Skulpturen auf dem Kunstmarkt: Vom Stiefkind zum Hype
Berlin. Noch vor gut zwei Jahrzehnten wurde die Skulptur der Klassischen Moderne und der Nachkriegsära auf den Kunstmärkten eher als Beiwerk der alles beherrschenden Malerei betrachtet. Reine Skulpturensammler gab es kaum, eine wohlbedachte Mischung der Gattungen war noch an der Tagesordnung. Einer der großen Einzelgänger, der schon in den 1960er-Jahren begonnen hatte, mit Werken von Jean Arp und Henry Moore eine weltumspannende Skulpturensammlung aufzubauen, war der texanische Immobilienzar Raymond D. Nasher. 30 Jahre später in einem Interview befragt, warum er sich damals für die Plastik entschieden hatte, gab er die pragmatische Antwort: „Keiner wollte sie. Das gab mir große Chancen.“
Nasher und seine Frau Patsy haben 2003 in Dallas das Nasher Sculpture Center errichtet, in dem über 300 Plastiken von Rodin bis Jeff Koons und Alex Israel gehortet werden. Der Auktionsbetrieb hat die Skulptur in den letzten zwei Jahrzehnten in den Marktolymp befördert und damit Nashers Pioniertat auch den kommerziellen Ritterschlag gegeben.