. Buffett, der für seinen unkonventionellen Managementstil bekannt ist, hält grundsätzlich nicht viel von Investmentbankern. Die Geschäftsführung von Wilhelm Schulz war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Wenn die Kartellbehörden grünes Licht geben, wäre das der zweite Zukauf von Berkshire Hathaway in Deutschland. Vor zwei Jahren hatte der 86-jährige Milliardär bereits den Hamburger Motorradzubehör-Händler Louis für rund 400 Millionen Euro übernommen. „Wir wollen mehr Unternehmen in Deutschland besitzen“, hatte Buffett nach der Übernahme im Interview mit dem Handelsblatt angekündigt. Auf seiner Hauptversammlung im Mai konkretisierte er dann: Bis 2020 solle mindestens noch ein weiterer Deal in Deutschland abgeschlossen werden.

Töchter haben freie Hand

Buffett ist bekannt dafür, dass er den Tochtergesellschaften von Berkshire freie Hand bei ihren Investitionsentscheidungen lässt. Das gilt auch für Precision Castparts. Berkshire hatte den Industriezulieferer 2015 für gut 37 Milliarden Dollar übernommen. Es war die größte Übernahme der Firmengeschichte. PCC stellt unter anderem komplexe Teile für Flugzeugbauer wie Boeing und Airbus und für die Motorenabteilung von General Electric her. Vor der Übernahme durch Berkshire machte das Unternehmen zehn Milliarden Dollar Umsatz. Buffett ist ein großer Fan von Precision-Castparts-Chef Donegan. In seinem Brief an die Aktionäre bezeichnete ihn der Berkshire-Chef im vergangenen Jahr als den „da Vinci seines Handwerks“. Donegan sucht auch nach dem Schulz-Deal weiter nach Zukäufen – „in den Bereichen Luftfahrt und Energie“, sagte er.

Die Übernahme des Krefelder Rohrspezialisten gilt in Branchenkreise als „genialer Deal“. Die Edelstahlprodukte kommen unter anderem in der Öl- und Gasindustrie und bei Flugzeugbauern zum Einsatz. Vor allem im Nahen Osten sei der Bedarf an korrosionsbeständigen Ventilen und Rohrbestandteilen enorm, um den Betrieb mit schwefelhaltigem Öl auch in Zukunft zu garantieren. Schulz hat rund 450 Mitarbeiter und machte 2014 einen Umsatz von 172 Millionen Euro, wie aus dem „Bundesanzeiger“ hervorgeht.

Zum Kaufpaket gehört laut Bundeskartellamtsveröffentlichung auch die US-Tochter Schulz Xtruded Products, die in Tunica im US-Bundesstaat Mississippi eine moderne Produktionsstätte für nahtlose Stahlrohre und Werkstoffe für die Luftfahrtbranche betreibt. Beide Unternehmen kennen sich schon länger, heißt es im Umfeld von Berkshire. Dass Buffett grundsätzlich im deutschen Mittelstand zukaufen will, soll bei den Verhandlungen geholfen haben.

Der Konzern aus Omaha im Bundesstaat Nebraska sucht schon seit Jahren nach stabilen und profitablen Unternehmen in Deutschland. Auch zahlreiche andere in- und ausländische Private-Equity-Gesellschaften suchen nach Übernahmezielen, allerdings gibt es nach Branchenschätzungen jährlich nur rund 50 Transaktionen, bei denen Finanzinvestoren im klassischen Mittelstand – also bei Maschinenbauern, Fahrzeug-Zulieferern oder Chemiespezialisten – zum Zug kommen. Berk‧shire operiert von Omaha aus mit einer kleinen Truppe von rund 25 Mitarbeitern. In Deutschland wirbt die Gruppe vor allem damit, dass sie als sehr langfristiger Investor den Firmen ihre unternehmerische Freiheit lässt. Andere angelsächsische Finanzinvestoren trennen sich dagegen nach nur drei bis fünf Jahren wieder von ihren Beteiligungen.

Buffett ist der zweitreichste Mann der Welt, sein Vermögen wird auf 74 Milliarden Dollar geschätzt und ist allein im vergangenen Jahr um zwölf Milliarden Dollar angestiegen, wie aus Berechnungen des US-Magazins „Forbes“ hervorgeht. Seine Holding Berkshire Hathaway sah ihre Investments in Luftverkehrsgesellschaften und Banken nach oben schnellen, auch dank der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Er hatte weniger strenge Aufsichtsregeln für Kreditinstitute in Aussicht gestellt und Infrastruktur‧investitionen versprochen. Buffett hatte im Wahlkampf Trumps Konkurrentin Hillary Clinton ‧unterstützt, äußerste sich zuletzt aber zuversichtlich, dass es der US-Wirtschaft auch unter Trump weiter gutgehen werde.

Die Einkaufstour in Deutschland hat erst begonnen

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Zu Berkshire gehören neben Aktienbeteiligungen in Firmen wie Coca-Cola oder Wells Fargo auch eine Energie-, eine Versicherungs- und eine Chemiesparte sowie gut 80 Mittelständler. Seine Einkaufstour in Deutschland ist noch nicht zu Ende: Buffett ist vor allem an größeren Mittelständlern interessiert. Er hat seinen Portfoliomanager Ted Weschler mit der Suche nach geeigneten Unternehmen beauftragt. Weschler, der erst im Dezember wieder in Deutschland war, um sich mögliche Übernahmekandidaten anzuschauen, arbeitet dabei unter anderem mit der Unternehmensberaterin Zypora Kupferberg zusammen. Sie hatte auch die Louis-Übernahme vor zwei Jahren arrangiert.

Idealerweise sucht Weschler nach Firmen mit einem Vorsteuergewinn von 50 Millionen Euro oder mehr. Im September war er auch eine Kooperation mit deutschen Großsparkassen eingegangen, um auch auf diese Weise geeignete Unternehmen zu finden. An Finanzmitteln fehlt es Berkshire nicht: Ende September hatte die Investmentgesellschaft Barmittel von fast 85 Milliarden Dollar in den Büchern. Damit könnte die Holding aus Nebraska auch große Übernahmen ohne Kreditfinanzierung stemmen.

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