Lucas Cranach der Ältere: Frühes Marketinggenie
Die auf Holz gemalte „Judith mit dem Kopf von Holofernes“ von Lucas Cranach d. Ä..
Foto: bpk | The Metropolitan Museum of ArtDüsseldorf. Hier wird ein Alter Meister von der Moderne her gedacht. Damit gelingt es der Ausstellung „Cranach – Meister. Marke. Moderne“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast, die am Samstag eröffnet, ganz neue Zielgruppen zu erschließen. Lucas Cranach der Ältere (1472–1553) war neben Albrecht Dürer der wichtigste deutsche Renaissancemaler. Und er war in vielen Charaktereigenschaften, in seinem der Stimmung, nicht dem Vorbild verpflichteten, nervösen Zeichenstil, in seiner politischen Wendigkeit und seinem fulminanten Unternehmertum in unserem Sinn modern.
Darüber hinaus schuf der geschäftstüchtige Leiter diverser Werkstätten, einer Apotheke und einer Holzhandlung in Wittenberg Bildformulierungen von anhaltender Wirkungsmacht, etwa den stehenden weiblichen Akt. An Cranachs Venus-Figuren kamen auch Pablo Picasso, Andy Warhol, Paula Modersohn-Becker, Man Ray, Martial Raysse und John Baldessari nicht vorbei.
Profund, aber nicht staubtrocken
Deshalb greift das Museum Kunstpalast auf ein Ausstellungsformat zurück, das sich bei El Greco bestens bewährt hatte. Der Alte Meister wird auch in seinem Fortwirken gezeigt. Den Part der Moderne übernahm wieder Direktor Beat Wismer. Für die profunde wissenschaftliche, nie staubtrockene, immer auch unterhaltsame Präsentation von Cranachs Œuvre zeichnen Gunnar Heydenreich und Daniel Görres. Heydenreich ist seit fünfundzwanzig Jahren Cranach-Forscher. Als Gründer der kostenlos zugänglichen Datenbank „Cranach Digital Archive“ hat er enge Kontakte zu den großen Museen in aller Welt. Und die liehen ihre kostbaren Gemälde aus.
Höhepunkt ist die „Madonna mit Kind“ aus dem Dom von Wroclaw, die bis 2012 als verschollen galt. Die Malerei ist hier von unerhörter Feinheit, die Darstellung der Haut mutet fast italienisch an. Dass diese Tafel etwas Besonderes war, beweist die Signatur. Statt die geflügelte Schlange zu malen, bildet Cranach seinen Siegelring mit dem Wappentier als Trompe-l’Œil ab. Auch wenn Cranach sich von Dürers Kupferstich „Adam und Eva“ inspirieren lässt, kommt er doch zu eigenen Bildlösungen.
Die ansprechende Schau führt unter anderem in eine Holz- und eine Malerwerkstatt und lässt tief blicken. Unter der Malschicht verborgene Vorzeichnungen zeigen verschiedene Temperamente der Werkstattmitglieder. Cranach hatte seinen Betrieb früh systematisiert, mit Standardformaten und spezialisierten Malern, mit Holzdrucken, die bestimmte Themen seiner Bilder popularisierten. Cranach war ein Marketinggenie, als es den Begriff noch nicht gab (bis 30.7.).
CRANACH. Meister – Marke – Moderne, bis 30. Juli 2017 im Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Di. bis So. 11 bis 18 Uhr, Do. 11 bis 21 Uhr. Samstags von 11 bis 21 Uhr.. Am Do. 8.6., Fr. 9.6., Sa 10.6., Do. 15.6., Fr. 16.6., Sa. 17.6. wird die Ausstellung bis 22 Uhr geöffnet sein.